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Audioseite "Es geht auch um die Brutalität von Abschiebungen"

Foto aus dem Film: Zwei junge Männer laufen über einen Platz.

Komisch, ernsthaft, lässig: Der Wiesbadener Regisseur Florian Dietrich liefert mit seinem Film "Toubab" ein sehenswertes Kino-Debüt ab. Das liegt am intelligenten Drehbuch, vor allem aber an der Neuentdeckung Farba Dieng aus Pfungstadt.

Es ist eine Ansprache, die ein weißer Krimineller mit deutschem Pass nie hören würde: "Sie sind ja schon eine ganze Weile in der Bundesrepublik. 25 Jahre. Sie waren hier ganz schön lange zu Gast. Wir haben es uns gut gehen lassen, ein bisschen gefeiert, getrunken, getanzt. Auch mal über die Stränge geschlagen. Aber irgendwann ist auch die schönste Party vorbei."

Die Ansprache eines Mitarbeiters der Ausländerbehörde gilt Babtou, einem gerade aus der Haft entlassenen Kleinkriminellen. Seine spontane Willkommensparty war dermaßen aus dem Ruder gelaufen, dass er gleich wieder festgenommen wurde. Nun bekommt er seine Papiere entzogen und hat 14 Tage Zeit, um in den Senegal auszureisen.

Aber Babtou ist in Deutschland geboren, den Senegal kennt er nur aus Geschichten seines Vaters. Seine Heimat ist Frankfurt. Zusammen mit seinem besten Kumpel Dennis ersinnt er deshalb einen Plan, um der drohenden Abschiebung zu entgehen: Die beiden heiraten.

Ernsthafte Komödie voller schöner Szenen

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Das ist das Grundgerüst der Komödie "Toubab", die am Donnerstag in den Kinos anläuft. Eine sehenswerte Komödie, die das Thema Rassismus und das häufig verwendete Motiv der vorgetäuschten Hochzeit intelligent verwendet, die Balance zwischen Klamauk und ernsthaftem Ton findet und vor allem gegen Ende wunderschöne Szenen beinhaltet, die man in deutschen Filmen selten sieht.

Sehenswert ist der Film aber vor allem wegen seines hervorragenden, unverbrauchten Casts - allen voran die Neuentdeckung Farba Dieng aus Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg). Er spielt seine erste Kino-Rolle mit einer Ernsthaftigkeit und Selbstverständlichkeit, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Im Straßencasting engagiert

Geboren wurde Dieng 1993 im französischen Lille, später zog seine Familie der Arbeit wegen ins Rhein-Main-Gebiet. Schauspieler wollte er eigentlich gar nicht werden, erzählt er im Gespräch mit hessenschau.de, sondern nach Realschule und Fachabitur etwas "in Richtung Pädagogik machen".

Über "Freunde von Freunden" habe er dann erfahren, dass noch ein Hauptdarsteller in einem Kinofilm gesucht wurde, der zudem im Rhein-Main-Gebiet entstehen sollte. Nachdem er eine Szene gespielt hatte, wurde er vom Fleck weg engagiert - nachdem Regisseur Florian Dietrich sich schon rund 200 Darsteller angeschaut hatte.

"Ich war total perplex" erzählt Dieng. "Ich dachte nur: Wow, ich krieg die Hauptrolle in einem Kinofilm." Seine Eltern hätten das Ganze zunächst nicht wirklich ernst genommen, berichtet er augenzwinkernd: "Dann ist der erste Artikel über die Dreharbeiten erschienen, da wussten sie: Okay, es ist ernst."

"Die Welt soll Babtou sehen"

Filmstill Toubab

Als Autodidakt habe er zunächst "einfach nach Gefühl gespielt, auch wenn ich am Anfang noch gar nicht richtig verstanden haben, was ich da überhaupt mache", sagt er lachend. Das Team und vor allem Julius Nitschkoff, der Babtous Buddy Dennis spielt, habe dabei unglaublich geholfen.

"Ich dachte ja erst, ich muss das ganze Drehbuch auswendig können", erzählt er schmunzelnd. "Aber das ist ja gar nicht der Fall. Es ging vor allem darum, es zu verstehen und nicht alles Wort für Wort wiederzugeben." Schließlich sollte die Welt "Babtou sehen, wie er wirklich ist".

Jede Menge Rollenangebote

Mittlerweile habe er sich in den Job hineingefunden, sagt er. Denn nach "Toubab" ging es für ihn Schlag auf Schlag weiter: Dieng bekam Rollen in der Netflix-Serie "Skylines", im Thriller "Cortex" von Moritz Bleibtreu oder im Tanzfilm "Fly" von Katja von Garnier.

Für die Zukunft wünscht er sich einmal eine Rolle in einem Actionfilm, Martial Arts, einen Boxer vielleicht. "Ich würde auch gerne jemanden spielen, der total weit von mir entfernt ist, der vielleicht labil ist, psychische Probleme hat."

Dem Kino-Publikum ist zu wünschen, dass Dieng gehört wird.

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