Bildkombo: Ein Ausflugschiff auf dem Main vor der Skyline/ zwei Touristen, die Fotos machen

Die Frankfurter Skyline wächst: Mit dem Millennium Tower soll bald der höchste Wolkenkratzer Deutschlands entstehen. Braucht die Stadt wirklich noch mehr Hochhäuser? Aber sicher!

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Skyline - Touristenmagnet und Filmkulisse

Blick auf die Skyline Frankfurt mit Containern im Vordergrund
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Er könnte schon längst stehen - schließlich stammen die Planungen für den Millennium Tower aus dem Jahr 1998. Einige Jahre später wurde eine Baugenehmigung für einen 369 Meter hohen Turm erteilt, umgesetzt wurde das Bauvorhaben nicht.

Bis jetzt: Projektentwickler CA Immo geht das Konzept neu an, vorgesehen ist ein ganzes Millennium-Areal mit zwei gemischt genutzten Hochhäusern. Eines davon soll 260 Meter hoch werden - und damit knapp höher als der Commerzbank-Turm, das aktuell höchste Hochhaus Deutschlands.

Grundsätzlich ist zu fragen, ob es tatsächlich noch einen Millennium Tower braucht. Aber sicher! Schließlich bringt die Hochhauskulisse mehrere Vorteile für die Stadt. Fünf Gründe für mehr Skyline.

1. Die Skyline ist ein Tourismusmagnet

Die Frankfurter Hochhäuser sind der Selfie-Hotspot schlechthin. Die Frankfurter Skyline hat den Ruf, die eindrücklichste in ganz Europa zu sein. "Es ist schon so, dass die Skyline bei uns in Frankfurt ein Alleinstellungsmerkmal ist", sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD): "Wenn man sich andere europäische Städte wie London oder Paris anschaut, da stehen in aller Regel die Hochhäuser weiter auseinander." Diese "Skyline-Krone" habe einen großen, einmaligen Wiedererkennungswert.

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Hochhaus-Cluster in Frankfurt

Brachfläche im Frankfurter Europaviertel

Der Millennium-Tower-Komplex an der Osloer Straße wird Teil eines neuen Hochhausclusters mit altbekannten Gebäuden wie dem Tower 185, dem Messeturm, Castor und Pollux. In direkter Nachbarschaft entstehen mit Eden und The Spin zwei weitere Hochhäuser. Der Millennium Tower soll neben Büros ein Hotel sowie eine Aussichtsplattform mit gastronomischen Angebot beherbergen, wie der Projektentwickler CA Immo am Mittwoch mitteilte. Um den Block herum ist eine Randbebauung vorgesehen. Insgesamt sollen auf dem Areal 500 Wohnungen entstehen, 200 davon öffentlich gefördert. Auch Gaststätten, Einzelhandel, Arztpraxen und andere Dienstleistungen sollen in den Gebäuden unterkommen. Ein Architekturwettbewerb bis Ende Januar 2021 soll Vorschläge für das 8.700 Quadratmeter große Areal am Rande des Europaviertels und der Messe bringen.

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Damit das so bleibt, regelt der so genannte Hochhausrahmenplan der Stadt, dass die Türme in Gruppen entstehen, sogenannten Clustern, etwa rund um die Messe oder im Bankenviertel. Das gibt eine unverkennbare Aneinanderreihung der Türme - und ist ein beliebtes Fotomotiv.

"Wir haben sehr viele Gäste, die bewusst wegen dieser Stadtarchitektur zu uns kommen", sagt Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Vermarktungsgesellschaft Tourismus + Congress GmbH: "Das Ganze ist natürlich auch social-media-mäßig ein perfekter Schauplatz für Inszenierungen." Dadurch sei Frankfurt zuletzt auch für jüngere Reisende interessanter geworden.

2. Hochhäuser schaffen den Wohnraum der Zukunft

Verhältnismäßig wenig Fläche, aber immer mehr Einwohner: Platz ist rar in Frankfurt. Durch den Grüngürtel und die Einflugschneise des Flughafens sind die Möglichkeiten, über die Stadtgrenzen hinaus zu bauen, begrenzt. Ein logischer Schritt ist also, in die Höhe zu bauen. Wohnen wir bald alle hoch oben?

Skyline Frankfurt

Eher nicht! Wohntürme wie der 51-stöckige Grand Tower zwischen Hauptbahnhof und Messe bieten zwar den benötigten Platz. Bisher sind solche Wohnungen aber als Luxusappartements erdacht und kommen damit nur für eine bestimmte Klientel als Wohnraum in Frage. Auch in diesem Kontext ergeben sich Probleme.

"Das Schlimmste an Luxusimmobilien ist, wenn es sich dabei um Anlagen handelt und nicht um Wohnungen, in denen Menschen wohnen", konstatiert Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums. Er appelliert deshalb eindrücklich an die Politik, dem Trend von Wohnungen als Geldanlage entgegenzuwirken. "Es schadet der Stadt."

Tatsächlich ist es das erklärte Ziel der Stadtentwicklung, bei neuen Bauprojekten 30 Prozent der verfügbaren Fläche für öffentlich gefördertes Wohnen zur Verfügung zu stellen. Das richtet sich laut Stadtrat Josef nicht nur an Menschen mit geringem Einkommen, sondern auch an mittlere Verdiener: "Wenn Wohnungen entstehen, muss auch für die Lebensrealität der Menschen in unserer Stadt etwas dabei sein." Was sich aktuell noch wie ein Wunschtraum anhört, ist in Wirklichkeit alternativlos: Schließlich will Frankfurt sein weltoffenes Gesicht behalten.

3. Auch die Kultur wohnt immer öfter im Hochhaus

Die Frankfurter Skyline steht längst nicht mehr nur für Bürotürme und Wohnraum. Immer öfter bieten die Hochhäuser Platz für Gastronomie und Kultur. Das beweist unter anderem der Ableger des Museums für Moderne Kunst (MMK2) im Taunusturm.

Ein ähnliches Modell ist für das Museum der Weltkulturen vorgesehen: In einem neuen Hochhaus, das die Hessische Landesbank an der Neuen Mainzer Straße bauen will, ist im vierten Obergeschoss eine Dependance des Museums geplant. Planungsdezernent Josef sieht darin eine Chance, Wolkenkratzer für die Öffentlichkeit zu erschließen und das Bankenviertel zu beleben: "Das ist auch ein Bestandteil von mehr Lebendigkeit, weil man es dadurch interessanter macht, diese Standorte zu besuchen."

4. Die Skyline ist eine attraktive Filmkulisse - auch für Hollywood

Apropos Kultur: Wo sonst in Deutschland hätte Netflix eine Serie mit dem Namen "Skylines" drehen können, wenn nicht in Frankfurt? Auch die ZDF-Produktion "Bad Banks" wäre nirgendwo anders sinnvoll gewesen. Wer seine Geschichte in der Finanzbranche ansiedelt, zwischen Macht und Geld, muss die gläsernen Türme, die Hochhausschluchten und das diverse Nachtleben zwischen Trinkhalle und Szeneclub zeigen. 

Skylines Serienstills

Sogar Hollywood nutzt die beeindruckende Kulisse gerne für aufwendige Produktionen wie "Das A-Team" oder "Iron Sky". Wenn man nicht nach New York will, dreht man eben in Frankfurt. Dass die Stadt auch Romantik kann, hat Matthias Schweighöfer in einigen seiner Filme bewiesen. Stadtvermarkter Thomas Feda freut sich nach eigener Aussage über jeden Dreh: "Ob das nun roughe Bilder sind oder Hochglanz-Aufnahmen, sie steigern den Wert und das Image unserer Stadt."

5. Die Skyline sorgt international für Aufmerksamkeit

Während in anderen deutschen Städten Kirchen das Stadtbild prägen, sind es in Frankfurt Hochhäuser. Das schafft auch internationale Aufmerksamkeit. Jüngstes Beispiel: der Omniturm, der sich im Finale des Internationalen Hochhauswettbewerbs gute Chancen ausrechnen darf. In der Regel stammen die Preisträger überwiegend aus Asien und den USA.

Im internationalen Vergleich ist die Frankfurter Skyline zwar klein. Es sei aber nun mal die einzige in Deutschland, hält Architekturmuseumschef Schmal fest und stellt die individuelle Gestaltung der einzelnen Türme heraus: "Als mit dem Messeturm in den 1980er Jahren zum ersten Mal ein Hochhaus auftauchte, das eine Gestaltung hatte, die abwich von den internationalen Kisten, fing die Öffentlichkeit an, diese Gebäude zu schätzen." Seitdem lege die Stadt großen Wert auf gestalterische Qualität und Wirkung - quasi Qualität statt Quantität. "Unsere Skyline kann man nicht vergleichen mit Shanghai, New York oder anderen Metropolen. Es ist deshalb umso wichtiger, dass unsere Türme eine besondere Architektur und Ausstrahlung haben", findet Schmal.

Sendung: hr2-kultur, 30.09.2020, 15.15 Uhr