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Bild © Sonja Fouraté (hessenschau.de)

Schick und teuer:  In der rekonstruierten historischen Frankfurter Altstadt sind die Bauzäune gefallen. Besucher können jetzt das neu gestaltete Dom-Römer-Quartier für sich erobern. Eine Wohnung leisten können sich dort nur die wenigsten.

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Altstadt Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hohe Mieten zwischen Dom und Römer

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"Einzigartiges, exklusives Wohnen und Leben in der Frankfurter Altstadt" versprechen Immobilienseiten. Der Luxus hat seinen Preis: Für eine 145-qm-Wohnung mit fünf Zimmern im Herzen der neu gestalteten Altstadt werden 3.400 Euro kalt verlangt.

Eine knapp 100 qm große Maisonettewohnung im historischen Haus "Würzgarten“ ist für 2.440 Euro zu haben. Der durchschnittliche Quadratmeter-Preis liegt demnach bei rund 24 Euro.

Wer auf den Preis schaut, ist hier falsch

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Bild © Screenshot immobilienscout24.de

Auch Wohnungen, die nicht direkt zur neuen Altstadt gehören, aber angrenzend direkt am Römer liegen, sind nichts für Leute mit kleinem Geldbeutel. "Wenn Sie nur auf den Quadratmeter-Preis schauen, sind Sie hier nicht richtig!", heißt es da. Für eine 55-qm-Wohnung unterm Dach mit Schrägen, einem offenem Wohn-Koch-Bereich und einem winzigen Schlafzimmer, ohne Balkon und Garten im fünften Stock ohne Aufzug soll der künftige Mieter 2.100 Euro Kaltmiete zahlen.

Weitere Informationen

Tour in 360 Grad: Frankfurts neue Altstadt ist eröffnet

Die Bauzäune sind weg: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat am Mittwoch die neue Frankfurter Altstadt eröffnet. Alle Infos und ein 360°-Rundgang finden Sie hier.

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"Das ist natürlich schon absurd“, sagt Jürgen Hofer aus dem Stadtteil Sachsenhausen bei einem Rundgang durch die Gassen. Er kann sich dem Charme und der Schönheit der neu gestalteten Altstadthäuschen nicht entziehen. Allerdings findet er es schade, dass die Preise so hoch sind: "Dadurch können die Leute, die hier wohnen, nicht mit einbezogen werden." 

Auch Student Lukas Hertmann bummelt durch die Gässchen. Ihm gefallen die wiederhergestellten alten Fachwerkhäuser. Er lebt nicht in Frankfurt, aber: "Ich kann mir vorstellen, dass viele Frankfurter natürlich auch gerne in der eigenen Stadt in einer schönen Lage wohnen würden." Leisten könnten sich das aber wohl nur Zugezogene.

Mietpreise mit dem Eigentümer abgesprochen

Ein Makler, der namentlich nicht genannt werden möchte und drei Wohnungen in der begehrten Altstadtlage anbietet, sagte dem hr, dass er die Mietpreise mit den Eigentümern abgesprochen hat: "Die haben viel Geld investiert und möchten das natürlich auch wieder reinbekommen." Von den drei Wohnungen, die er betreut, hat er erst eine vermietet. Und das, obwohl die Anzeigen bereits seit Anfang März geschaltet seien.

Blick in Frankfurter Altstadt-Wohnungen
Wenig spektakulär: Die Nasszelle in einem der neuen Altbauten Bild © Sonja Fouraté (hessenschau.de)

"Wir hätten nicht so früh anfangen sollen", berichtet er. So hätten die Interessenten durch eine Baustelle und Löcher im Boden stapfen müssen. Das sei wenig attraktiv gewesen. Die Interessenten seien vor allem von ausländischen Banken gekommen. Manche mit Kindern, manche ohne. "Irgendwas hat ihnen dann immer nicht gefallen", sagt der Makler. Auch das ist ein Luxus-Problem: Auf preisgünstigen Wohnraum gibt es in Frankfurt nach wie vor einen Riesen-Ansturm.

"Luxusobjekte von der Stadt finanziert"

In der Stadtpolitik sehen nicht alle die rekonstruierte Altstadt nur durch die rosarote Brille. Die Linke kritisiert das Prestigeprojekt schon von Anfang an. Stefan Klee, Fraktionsgeschäftsführer im Frankfurter Römer, sagt, dass das Quartier nicht von einem privaten Investor, sondern von der Stadt finanziert wurde - trotzdem werde da "kein üblicher Frankfurter wohnen können. Das sind Luxusobjekte."

Dass die mit Steuergeldern finanziert wurden, sieht die Partei kritisch - angesichts der drängenden Probleme der Stadt, wie etwa dem Zustand der Schulen oder der sozialen Situation. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) argumentiert dagegen, dass durch die sprudelnden Einnahmen von Touristen, die er erwartet, genau diese Projekte gegenfinanziert werden könnten.

Riesige Nachfrage nach 35 Häusern

Die Nachfrage an Interessenten für die Immobilien war so groß, dass die Stadt beim Verkauf eine Tombola veranstaltet hat. Im Losverfahren wurden die Gewinner gezogen, die jetzt Besitzer einer vermutlich auf Jahrzehnte gewinnbringenden Immobilie sind.

Egal ob die kleine Eigentumswohnung oder ein ganzes Haus: Zwischen 5.000 und 7.000 Euro pro Quadratmeter haben laut Stadt die begehrten Objekte gekostet. Unter den Käufern sind unter anderem auch die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der Mann von Ex-OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU).

Traum für die meisten unerfüllbar

Die meisten Menschen, die durch die Altstadt laufen, schwärmen von dem, was sie sehen. Auch wenn der Traum von einer Wohnung in dem Quartier unerfüllbar bleibt. Mit leicht sehnsüchtigem Blick schaut  Student Lukas Hertmann an den Fassaden hoch: "Wenn es hier bezahlbare Wohnungen gäbe, dann könnte ich es mir auf jeden Fall vorstellen."