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Kinderbuch soll jungen Mädchen durch die Pubertät helfen

Bildkombination: links Laura Melina Berling und Hannah Rödel im Portrait und rechts daneben ihr Buch "Selma, Küsse, Kuddelmuddel"

Werden Kinder gut genug aufgeklärt? Nein, findet eine Frankfurter Sozialpädagogin und schreibt ein Buch, das Fragen von Pubertierenden beantworten soll. Ihr Ansatz: Vermeintliche Peinlichkeiten nicht nur ansprechen, sondern auch zeigen.

Selmas Leben steht Kopf: Die Zwölfjährige bekommt ihre Tage, ihre Stimmung ist mal unglaublich schlecht, dann wieder unglaublich gut, und irgendwie reden alle vom Küssen. Die Pubertät kommt plötzlich - und weil ihre Mutter viel auf Geschäftsreise ist und ihr Vater überfordert scheint, muss sie das Erwachsenwerden wohl selbst fertigbringen.

Ihre Geschichte ist ausgedacht, Selma ist die Hauptfigur im Kinderbuch "Selma, Küsse, Kuddelmuddel". Was sie erlebt, dürfte sich so oder so ähnlich aber in vielen Kinderzimmern abspielen. Zumindest hat ihre Schöpferin Laura Melina Berling die Inspiration für ihr erstes Buch aus dem wahren Leben.

Bei ihrer Arbeit in einem Frankfurter Mädchenkulturzentrum habe sie gemerkt, dass es jungen Mädchen auch heute noch an Raum und an Ansprechpartnern fehle, erzählt die Sozialpädagogin und Bloggerin. Statt ihren Workshops über Sexismus zu folgen, hätten die Mädchen ganz andere Dinge von ihr wissen wollen: Wie läuft das eigentlich mit der Periode? Und wann kann ich schwanger werden?

Roman und Aufklärungsbuch in einem

Fragen, die immer noch wie Tabuthemen behandelt würden, findet Berling. Zwar zeigten beispielsweise Werbung oder Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok oft Sex und nackte Körper. Trotzdem werde zu selten offen über unangenehme Dinge gesprochen oder Wissen vermittelt. Die 34-Jährige wollte deshalb abseits von Schule und Elternhaus einen Ort schaffen, der sich für junge Mädchen sicher genug anfühlt, all ihren Fragen nachzugehen.

Die Idee zu "Selma, Küsse, Kuddelmuddel" war geboren - einem Roman, der gleichzeitig auch ein Aufklärungsbuch für Mädchen am Anfang der Pubertät ist. Neben der Geschichte um Selma und ihre Freunde wird nämlich auch viel Wissen vermittelt. Illustrationen und Infografiken erklären Begriffe wie Konsens, Blasenentzündung, Brustwachstum und Rasieren.

Zwei Seiten des aufgeschlagenen Buches "Selma, Küsse, Kuddelmuddel". Auf den Seiten wird beschrieben und illustriert wie Rasieren geht

Dafür arbeitete die Sozialpädagogin mit der Offenbacher Illustratorin Hannah Rödel zusammen. Rödel setzte die Texte aber nicht bloß grafisch um. "Wir haben uns viel ausgetauscht über unsere Pubertät und die Geschichte zusammen erarbeitet", erklärt Rödel. Außerdem führten sie Interviews in ihrem Umfeld und über Instagram, um möglichst viele Perspektiven einfließen zu lassen. In Selma fänden sich dadurch auch Elemente aus ihrem eigenen Leben, so Berling.

"Das Buch, das ich als Kind gerne gelesen hätte"

Dabei haben die Illustrationen gleich mehrere Aufgaben: Sie verdeutlichten den Inhalt "auf eine witzige, spielerische und vermittelnde Art", sagt Laura Melina Berling. Gleichzeitig zeigten sie, wie divers die Charaktere sind - ohne, dass man es benennen müsse.

Weiße Charaktere seien in Büchern optisch oft nicht näher beschrieben, Personen anderer Hautfarben aber sehr wohl. "Das ist seltsam", findet Berling und erklärt: "Wir wollten das gerne über die Illustrationen lösen: Man sieht einfach, wie die Charaktere aussehen, wie ihre Körper aussehen."

Illustratorin Rödel wünscht sich, dass "Selma, Küsse, Kuddelmuddel" einen offenen Dialog startet und Kinder in der Pubertät bestärkt. "Das ist das Buch, das ich als Kind gerne gelesen hätte", sagt sie. "Ein Buch, das junge Mädchen lesen können, um sich ein bisschen besser zurechtzufinden in diesem ganzen Chaos." Und Jungs, ergänzt sie, könnten sich auch darin wiederfinden.

Bei einem Buch soll es aber nicht bleiben: Laura Melina Berling und Hannah Rödel planen bereits weitere Bände. Schließlich gebe es noch viele Geschichten und Fragen, die in den Fokus rücken müssten.