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Das ist 069-Ästhetik

069 - das ist erst einmal die Vorwahl der Städte Frankfurt und Offenbach. Inzwischen verbirgt sich dahinter aber eine Design-Richtung, die das Bild der beiden Städte prägt. Darauf will das neue Festival "Into Design" aufmerksam machen.

Eine Vorwahl als Statement: Auf den "Business-Socken" des Offenbacher Designers Maziar Rastegar ist die 069 verewigt - in einer ganz speziellen Schrift. Sie ist geradlinig und gleichzeitig verschnörkelt. Rastegar hat für seine Schrift "Offenbach Neue" die klassische Frakturschrift und arabische Elemente miteinander kombiniert.

Designersocken mit der Aufschrift 069

Für den Frankfurter Grafikdesigner Felix Kosok drückt diese Schrift das aus, was er 069-Ästhetik nennt: Design aus Frankfurt und Offenbach. Beides sind Orte, in denen die verschiedensten Kulturen und Nationalitäten Tür an Tür wohnen.

Kulturen als Quelle der Inspiration

Felix Kosok

Diese Kulturen und Nationalitäten sind keine Gegensätze, sondern Quelle der Inspiration. "All diese starken Kontraste, die da aufeinandertreffen, wirken zusammen, ohne sich gegenseitig aufzuheben", sagt Felix Kosok. "Sie ergeben dann eine bestimmte Ästhetik, ein bestimmtes Gefühl für eine Stadt." Und diese möchte ein neues Festival bekannter machen, an dem auch Kosok mitwirkt - "Into Design" (11. und 12. Dezember 2021) heißt es.

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Neues Festival

"Into Design" Festival für ästhetisches Stadtleben, 11.-12. Dezember, Frankfurt und Offenbach, angeboten werden unter anderem Führungen durchs Frankfurter Ostend oder das Bahnhofsviertel. In Offenbach steht eine Innenstadtführung auf dem Programm. Auch Blicke in Ateliers oder Workshops sind geplant.

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Dabei soll klar werden: Um herauszustechen und sich einen Namen zu machen, müssen sich die Designer hier etwas Besonderes einfallen lassen, sagt Kosok. Der Grafikdesigner ist ein echter Frankfurter Bub und hat in Offenbach an der Hochschule für Gestaltung (HfG) studiert.

Beispiel: Veganes Fußkleid

Ekin-Schuh

Ein Beispiel für typische 069-Ästhetik sind für ihn die Schuhe des Frankfurter Labels Ekin, die nachhaltig in Portugal unter anderem aus recycelten Plastikflaschen produziert werden. Die Kollektion ist vielfältig und umfasst zahlreiche vegane Modelle.

Es gibt den schnittigen Sneaker mit keilförmiger Sohle, Stiefel, die an derbe Wanderboots erinnern, oder minimalistische, quasi nahtlose weiße Loafer - überwiegend bequemer urban Style. Auf der Webseite kann man mittlerweile lesen: "Lieferverzögerungen wegen hoher Nachfrage" - und das, obwohl das Label nicht ganz billig ist.

Berühmte Möbel aus Frankfurt

Tisch aus Glas

Die 069-Ästhetik, sagt der Designer Kosok, sei eine gehobene Art von Ästhetik, mit großer Liebe fürs Detail. Die zeichne auch den inzwischen deutschlandweit bekannten Möbeldesigner Sebastian Herkner aus. Auch er hat an der HfG studiert und in Offenbach nach wie vor sein Studio. Herkners Entwürfe haben für Felix Kosok auch etwas angenehm Spielerisches, anders als etwa die minimalistische Berliner Ästhetik, die viel auf schwarz und Beton setze.

Felix Kosok: "In Frankfurt darf auch mal mit Farbe gespielt werden. Darf‘s ein bisschen schicker sein." So ist auch der "Bell Table", mit dem Herkner 2012 bekannt wurde, ein Messingtisch, der von einem Fuß aus mundgeblasenem Glas getragen wird. Leider auch nicht unbedingt für jeden erschwinglich.

Ein Hotel als Wohlfühl-Ort

Lindley Lindenberg Hotel Frankfurt

Ein Gefühl für aktuelle architektonische 069-Ästhetik vermittelt das Lindley Hotel im Frankfurter Ostend. Es ist - neben dem Ekin-Store und weiteren Stationen - ein Stopp auf Felix Kosoks Design-Expedition durchs Ostend bei "Into Design". In der "Guten Stube", einem der zahlreichen, unterschiedlich gestalteten Multifunktionsräume, stehen mehrere Samt-Sofas und Mid Century Möbel in dunklem Holz, dazu ein Kult-Plattenspieler des hessischen Designers Dieter Rams für Braun aus den 1950er Jahren - und viele Platten.

Das Lindley ist mehr als ein Hotel - es ist auch eine Hausgemeinschaft, ein Ort für Künstler und Kreative wie Felix Kosok, der hier regelmäßig arbeitet, wenn ihm im Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt. "Ich glaube, diese hybride Vermischung", sagt er. "Dinge können auch anders genutzt werden, als es sich jemand Bestimmtes das ausgedacht hat - das ist auch etwas, das Frankfurt und Offenbach auszeichnet: eine Offenheit."

Nach einem Design-Spaziergang mit Felix Kosok ist klar: 069-Ästhetik ist weit mehr als die Frankfurter Skyline, das Bahnhofsviertel oder ein Song des Rappers Haftbefehl.

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Design aus Frankfurt und Rhein-Main

Seit langem spielen Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet beim Thema Design eine weltweit bedeutende Rolle: Die vom Architekten und Baudezernenten Ernst May ab 1925 konzipierten Siedlungen des "Neuen Frankfurt" haben Designgeschichte geschrieben, genauso wie das zeitgleich entstandene Urmodell der Einbauküche von Grete Schütte-Lihotzky.

Nach dem Krieg wurde etwa das geradlinigen Design der Kronberger Braun AG, deren Produktgestaltung 1955 Dieter Rams übernahm, weltbekannt. Und auch später entstanden im Rhein-Main-Gebiet immer wieder erfolgreiche Gestaltungsbüros, häufig gegründet von Absolventen der HfG in Offenbach oder den Fachhochschulen Mainz, Wiesbaden und Darmstadt.

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