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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Weltweit größtes Chormusik-Archiv zieht von Limburg nach Wetzlar

Drei Fotos zeigen das Gebäude, in dem das Archiv gegenwärtig untergebracht ist, ein Foto mit Noten und die Mitarbeiter des Archivs beim Packen der Kisten.

Das weltweit größte Archiv für Chormusik steht in Limburg - noch. Das Fachwerkhaus, in dem das Deutsche Centrum für Chormusik untergebracht ist, platzt buchstäblich aus allen Nähten. Eine Lösung bietet sich jetzt in Wetzlar an.

Das Deutsche Centrum für Chormusik (DCFC) zieht um. Rund 1.000 Umzugskartons mit 18 Tonnen Papier machen sich demnächst auf den Weg von Limburg nach Wetzlar. Der Grund dafür ist einfach: Der Sitz des weltgrößten Chormusik-Archivs, ein uraltes Fachwerkhaus aus dem 13. Jahrhundert, ist voll gestopft mit zigtausenden Notenblättern. Diese Masse an Papier ist zu schwer für das alte Gebälk, am "Gotischen Haus" könnten Schäden entstehen.

"Arche Noah der Chormusik"

Das Centrum gilt als "Arche Noah der Chormusik" und ist vergleichbar mit einer Universitätsbibliothek. Bislang sind in Limburg 360.000 Chorwerke aus der ganzen Welt zu finden, über mehrere Stockwerke verteilt auf rund 400 Quadratmetern, vom schlichten Volkslied bis zum Oratorium. "Wir bekommen jeden Monat 1.000 neue Werke rein", sagt der Gründer und Leiter des Centrums, Manfred Bender. Allein 10.000 Einzelstücke habe ein US-amerikanischer Verlag geliefert. "Die haben gesagt: Wir wollen, dass die Sachen hier sind", berichtet Bender.

Um die Übersicht zu behalten, sind die Chorwerke gegliedert nach geistlicher und weltlicher Musik, nach Stilepochen, ob sie a cappella gesungen oder instrumental begleitet werden, nach Komponisten und Solostimmen. Chorleiter können sich ausgewählte Stücke auf CD anhören, Partituren ansehen oder sogar an Ort und Stelle mit Instrumenten musikalisch umsetzen. Etwa 600 Chorleiter kämen jedes Jahr nach Limburg, um sich zu informieren, sagt Bender.

Zwei Jahre lang nach neuem Standort gesucht

In seiner Studienzeit in den 1990er Jahren begann Bender Chormusik zu sammeln: erst in seinem Schlafzimmer, später in seiner Wohnung in Selters im Taunus (Limburg-Weilburg). Als sich dann fast täglich Chorleiter bei ihm zu Hause informieren wollten, verfrachtete er das Archiv in das alte Fachwerkhaus nach Limburg. Dort ist aber jetzt kein Platz mehr.  

Umzug Deutsches Centrum für Chormusik

Zwei Jahre lang suchte Bender nach einem neuen Standort. Die Stadt Limburg kündigte ihm 2018 den Mietvertrag. Ende Januar lief die Frist zum Auszug ab. Es habe zwar mehrere Angebote gegeben, auch von der Stadt, doch viele dieser Immobilien seien nicht geeignet gewesen oder schlicht zu teuer, berichtet Bender. Das DCFC ist ein eingetragener Verein mit begrenzten finanziellen Mitteln.

hr-Radiobericht ebnete den Weg

Den Stein ins Rollen brachte Mitte Januar unter anderem ein Bericht im hr-Radio über die Suche nach einem neuen Standort. Neben anderen meldete sich ein junger Logistik-Unternehmer aus Wetzlar und bot Bender seine Hilfe an. Der Centrumsleiter war erst skeptisch, da sein Verein kaum Geld hat. Doch der Unternehmer Manuel Rupp habe ihm gesagt, es gehe nicht immer nur ums Geld, man müsse auch die Kultur fördern. Er habe ihm einen Bürokomplex mit Lagerräumen zu günstigen Konditionen angeboten, bestätigte Rupp dem hr.

Der Standort in Wetzlar sei ideal, freut sich Manfred Bender, zumindest für die nächsten beiden Jahre. Bis Ende Februar soll alles gepackt sein und nach Wetzlar gebracht werden. Auch danach wird Bender neben seiner eigentlichen Leidenschaft viel über die Standortfrage grübeln. "Ob wir dauerhaft dort bleiben oder nach Limburg zurückkommen oder ganz woanders hingehen, das werden wir uns dann überlegen."  

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Chormusik in Deutschland und Hessen

Chormusik hat hierzulande eine große Tradition. Schätzungen gehen von mehr als drei Millionen Sängerinnen und Sängern in über 60.000 Chören aus. Es gibt unzählige nicht-organisierte Freizeit-Chöre und mehrere Chorverbände.
Der größte Chorverband in Hessen ist der Hessische Sängerbund. Er vertritt die Interessen von 2.200 Chören mit rund 44.000 Sängerinnen und Sängern.   

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Sendung: hr4 für Mittelhessen, 13.02.2020, 16.30 Uhr