No Angels

Vor über 20 Jahren schrieb die Frankfurterin Nadja Benaissa mit den No Angels Musikgeschichte. Lange war es still um die legendäre Band - jetzt kommt sie nach Frankfurt. Wie es mit den No Angels weitergeht, verrät Nadja Benaissa im Interview.

Aus der ersten Staffel der deutschen Casting-Show "Popstars" gingen im Jahr 2000 die No Angels hervor - und damit eins der beliebtesten Postermotive in Kinder- und Jugendzimmern der Nullerjahre. Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls eroberten binnen kürzester Zeit die Charts und galten als erfolgreichste Girlband Kontinentaleuropas.

Über 20 Jahre später stehen vier der Engel wieder zusammen auf der Bühne und performen während ihrer "Celebration"-Tour ihre alten, neu interpretierten Songs. Am Mittwoch spielen die No Angels in der Frankfurter Batschkapp - und damit in der Heimatstadt von Nadja Benaissa. Im Interview spricht die 40-Jährige über nostalgische Momente, schreiende Fans und ihre Lieblingsorte in der hessischen Heimat.

hessenschau.de: Nach über 20 Jahren stehen Sie wieder gemeinsam mit Lucy, Sandy und Jessica als die No Angels auf der Bühne. Wie ist die "Celebration"-Tour für Sie und die Band?

Nadja Benaissa: Das ist sehr nostalgisch und emotional für uns alle. Wir haben ja schon ein paar Konzerte gespielt und es ist einfach eine unglaubliche Stimmung bei den Konzerten. Man merkt wirklich: Die Menschen, die zu unserem Konzert kommen, die verbinden so viele Erinnerungen und Emotionen mit unserer Musik, man sieht so viele glückliche und gerührte Gesichter. Und es ist so eine liebevolle und laute Stimmung.

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Wie geht es weiter? Nadja Benaissa über die Zukunft der No Angels

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Es waren ja nicht so leichte, oder es sind nicht leichte Umstände für alle Künstler in diesen Zeiten. Der Verkauf ist oft schleppend und wir haben selbst auch drei Konzerte abgesagt. Erst Corona, dann die Ukrainekrise, die Inflation. Die Menschen haben es nicht leicht und überlegen es sich zehnmal, ob sie jetzt aufs Konzert gehen oder nicht. Aber die Konzerte, die restlichen, die wir jetzt alle gespielt haben, sind bombastisch.

hessenschau.de: Was war Ihr bisheriger Höhepunkt auf der Tournee?

Nadja Benaissa: Unser erstes Konzert, das wir gespielt haben in Stuttgart auf unserer Celebration-Tour. Es war wirklich ein Höhepunkt, weil klar, wir waren aufgeregt vor dem ersten Konzert. Wir haben noch mal richtig intensiv geprobt und wir wussten nicht, was uns genau erwartet. Als wir dann auf der Bühne standen, also schon bevor wir auf die Bühne gekommen sind, haben die Leute so geschrien. Wir waren bei 115 Dezibel, was richtig laut ist, also das Publikum, nicht wir. Und das war unfassbar.

Ich bin eigentlich nicht der Mensch, der so super emotional ist, also in Form von Weinen. Auf der Bühne beim ersten Konzert sind mir wirklich zweimal so richtig die Tränen runtergelaufen. Ich habe zwar weiter gelächelt und performt, aber ich war so berührt von dieser Liebe und dieser Stimmung. Und wirklich alle singen jeden Text mit und sind so glücklich. Das ist so eine wunderschöne Energie.

hessenschau.de: Nach 20 Jahren, kann man da weitermachen, wo man aufgehört hat oder mussten sich die No Angels ganz neu aufstellen?

Nadja Benaissa: Wir hatten im Juni unser größtes Open Air Konzert ever in der Wuhlheide in Berlin, und dafür hatten wir sehr intensive Proben. Manche Songs haben wir schon seit 18, 19 Jahren nicht performt. Wir machen ja jetzt ein Best-of unserer Songs und auch ein paar neue.

