Ein Junge übt Trompete, sein Lehrer kommt aus dem Tablet auf der Kommode.

Keine Schule, kein Sporttraining und keine Musikschule. Das gilt gerade für alle Kinder und Jugendlichen. Doch viele Lehrer werden kreativ. Manche Musiklehrer verlagern ihre Stunden ins Netz und unterrichten ihre Schüler per Videokonferenz.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Musikschulen in der Corona-Krise: Bratschen-Unterricht per Skype

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"Nimm die Finger höher", erklärt Musiklehrerin Friederike Kremers dem elfjährigen Michel Rau. Gerade ist seine wöchentliche Bratschenstunde. Eigentlich ist alles wie immer. Erst Fingerübungen und dann spielt Michel vor, was er geübt hat.

Aber die beiden sind nicht zusammen in einem Raum, sondern halten die Stunde per Skype ab. Natürlich fühle sich das nicht so an wie sonst, die Verbindung hake immer wieder mal und auch die Tonqualität sei nicht optimal, erklärt die Musiklehrerin von der Kreismusikschule Oberlahn aus Weilburg.

Ganz anders, aber fast wie immer

Aber sonst laufe die Stunde eigentlich ab wie immer. Das sagt auch Michel. Und als unbeteiligter Zuschauer wirkt es wirklich so, als wären beide in der Musikschule und würden direkt nebeneinander stehen. Immer wieder unterbricht Friederike Kremers ihren Schüler. Hört wenn ein Halbton falsch gespielt wurde, oder der Elfjährige zu schnell spielt.

Und durch die Videoübertragung kann sie ihm genau zeigen, wie er sein Instrument halten sollte, wo er die Finger hinlegen soll. Ein großer Pluspunkt. Ohne digitale Hilfsmittel wäre das so nicht denkbar. Dafür ist Friederike Kremers dankbar: "Ich bin froh, dass es weitergeht."

Musikunterricht wird digital

Musikunterricht digital, das ist bei den Musikschulen in der Corona-Krise gerade angesagt. Viele stellen Videos auf Youtube. Auch Gitarrenlehrer Emir Tufekcic von der Kreismusikschule Oberlahn. Für seine Gitarrenschüler hat er sich gefilmt und erklärt im Video Schritt für Schritt worauf es ankommt. Wer will, kann sich das von zuhause immer wieder anschauen und nachspielen.

Gesangsstunde per Whatsapp

Dorothee Laux hat für sich einen anderen Weg gefunden. Sie ist Gesangslehrerin in Limburg. Über Youtube kann sie kein direktes Feedback geben und über Skype ist die Verzögerung bei der Übertragung ein Hindernis, erklärt sie. Laux musste also eine andere Lösung finden.

Sie schickt ihren Schülern Aufgaben, die diese per Whatsapp erfüllen und per Sprachaufnahme schicken. So kommt dann zum Beispiel der Kanon "Es tönen die Lieder" zustande. Das Ergebnis ist nicht verkehrt, aber direkter Gesangsunterricht ist auch das natürlich nicht. Es ist vielmehr eine Art Beschäftigung für die Zeit der Kontaktsperren.

Keine digitale Ablösung

Das sieht auch der Leiter der Kreismusikschule Oberlahn so. Für ihn ist der digitale Skypeunterricht mehr Mittel zum Zweck. Es ist eine Übergangslösung, damit alle am Ball bleiben und nicht den Anschluss verlieren.

Zwar wirken die Möglichkeiten der Technik unendlich, dennoch werden die digitalen Helfer den direkten Unterricht nicht so schnell ablösen, da sind sich die Experten sicher. "Es fehlt etwas", erklärt Bratschenlehrerin Friederike Kremers. Für den Moment nutzen die Musikschulen Skype, Youtube und Co aber gerne, denn sonst gäbe es gar keinen Unterricht.

Sendung: hr-iNFO, 26.03.2020, 16.30 Uhr