Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found NSU 2.0 auf der Bühne - Opfern eine Stimme geben

Szene aus NSU 2.0 am Schauspiel Frankfurt

Ein Stück am Schauspiel Frankfurt thematisiert den rechtsextremen Terror der vergangenen Jahre. Den roten Faden bilden die zahlreichen ungeklärten Fragen und die oft ungehörten Stimmen der Opfer.

Jeder Akt steht für einen Tatort: Eisenach, Kassel, Hanau. In seinem am Sonntagabend uraufgeführten Stück "NSU 2.0" schlägt Autor und Regisseur Nuran David Calis im Schauspiel Frankfurt die dramaturgische Brücke von der Selbstenttarnung der rechtsextremistischen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) und dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bis hin zum Anschlag von Hanau.

Die drei Darsteller - zwei Schauspieler und eine Schauspielerin - wechseln dabei ständig die Perspektiven zwischen Täter, Opfer, Ermittler und Berichterstatter. Videoprojektionen verstärken den Eindruck einer Verhörsituation.

Gerade dort, wo es um die Denkweise der Täter geht, werden Gerichts- und Verhörprotokolle szenisch umgesetzt, ebenso wie das Manifest des Attentäters von Hanau. Eingespielte Videosequenzen mit Zeitzeugen und Empfängern der "NSU 2.0."-Drohschreiben wie der Linken-Chefin Janine Wissler, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby und dem Grünen-Politiker Cem Özdemir reflektieren eigene Erfahrungen mit rechtsextremer Bedrohung und Begegnungen mit den Familien der Opfer der NSU-Morde, die lange ungehört blieben.

Ungeklärte Fragen als Motiv des Stücks

Die nach wie vor offenen Fragen, die Forderungen nach der Freigabe der NSU-Akten und die Absage an allzu schnelle Mutmaßungen, es handele sich wieder einmal um einen Einzeltäter, prägen das Stück: Welchen politischen Nährboden hatten die Täter? Auf welche Strukturen können sie zurückgreifen? Welchen Einfluss hatten etwa die NSU-Morde auf spätere Täter?

Antworten kann das Stück nicht geben, wohl aber eine Botschaft wie "Es reicht" vermitteln, auch wenn die auf der Bühne mitunter ziemlich pathetisch ausfällt. Fraglich ist auch, ob die Interpretation etwa des Lübcke-Mörders Stephan Ernst als ein ziemlich irre wirkender Psychopath mit Augenrollen und Sprechfehler nicht allzu karikierend wirkt und vom Inhalt der Worte ablenkt.

Uraufführung verschoben, aber dennoch aktuell

Die Uraufführung von "NSU 2.0" war pandemiebedingt verschoben worden - und hätte gar nicht aktueller sein können. In der vergangenen Woche hatte die Entdeckung rechtsextremer Chatgruppen innerhalb des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Frankfurter Polizei den neuesten Polizeiskandal in Hessen ausgelöst.

Das "Kollektiv ohne Namen", eine Gruppe von Künstlern und Aktivisten, griff am späten Sonntagabend die neuen Vorwürfe gegen die Polizei mit einer Projektion auf. "NSU 2.0" und "Open 24/7" stand, an das Neonschild eines rund um die Uhr geöffneten Geschäfts erinnernd, über dem Haupteingang des Frankfurter Polizeipräsidiums.

Viele Bühnen thematisieren rechten Terror

Theater- und Filmemacher haben die Gefahr durch rechtsextremen Terror in den vergangenen Jahren schon mehrfach thematisiert. Noch während des Prozesses gegen den im Januar verurteilten Lübcke-Mörder strahlte das hr-fernsehen im vergangenen Jahr das Doku-Drama "Schuss in der Nacht" aus, in dessen Mittelpunkt die Verhörpassagen standen.

In der vergangenen Spielzeit brachte das Staatstheater Kassel das Stück "Der NSU-Prozess. Die Protokolle" auf die Bühne. Dort wird es anlässlich des zehnten Jahrestags der Selbstenttarnung des NSU zudem eine Aufführung geben, die sich mit der Radikalisierung junger Frauen in der rechtsextremen Szene befasst.

Weitere Informationen

Weniger Besucher zugelassen

Die Städtischen Bühnen in Frankfurt spielen wieder, dürfen aber weniger Besucher als zunächst geplant einlassen. Erst kurz vor dem Neustart am Wochenende wurden nach Angaben der Sprecher von Schauspiel und Oper die Regeln für die Platzvergabe geändert. Gäste, die Tickets gekauft hatten, mussten ausgeladen oder umgesetzt werden.
Das Gesundheitsamt hatte demnach den Städtischen Bühnen zunächst zugesagt, die Besucher in Schachbrett-Formation platzieren zu dürfen. Dann aber habe das Rechtsamt auf 1,50 Meter Abstand bestanden. Für das Schauspiel bedeutete das, dass im Großen Haus nur 150 statt 280 Besucher zugelassen waren, in den Kammerspielen 35 statt 66. Alle Tickets seien verkauft gewesen - nun musste jede zweite Reihe leer bleiben. Gäste wurden per mail informiert, dass sie nicht kommen dürfen. Nach Angaben von Schauspiel und Oper wird diese Regelung wohl bis zum Ende der Spielzeit Mitte Juli bleiben.

Ende der weiteren Informationen
Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen