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Audioseite Mitmachen bei "Für Garderobe keine Haftung"

Eine Frau liegt gefesselt zwischen leeren Weinkisten

Die Idee ist zwar aus der Not geboren, wird die Pandemie aber überdauern: Ein Improvisations-Theater aus Wiesbaden hat ein in Deutschland einmaliges Online-Krimi-Spiel entwickelt, um trotz Lockdown auf der Bühne zu stehen.

Für Marc Auel war schon im März klar, dass dieser Auftritt auch ein Abschied sein wird: "Das haben sowohl wir als auch das Publikum irgendwie gemerkt, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis wir wieder auf einer Bühne stehen werden." Marc Auel ist Geschäftsführer des Wiesbadener Impro-Theaters "Für Garderobe keine Haftung". Wie zahlreiche andere aus der Theater-Branche können er und sein Ensemble wegen der Corona-Pandemie nicht mehr live vor Publikum spielen - dachten sie. "Wir haben uns beraten und gesagt: Wenn wir nicht mit den Leuten spielen können, dann bringen wir das Theater zu den Leuten nach Hause."

Ein interaktiver Live-Krimi, in dem das Publikum selbst ermittelt

Gesagt, getan: Im April hat die Planung angefangen, ein Kriminalfall musste her, aber vor allem die Frage nach der Umsetzung stand im Raum: Welche Online-Plattform nutzen wir, wie funktioniert eigentlich ein Online-Ticket-Shop? Alles Dinge, mit denen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler plötzlich beschäftigen mussten. "Wir wollten unsere Stücke nicht eins zu eins ins Internet stellen, egal ob das überhaupt passt oder nicht. Wir wollten etwas erfinden, was für dieses Medium geeignet ist," erklärt Auel.

Das Format verändert auch das Schauspielern

Erfahrung mit Kriminalfällen hat das Ensemble seit mehr als 15 Jahren. Aber nicht nur die Form der Bühne hat sich für das Team verändert, auch die Art des Schauspielerns, sagt Tamara Bögle. Sie spielt die Rolle Nele von Klarenthel im Online-Krimi-Spiel. "Es ist insgesamt eine ganz andere Welt, einfach die Bühne im Vergleich zum Bildschirm. Es wird noch viel mehr auf Mimik, Gestik und die Sprache geachtet", sagt Bögle. Das Publikum hat einen ganz anderen Bildausschnitt, es ist alles viel näher und direkter. Auf einer Bühne müsse man den gesamten Raum bespielen, man interagiere mit anderen Schauspielerinnen und Schauspielern, stehe auch mal nicht im Fokus. Im Videochat seien alle Augen auf einen gerichtet und achteten auf jede noch so kleine Regung. "Und auch der Kontakt zum Publikum ist viel direkter. Im Videochat sehe ich jede einzelne Reaktion."

Früher spielten sie für die Region - jetzt für die ganze Welt

Und auch das Publikum selbst ändert sich. Es müssen nicht mehr alle am Ort des Theaters leben oder extra anreisen. Es können sich Freunde aus unterschiedlichen Städten zusammentun und gemeinsam spielen. So hat das Ensemble online sogar schon für Publikum in Moskau und Italien gespielt.

"Wir werden das Online-Krimi-Spiel definitiv auch nach der Pandemie weiterführen. Wir sehen, dass es uns Möglichkeiten bietet, die wir auf der Bühne gar nicht haben", sagt Auel. Zum Beispiel die Option eines alternativen Endes, je nachdem, ob man den Täter findet oder nicht. Oder Schauspielkolleginnen und -kollegen aus anderen Städten dazuzuschalten. "Wir haben am Anfang gesagt: Egal ob es funktioniert, wir machen das auch einfach für uns, um wieder zu spielen. Das es so gut angenommen wird, freut uns natürlich umso mehr," sagt Bögle. Und weil es so gut läuft, ist der zweite Fall schon in Planung.

Weitere Informationen

Online-Krimi "Rettet die Weinkönigin"

Im Online-Krimi-Spiel "Rettet die Weinkönigin" schlüpfen die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Ermittlerrolle.

Die Story: Die amtierende Weinkönigin wird entführt. Sollten die Forderungen des Entführers nicht erfüllt werden, zerstört eine Bombe die gesamte Weinernte.

Die Aufgabe: Als Team von mehreren Spielerinnen und Spielern hat man etwa zwei Stunden Zeit, den Täter zu finden. Man befragt die Zeuginnen und Zeugen live via Videocall.

Das Zubehör: Das Spiel wird über die Videoplattform Zoom gespielt, die Einwahldaten bekommt man mit dem Kauf eines Tickets zugeschickt. Man kann als Einzelperson oder Gruppe teilnehmen. Technische Details werden zu Beginn des Spiels für alle erklärt.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 17.01.2020, 15.27 Uhr