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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Mehr Menschen wollen wissen, woher ihre Kleidung kommt"

Nachhaltige Modekollektion

Ökomode ist mehr als das Klischee vom Schlabberlook. Das zeigen junge Hessinnen wie die Modebloggerin Lydia Huth oder die Studierenden der Schule für Bekleidung und Mode in Frankfurt. Sie haben ihre eigene Kollektion nachhaltiger Mode designed.

Fünf Monate lang hat Isabelle Weiß zusammen mit sechs Kommilitoninnen an ihrem Abschlussprojekt an der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung gearbeitet. Jetzt steht sie vor einer großen Modepuppe und betrachtet stolz eines ihrer Werke: ein weißes, bodenlanges Kleid mit kurzen Ärmeln.

Studierende präsendieren nachhaltig produziertes Kleid

Der rechte, untere Rockzipfel des Kleides wurde mit einer rot-braun blühenden Pflanze bedruckt. Die Schokoladen-Kosmee, erklärt die 29-jährige. "Die Pflanze ist eigentlich in Mexiko verbreitet, dort aber vom Aussterben bedroht." Genau deshalb wurde die Pflanze zum Motiv ihrer Kollektion.

Vom Secondhand-Hemd zum Designer-Kleid

Mit ihrem Projekt wollen sie vermitteln, wie wichtig es ihnen ist, den Planeten zu schützen und auch die Artenvielfalt zu bewahren. Eine weitere Botschaft versteckt sich hinter den Materialien der Kollektion, sagt Isabelle Weiß: "Wir haben zum Beispiel das Kleid aus weißen Herrenhemden hergestellt".

Model präsentiert nachhaltig produziertes Kleid

Die Hemden haben die Studierenden in einem Secondhand-Laden gekauft. Ganz nach dem Motto: Aus alt mach neu - oder auch Upcycling genannt. Dieser Gedanke zieht sich durch die gesamte Kollektion der Modeschülerinnen, für die sie ausschließlich natürliche, mehrfach verwendbare Produkte benutzt haben.

Herkunft und Herstellung wird stärker hinterfragt

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die angehenden Designerinnen nicht nur im Rahmen ihrer Abschlussarbeit, sondern auch in ihrem Alltag. "Bevor ich etwas kaufe, überlege ich schon immer erst mal, wo ich meine Kleidung kaufen soll und wie oft ich wirklich etwas Neues kaufen muss", sagt Studentin Euginia Dwira.

Wann immer möglich treffe sie dann die Entscheidung, ein nachhaltig produziertes Kleidungsstück zu kaufen. Ökomode sei längst mehr als ausgeleierte Strickpullover in bunten Farben, findet die 26-Jährige.

"Ich weiß nicht, wieso Öko immer gleich öde sein soll. Es kann auf jeden Fall auch hip und cool sein", sagt Dwira. Außerdem gebe es immer mehr Marken und Labels, die fair produzierte Ökomode anbieten.

Modesiegel klären auf

Studierende werkeln an Modeprojekt

An bestimmten Modesiegeln könne man mittlerweile gut erkennen, wie nachhaltig ein Kleidungsstück wirklich ist, sagt Diplom-Designerin und Dozentin Ina Franzmann: "Es gibt in der Bekleidungsindustrie verschiedene Siegel wie beispielsweise Fairtrade oder den Grünen Knopf."

An den verschiedenen Siegeln könne man sich gut orientieren, wenn es um die Frage geht, unter welchen Arbeitsbedingungen ein Kleidungsstück hergestellt wurde oder welche Materialien sich darin verstecken, sagt Franzmann.

Stricken statt shoppen

Lydia Huth trägt nachhaltige Kleidung

Mehr Aufmerksamkeit auf nachhaltige und faire Kleidung will auch die Influencerin Lydia Huth lenken. Der Marburger Studentin folgen auf Instagram über 40.000 Menschen. Auf ihrem Kanal Lydia Rhabarber spricht sie über Themen wie Secondhand, "Greener Living" und gibt Tipps zum Thema Stricken.

Damit scheint sie bei ihrer Community einen Nerv zu treffen. "Ich habe schon den Eindruck, dass seit Pandemiebeginn mehr Menschen in meiner Community damit angefangen haben zu stricken", sagt die 25-Jährige.

Auch sie selbst strickt ihre Pullover mittlerweile alle selbst - und kann diese mit bestem Gewissen tragen. "Seitdem verstehe ich viel mehr den Wert von Kleidung, weil ich weiß, wie viele Stunden ich brauche, um ein Kleidungsstück zu machen", erklärt die Influencerin.

Nachhaltige Kleidung hat ihren Preis

Was ist mir meine Kleidung wert? Eine Frage, die Lydia Huth auch auf Instagram immer wieder thematisiert. Denn auch sie weiß: Nachhaltige Kleidung hat ihren Preis und ist sicherlich nicht für jeden Geldbeutel zugänglich.

Sie hofft, dass sich das Empfinden von Wert in Zukunft bei mehr Menschen ändern wird: "Vielleicht müssen es ja nicht vier Jeans für 20 Euro sein, sondern vielleicht reicht ja auch eine nachhaltig produzierte Jeans, die dann 100 Euro kostet."

Bewusst entscheiden

Lydia Huth strickt einen Pullover

Die Studierenden von der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung und ihre Dozentin Ina Franzmann sind zuversichtlich, dass sich diese Einstellung auch in der Modebranche irgendwann durchsetzen wird.

"So wie man als Endverbraucher ein Stück Fleisch konsumiert mit dem Wissen, dass das Tier artgerecht gehalten wurde, kann man das auch auf die Kleidung übertragen", sagt Franzmann.

Die Lebensmittelindustrie sei der Modebranche in diesem Punkt noch ein großes Stück voraus. "Aber ich glaube, dass es so langsam auch in im Bekleidungsbereich wachsen wird."

Sendung: hr-iNFO, 26.03.2021, 9.25 Uhr