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Audioseite Rundgang durch das Deutsche Romantik-Museum

Kombo-Aussenansicht mit Treppenhaus innen

Er hat Hochhäuser entworfen und das Terminal 3 des Frankfurter Flughafens, er lehrt Städtebau und hat das Institut für Stadtbaukunst ins Leben gerufen: Jetzt hat der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler mit dem Deutschen Romantik-Museum seinen ganz persönlichen "Lieblingsort" erschaffen.

Fünf Jahre nach dem ersten Spatenstich wird das Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt am Montagabend eröffnet - und ist ab Dienstag auch für die Allgemeinheit zugänglich. Welche Bezüge zu Goethe und seiner Zeit sich im Gebäude finden, verrät Architekt Christoph Mäckler (70) im hr-Interview.

hessenschau.de: Wenn man ins Foyer des Romantik-Museums kommt, fällt der Blick gleich auf die alte Brandmauer des benachbarten Goethe-Hauses. Warum war Ihnen das so wichtig?

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Christoph Mäckler: Die Brandwände sind außer dem Kellergewölbe das einzige, was vom Goethe-Haus original erhalten geblieben ist. Wenn Sie sich die vermauerten Steine ansehen und sich überlegen, dass das im 15. oder 16. Jahrhundert gemauert wurde, dann läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Die handwerkliche Arbeit einer Generation zu sehen, die seit vielen Jahrhunderten tot ist, ist etwas Wunderbares.

hessenschau.de: Ihr Romantik-Museum ist zweifellos zeitgenössische, moderne Architektur, hat aber zugleich viele Bezüge zur Zeit Goethes.

Mäckler: Meine Architektur lebt vom Ort, von seiner Kultur, seiner Geschichte. Direkt neben dem Goethe-Haus ein Museum zu bauen, ist eben etwas Besonderes. Man muss sehr stark auf dieses Haus eingehen. Die Tatsache, dass wir keine Fenster in das Haus bringen konnten, weil die Ausstellungsgegenstände kein UV-Licht vertragen, bringt sie zum Nachdenken, weil sie neben dem Goethe-Haus natürlich keine fensterlose Fassade errichten können. So haben wir die "Himmelstreppe", die alle Geschosse verbindet, direkt hinter die Straßenfassade gesetzt, um dort Fenster einbringen zu können. Wir haben nicht nur ein Haus gebaut, sondern drei Häuser mit verschiedenen Eingängen und drei vertikalen Fassaden, die das Goethe-Haus und seine Erscheinung am Hirschgraben stärken.

hessenschau.de: Die fast endlos erscheinende Himmelstreppe und der blau verglaste Erker - das sind Elemente mit starker Symbolkraft. Haben Sie Themen der Romantik in Architektur übersetzt?

Christoph Mäckler

Mäckler: Ich glaube, dass die meisten die Symbolik gar nicht wahrnehmen. Sie sehen einen Ziegelsteinboden mit kleinen Steinchen aus den Trümmern der Frankfurter Altstadt oder den blauen Erker, der nachts in den Hirschgraben hineinschimmert, und erfreuen sich daran. Auch wenn man nichts von der Romantik und ihrem Symbol der blauen Blume weiß, kann man sagen: Das ist schön oder das ist nicht schön. Anspruch der Architektur ist nicht, dass jeder das versteht, sondern die Räume müssen so gestaltet sein, dass die Menschen sich darin wohl fühlen. Das Romantik-Museum fällt natürlich auf mit seinen drei gelben Fassaden mit den unterschiedlichen Oberflächen, gleichzeitig bilden die drei Häuser ein Ensemble mit dem Goethe-Haus und haben damit auch etwas sehr Selbstverständliches.

hessenschau.de: Museumsarchitektur darf ja nicht zu selbstbewusst sein. Sonst haben Ausstellungsmacher ein Problem, dort ihre Exponate zu inszenieren. Wo haben Sie sich bewusst zurückgehalten und wo haben Sie eigene Akzente gesetzt?

Mäckler: Viele Architekturen sind völlig überzogen und sind so schreiend, dass das, wofür diese Architektur entstanden ist, gar keinen Platz mehr findet. Beim Romantik-Museum haben wir nur in der Eingangshalle, in den beiden großen Treppenhäusern und bei den Erkern, die auf die Straße oder in den Goethehof hinein schauen, eine besondere Gestaltung gewählt. Die Ausstellungsräume sind so organisiert, dass sie jederzeit umgebaut werden können. Es darf nicht sein, dass die Ausstellungsstücke durch die Architektur in den Hintergrund geraten, sondern es muss genau umgekehrt sein: Die Ausstellungsstücke sind das, wofür das Museum eigentlich gebaut wurde.

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Deutsches Romantik-Museum in Frankfurt

Es ist das einzige Museum weltweit, das sich der Epoche der deutschsprachigen Romantik widmet. In dem 12 Millionen Euro teuren Neubau direkt neben dem Goethehaus zeigt das Museum auf 1.600 Quadratmetern Manuskripte, Gemälde, Grafiken und Gebrauchsgegenstände sowie zahlreiche multimediale Installationen. Die neue Dauerausstellung hat 6,5 Millionen Euro gekostet. Die "Tonspur" des Museums ist in Zusammenarbeit mit hr2-kultur entstanden. Finanziert wurde das Projekt von Bund, Land, Stadt Frankfurt und zahlreichen Spendern.

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Die Fragen stellte Christoph Scheffer.

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