Audio

Nachhaltige Mode aus Kassel

Sophia Schneider-Esleben designt in Kassel nachhaltige Mode. Für ihre Stoffe nutzt sie auch Motive ihrer Künstler-Familie - darunter Architekt Paul Schneider-Esleben und Kraftwerk-Mitgründer Florian Schneider.

Für die Designerin war es "die Antwort auf alles": der Moment, als ihr vor ein paar Jahren die Idee kam, aus Kunst Mode zu machen. Sophia Schneider-Esleben dachte gerade über eine neue Kollektion nach und war kurz davor, auf eine Messe zu fahren, um sich Stoffe für die neuen Kleider auszusuchen. Da fielen ihr die Aquarellbücher ihres Großvaters in die Hände. Sie beschloss, daraus "ihr eigenes Ding" zu machen ein paar Motive auf Stoffe drucken und so seine Werke weiterleben zu lassen.

Paul Schneider-Esleben war einer der prägenden Architekten der Nachkriegszeit und Wegbegleiter von Walter Gropius und Mies van der Rohe. Als junges Mädchen war die Enkelin oft in seinem Atelier, hat dort erlebt, wie "PSE" Gebäude entworfen und Modelle gebaut hat.

Ihr Großvater habe sie schon früh inspiriert, erinnert sich Sophia Schneider-Esleben. Sie ist mit seinen Aquarellbüchern und seinen Aquarellkästen aufgewachsen, von denen er ihr einige hinterlassen hat. "Davon zehre ich noch heute", sagt die 34-Jährige.  

Inspiration Plattencover

Die künstlerische Ader liegt in der Familie. Ihr Onkel Florian Schneider war Mitgründer der Elektropop-Band Kraftwerk. Er starb 2020. Zur Beerdigung kam auch der audio-visuelle Künstler Emil Schult, der als "Das Auge" von Kraftwerk gilt.  

2er Kombo mit Modell und einem Plattencover von Kraftwerk

Unter anderem gestaltete er das Cover der Platte "Trans Europa Express". Zusammen mit Schult entwickelte die Modemacherin die Idee, zwar nicht das Original, aber eine Version des Zuges über Kleider, Pullover und Hemden rollen zu lassen und auf diesem Weg das Andenken an den Onkel zu bewahren.  

Neue Dimension von Nachhaltigkeit  

Die Familiengeschichte auf Stoff weiterleben zu lassen ist für Sophia Schneider-Esleben nicht nur ein Zeichen von Wertschätzung und Liebe, sondern auch eine Form von Nachhaltigkeit. Sie will "aus dem schöpfen, was da ist".

Schon im Modedesign-Studium sei sie zur Verfechterin von Mode geworden, die Umwelt und Ressourcen schont. Ihr habe missfallen, dass das Thema nicht den nötigen Stellenwert bekam und viel zu wenig Bio-Baumwolle verwendet wurde. Sie beschloss, das zu ändern und gründete ihr eigenes Slow-Fashion-Label, erzählt Schneider-Elsleben. 

Bio-Baumwolle und Bio-Farben 

Um Transportwege und damit CO2-Emissionen zu sparen, produziert sie weitgehend in Deutschland und der EU. Ihre Stoffe werden in Sachsen aus Bio-Baumwolle hergestellt und mit Bio-Farben bedruckt, die man sogar trinken könnte. Allerdings schmecken sie nicht, sagt Sophia Schneider-Esleben, sie habe es selbst ausprobiert.  

Flaschen mit unterscheidlichen Textilfarben in einer Maschine

Die Knöpfe stammen aus Frankfurt, sie sind aus Steinnuss hergestellt und damit tier- und plastikfrei. Genäht wird in Litauen, in einem reinen Frauenbetrieb.  

Qualität statt Quantität  

Nachhaltige Mode bedeutet für die Designerin auch, weniger Kleidung zu kaufen, die dafür hochwertiger und langlebiger ist. Ein Teil der Kollektion sei daher Unisex gehalten, um möglichst umfassend verwendbar zu sein.  

Einige Stücke seien non-seasonal, könnten also mit dem jeweiligen Styling im Winter wie im Sommer getragen werden. Grundsätzlich bevorzugt Sophia Schneider-Esleben klassische, geradlinige Schnitte, damit sie als Projektionsfläche für die Kunst funktionieren.  

Spiel mit Identitäten 

Die nächste Kooperation steht schon fest, nämlich mit der Kasseler Künstlerin Rana Matloub, die aus dem Irak stammt und in ihren Werken gerne mit verschiedenen Identitäten und Religionen spielt. Und dann? Das sei nie lange vorausgeplant, sondern entstehe eher aus einem Bauchgefühl, sagt Sophia Schneider-Esleben. Nachhaltigkeit kann auch ganz spontan sein.  

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen