Schauspielerin Kristen Stewart vor einem "Fish & Chips"-Schild bei Dreharbeiten zum Film "Spencer" über Lady Di

Die hessische Filmförderung möchte künftig mehr gute Filme in Hessen entstehen lassen und schon erste Ideen unterstützen. Auch der Nachwuchs rückt stark in den Fokus.

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Diverser, flexibler, nachhaltiger: Filmförderung stellt sich neu auf

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne), Anna Schoeppe, Geschäftsführerin der "HessenFilm und Medien" und Marion Wagner, Förderabteilung HessenFilm und Medien
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Wie viel Traumfabrik steckt in Hessen? Viel, betont die Geschäftsführerin der HessenFilm und Medien, Anna Schoeppe. Schließlich, so sagt sie, sei der Hollywoodfilm "Spencer", der sich um das letzte gemeinsame Weihnachtsfest von Prinzessin Diana und Prinz Charles dreht, zum Teil in Hessen gedreht worden. Das Schlosshotel Kronberg diente dabei als Kulisse für den Geburtsort von Lady Di, Schloss Sandringham in England.

Eine neue Förderrichtlinie soll künftig mehr Glamour dieser Art nach Hessen bringen - und ganz grundsätzlich für eine bessere, passgenauere und nachhaltigere Filmförderung sorgen.

Bildkombination aus zwei Fotos: rechts Kristen Stewart als Lady Di und links die Ansicht des Schlosshotel Kronberg

Mehr Zeit und Geld für gute Geschichten

Man wolle die "progressivste Filmförderung in Deutschland" werden, erläuterte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) bei der Vorstellung der neuen Richtlinie am Montag in Frankfurt. Im Fokus stehen flexiblere Förderstrukturen, der Film-Nachwuchs sowie die Stoffentwicklung. Schließlich, betont HessenFilm und Medien-Geschäftsführerin Schoeppe, gebe es ohne gutes Drehbuch auch keinen guten Film. "Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber es stimmt."

Mit den neuen Förderstrukturen könnten Projekte in Zukunft bereits ab der ersten Idee und damit deutlich früher als bisher eine sogenannte Treatmentförderung erhalten, erklärt sie. Dabei sei es sehr wichtig, früh eine intensive Beratung anzubieten, unter anderem durch eine neu geschaffene zusätzliche Stelle in der Förderberatung.

Wie in einem Baukasten könnten jetzt zudem mehrere Förderarten gleichzeitig beantragt werden. Das entspräche deutlich mehr der Arbeitsrealität an einem Filmprojekt, bei dem oft viele Arbeitsschritte parallel liefen, erklärt Schoeppe. "Filmschaffende und insbesondere der filmische Nachwuchs erhalten besonders viel Flexibilität für die Entwicklung ihrer Geschichten und können so in Genres oder Formate eintauchen und besser auf einen sich rasch ändernden Markt reagieren." Zudem seien die maximalen Antragssummen erhöht worden.

Produktionen können mehrere Filme gleichzeitig realisieren

Für die etablierten, großen Filmproduktionsfirmen gibt es mit der neuen Förderrichtlinie erstmals die Möglichkeit, bis zu fünf Projekte gleichzeitig fördern zu lassen. "Das ist gut für uns, damit können wir parallel mehrere Projekte am Laufen halten", sagt Produzent Tonio Kellner. Mit seiner Produktionsfirma Neopol hat er im vergangenen Jahr etwa den Film "Eine Handvoll Wasser" mit Jürgen Prochnow in der Hauptrolle ins Kino gebracht. Aktuell ist ein Horrorfilm auf dem Weg - ebenfalls mit Fördergeldern aus Hessen.

Filmförderung ist nun ein echter Posten im Landeshaushalt

Für diese intensive Betreuung der Filmschaffenden und die passgenaue finanzielle Unterstützung müssen auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen. Während das Budget für Filmfestivals und deren Förderung um 550.000 Euro erhöht wurde, muss der Bereich Filmproduktion in diesem Jahr ohne merkliche Erhöhung zurechtkommen. Es stehen rund neun Millionen Euro zur Verfügung.

Die Filmförderung wurde aber - wie im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung festgeschrieben - von einem Bürgschaftsmodell auf eine Finanzierung durch echte Haushaltsmittel des Landes umgestellt. Bisher mussten Fördergelder aus Hessen bei teuren Filmen mit Produktionskosten über 1,5 Millionen Euro als Bürgschaftsmittel verzinst werden. Dieser Standortnachteil fällt nun weg. "Darlehen ohne Zinsen ist hier unsere wichtigste Erhöhung der Fördermittel", so Ministerin Dorn.

Darüber hinaus soll die Medienförderung erweitert werden - auch Entwickler audiovisueller Projekte wie Virtual- und Augmented Reality, Webserien oder Games können nun Unterstützung beantragen.

Niedrigerer Hesseneffekt bringt mehr Flexibilität

Die großen Filmproduktionen werden durch die Senkung des so genannten Hessen-Effektes entlastet: Bislang mussten die Firmen 150 Prozent der Fördersumme in Hessen ausgeben. Nun wurde dieser Wert auf 125 Prozent gesenkt. "Das ist sehr gut", so Produzent Kellner von Neopol. "Andere Länderförderer sind da weit drüber."

Für Debütfilme fällt dieser Regionaleffekt ganz weg. Eine große Erleichterung, findet Kellner. Er hofft nun, dass sich mit der neuen Förderrichtlinie am Filmstandort Hessen für die Filmschaffenden "das Nachhaltige auch in allen Facetten manifestiert: grünes Produzieren, mehr Produktionsfirmen am Standort, einfach mehr Filme aus Hessen heraus produziert, damit alle Filmschaffenden auch regelmäßig gut bezahlte Jobs bekommen".

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