Links: So soll das neue Hochhaus aussehen. Rechts davon: das alte Polizeipräsidium.

Das seit langem brach liegende Areal des Alten Polizeipräsidiums in Frankfurt soll nun bebaut werden. Geplant sind ein "mutiges Hochhaus", aber auch geförderte Wohnungen. Unter anderem um deren Zahl gab es Streit zwischen Stadt und Land.

Nach fast 20 Jahren Leerstand nimmt die Zukunft des Geländes des Alten Polizeipräsidiums Frankfurt Gestalt an. Auf dem 15,4 Hektar großen Grundstück zwischen Hauptbahnhof und Messe soll ein Ensemble aus Neubauten rund um ein Hochhaus und dem denkmalgeschützten Bestand entstehen.

Das geht aus dem Siegerentwurf von Meixner Schlüter Wendt Architekten aus Frankfurt hervor, der am Dienstag von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) vorgestellt wurde. "Ich freue mich sehr, dass wir nach dem langen Leerstand nun ein ansprechendes Konzept vorliegen haben und die unschöne Brache ein Ende findet", sagte Josef am Dienstag.

Hochhaus mit maximal 145 Metern Höhe

In dem Komplex mit etwa 100.000 Quadratmeter Geschossfläche sollen unter anderem eine Kita, eine Schulturnhalle, Büros, ein Hotel sowie frei finanzierte und geförderte Wohnungen unterkommen. Baubeginn soll 2022 sein, fertig wird das Gesamtprojekt nach derzeitiger Planung bis 2026. Das Baurecht ermöglicht an dem Ort ein Hochhaus mit maximal 145 Metern Höhe.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Neues Hochhaus am Alten Polizeipräsidium geplant

Ende der Bildergalerie

"Die Arbeit überzeugt mit der hohen Eigenständigkeit des städtebaulichen Konzepts und durch das aufregende und mutige Hochhaus, das in der Silhouette der Stadt Frankfurt herausstechen wird", sagte Ulrike Lauber, die Vorsitzende der Jury, die den Siegerentwurf ermittelte: "Zusammen mit dem Alten Polizeipräsidium wird es zu einem ganz besonderen Ort im Herzen von Frankfurt werden."

800 Millionen Euro Investitionsvolumen

Bei dem nichtöffentlichen Wettbewerb hatten mehr als ein Dutzend nationale und internationale Architekturbüros ihre Vorschläge eingereicht. Das Stadtplanungsamt will alle Entwürfe von Mittwoch an in einer Ausstellung präsentieren.

Der Düsseldorfer Projektentwickler Gerchgroup kaufte die seit 2002 leerstehende Immobilie im März 2018 vom Land Hessen für rund 212,5 Millionen Euro. Gerchgroup rechnete damals nach eigenen Angaben mit einem Investitionsvolumen von rund 800 Millionen Euro für die Entwicklung des Grundstücks.

Zwölf Prozent der Fläche für gefördertes Wohnen

Zwischen Land und Stadt hatte es heftigen Streit über den Verkauf gegeben. Während der damalige Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) sagte, die Stadtt könne sich freuen, da der Erlös in sozialen Wohnungsbau, Bildung und Wissenschaft investiert werde, sprach Planungsdezernent Josef von einer "verpassten Chance". Das Land habe sich nur auf einen möglichst hohen finanziellen Erlös konzentriert und städtebauliche Ziele nicht berücksichtigt.

Der hohe Kaufpreis mache eine vernünftige städtebauliche Kalkulation sogar sehr schwer umsetzbar. Bezahlbarer Wohnraum könne im freifinanzierten Bereich kaum entstehen, beklagte Josef. Schäfer bewertete das anders: Am Alten Polizeipräsidium entstehe "sozialer Wohnungsbau in beträchtlichem Umfang", sagte er. Der Anteil von Wohnen an der gesamten geplanten Geschossfläche soll bei 40 Prozent liegen. Von diesen 40 Prozent sollen 30 Prozent gefördertem Wohnen vorbehalten sein - das entspricht zwölf Prozent der gesamten Geschossfläche.

Sendung: hr-fernsehen hessenschau, 01.09.2020, 19.30 Uhr