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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Müssen ganze Produktionen streichen"

Proben zu Kasimir und Karoline in Kassel: Eine Schauspielerin und ein Schauspieler sitzen nebeneinander auf Stühlen und schauen ratlos aus.

Seit Wochen sind die Theater geschlossen. Sie würden sich gern auf die neue Spielzeit vorbereiten, doch die Unsicherheit ist zu groß. Dabei gibt es sogar positive Erkenntnisse aus dem Lockdown.

Geplant war der 31. Januar, jetzt wird es frühestens der 1. März: Dann dürfen der Mousonturm und die Alte Oper in Frankfurt wieder öffnen, das hat die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in Aussicht gestellt - aber nur, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt. Noch einen Monat später, erst am 1. April, dürfen wohl die hessischen Staats- und Landestheater öffnen.

Arbeit von zwei bis drei Jahren verloren

Im Schauspielhaus Frankfurt ist die Arbeit von zwei bis drei Jahren verloren, berichtet Intendant Anselm Weber. Die Verluste seien nicht beschreibbar. Ähnlich sieht es in Darmstadt und Wiesbaden aus. Allen Beteiligten gehe die Pandemie schwer aufs Gemüt, ergänzt auch Thomas Bockelmann, Intendant am Staatstheater Kassel: "Wir mussten ganze Produktionen streichen, weil wir über Monate nicht spielen können, im Moment können wir noch nicht mal proben."

Theater im Mousonturm: Ein Mann beißt in ein Tennisnetz.

Bockelmann versucht dennoch, die Lage positiv zu sehen: "Wir im deutschsprachigen Raum klagen noch auf hohem Niveau, weil wir weiter Geld bekommen". Bei den Kollegen am Broadway oder in London am Westend oder den freien Kollegen im deutschsprachigen Raum sei die Lage viel schlimmer, viele Kulturschaffende kämpfen um ihre Existenz. Deshalb habe das Staatstheater Kassel zusammen mit der Museumslandschaft Hessen Kassel zu einer Spendenaktion aufgerufen, um die Einkommen von Künstlerinnen und Künstlern zu unterstützen.

Digitale Programme als Antwort auf den Lockdown

Um überhaupt arbeiten zu können, haben viele Theater digitale Produkte geschaffen. Das Staatstheater Darmstadt etwa hat seine Kinder-Produktion "Aladin und die Wunderlampe" gestreamt. Anschließend hatten die Kinder per Zoom die Möglichkeit, der Regisseurin und dem Ensemble Fragen zu stellen. Digital besonders aktiv war das Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt. "Wir haben schon im ersten Lockdown verstärkt auf digitale Angebote gesetzt, um so viele Produktionen zu retten", erzählt dessen Intendant Matthias Pees. "Wir alle stehen wahnsinnig unter Druck, in dieser Situation um Ersatzlösungen zu finden, besonders auch, um uns um die Belange und Bedürfnisse der Menschen zu kümmern, deren Gehälter nicht weiterlaufen."

Intendant Matthias Pees kann sich daher nicht zurücklehnen oder in Ruhe mal nachdenken, bedauert er. Die einzig positive Nachricht aber sei, dass er und sein Team viel darüber lernen konnten, wie digitale Angebote funktionieren. Angespornt vom großen Zuspruch hat der Mousonturm im zweiten Lockdown sogar ein neues Digitalprogramm aufgelegt. "Wir starten mit fünf Uraufführungen allein im Januar auf digitale Weise", sagt er. "Das sind Angebote, für die man zum solidarischen Preis Tickets erwerben kann - man kann also selber entscheiden, ob man dafür zwischen 5 oder 30 Euro bezahlt."

Häuser bräuchten Planungssicherheit

Auch die hessischen Staats- und Landestheater haben im Lockdown mit digitalen Angeboten experimentiert und konnten wie der Mousonturm sogar neue Zielgruppen erschließen. Aber eine Erkenntnis sei auch, dass digitale Angebote hochwertig sein müssen. "Sie sind vom Aufwand sogar teurer und umfangreicher als klassische Produktionen", sagt Matthias Pees, "so dass wir uns gar nicht leisten können, ein Präsenzangebot und ein digitales Angebot parallel zu stemmen“.

Jetzt hätten die Häuser gerne Planungssicherheit. Einige proben auf Hochtouren und warten auf den Startschuss. Ob der zu Ostern wirklich kommt? Schauspielintendant Anselm Weber bleibt skeptisch. Er rechnet damit, "dass ich auch im September noch nicht vor einem vollen Haus spielen kann".

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Digitale Angebote

Die Staatstheater bieten zahlreiche digitale Streamingangebote. Auf der Seite "Schauspiel Frankfurt Digital" etwa gibt es zur Zeit die Miniserie "Eternal Peace" zu sehen. Am 24. Januar wird um 12 Uhr das Gespräch "Judenhass ist Menschenhass" live gestreamt.

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Sendung: hr-iNFO, 20.01.2021, 7.23 Uhr