Wer umfangreiche Textpassagen aus öffentlich gehaltener Rede zitiert, kann sich auf das Zitatrecht berufen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschieden.

Es gab damit einem Onlinemedium im Streit mit dem Schweizer Schriftsteller Christian Kracht recht. Im vorliegenden Fall hatte der Autor im Frühjahr 2018 als Poetik-Gastdozent an der Universität Frankfurt in einer öffentlichen Vorlesung über persönliche Erlebnisse berichtet.

Das Medium hatte darüber dann am nächsten Tag ausführlich berichtet und in mehreren Textblöcken wörtliche Zitate aus der Vorlesung wiedergegeben. Daraufhin verlangte der Schriftsteller vor Gericht im Eilverfahren, dem Medium die Verbreitung der Textpassagen zu untersagen.

In dem am Dienstag veröffentlichten Urteil stellt das OLG fest, dass die Texte des Autors zwar als Sprachwerk urheberrechtlich geschützt seien. Die Veröffentlichung sei jedoch über das sogenannte Zitatrecht im Urheberrecht gerechtfertigt. Der Schriftsteller habe sein Werk der Öffentlichkeit in der Vorlesung zugänglich gemacht.

Außerdem habe die Zeitung die Zitate in einen eigenständigen Artikel eingebunden, wie es der Paragraf 51 des Urhebergesetzes verlangt. Das OLG hob als Berufungsinstanz zugleich die Entscheidung des Landgerichts Frankfurt auf. Dieses hatte für den Schweizer Autor entschieden.