Da mussten wir natürlich intensiv proben, weil wir tanzen ja auch richtig auf der Bühne und man ist auch keine 18 mehr und auch keine 25 mehr, das merkt man. Aber es war super, dass wir diese Proben hatten und für unsere Tournee haben wir dann ein bisschen was abgeändert. Weil wir jetzt kleinere Bühnen bespielen und nicht mit 20 Tänzern auf die Bühne gehen können.

No Angels

hessenschau.de: Mit "Daylight in your Eyes" haben die No Angels Riesenerfolge gefeiert - wie ist es zwei Jahrzehnte später, den Song auf der Bühne zu spielen?

Nadja Benaissa: 'Daylight' ist immer toll zu performen. Also manchmal denke ich dann so kurz vorher: 'Ach nee, jetzt schon wieder Daylight'. Aber sobald der erste Ton klingt, flippen alle aus, weil das Publikum dieses Lied liebt und das ist so ansteckend. Dann ist man einfach so euphorisch und so glücklich und so drin. Und in dem Moment, wenn man es performt, liebt man es jedes Mal.

hessenschau.de: In Frankfurt sind Sie nicht nur geboren, sondern 2000 auch zum "Popstars"-Casting gegangen, danach ging alles sehr schnell. Was ist das für ein Gefühl, jetzt ein Konzert in Ihrer Heimat zu spielen?

Nadja Benaissa: Ich freue mich schon die ganze Zeit auf das Frankfurt-Konzert. Für mich ist es was ganz, ganz Besonderes. Meine Eltern kommen, meine Tochter kommt, mein Bruder, meine Tante.

Ich lebe jetzt seit zwölf Jahren in Berlin und liebe es auch sehr. Aber ich bin trotzdem immer jeden Monat, spätestens jeden zweiten Monat hier für meine Familie, um die zu besuchen. Das sind so meine beiden Heimaten. Und so fühlt es sich auch immer an, wenn ich nach Frankfurt komme. Es macht mich besonders glücklich und stolz, dass wir jetzt in Frankfurt spielen.

hessenschau.de: Was an Ihrer hessischen Heimat vermissen Sie am meisten?

Nadja Benaissa: Am Anfang habe ich die Frankfurter Rindswurst vermisst. Die vermisse ich jetzt aber auch nicht mehr, weil ich bin Veganerin seit ein paar Jahren. Aber am meisten vermisse ich tatsächlich meine Familie. Oder auch, wenn man in Frankfurt reinfährt, die Skyline.

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Was mir auch manchmal ein bisschen fehlt, ist diese Ruhe, die man hier spürt. Berlin ist schon immer sehr laut und hektisch und ständig passiert was Neues, was sehr spannend und aufregend ist. Aber ich genieße es auch wirklich sehr, wenn ich dann bei meinen Eltern bin und einfach mal durchatmen kann. Es ist einfach von der Energie ein anderes Gefühl.

hessenschau.de: Sie spielen morgen in Frankfurt, dann folgen noch Auftritte in Köln und Bielefeld. Geht es nach dieser Tour in irgendeiner Form weiter mit den No Angels?

Nadja Benaissa: Wir haben auf jeden Fall noch mal Ende des Monats eine große Charity Gala, wo wir auftreten. Aber dann fährt jeder erst mal nach Hause und wir haben auch schon so ein kleines Gespräch gehabt und gesagt: Jeder nimmt sich jetzt mal wieder ein bisschen Zeit für sich und dann schauen wir weiter. Für uns war das ja wirklich eine beschränkte Zeit, dass wir gesagt haben, wir kommen zusammen für das 20-jährige Jubiläum.

Wir haben aber auch festgestellt, dass es so unfassbar schön ist, Auftritte zu machen, dass wir auf jeden Fall auch Lust haben, mal hier und da einen Auftritt zu machen. Wir kommen wieder zusammen, wenn es für alle passt und wenn alle wirklich entspannt und mit Freude arbeiten können. Das ist eine ziemliche Luxus-Situation, so arbeiten zu können.

Das Gespräch führte Anne Heigel.

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