Schauspiel Frankfurt

Das Bürgerbegehren für eine Rekonstruktion des alten Frankfurter Schauspielhauses von 1902 ist wohl nicht zulässig. Damit dürfte Frankfurt ein populistischer Irrweg in die Vergangenheit erspart bleiben.

"Rettet das Schauspielhaus" - so stand es in fetten Buchstaben über den Listen, mit denen die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt Unterschriften für das Bürgerbegehren gesammelt hat. Ein Etikettenschwindel. Denn der Aktionsgemeinschaft ging es mitnichten darum, das bestehende Gebäude der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz zu erhalten. Dieser klassisch-moderne Bau aus den Sechzigerjahren gilt als gelungenes Beispiel der Nachkriegsmoderne und ist tatsächlich vom Abriss bedroht, da eine Mehrheit der Stadtverordneten sich für einen Neubau und gegen eine Sanierung ausgesprochen hat.

Nein, die Aktionsgemeinschaft wollte das alte Schauspielhaus von 1902 rekonstruieren lassen, das im Krieg weitgehend zerstört wurde und von dem sich nur noch rudimentäre Reste im Inneren des heutigen Bühnengebäudes finden lassen. Dieses eigentliche Ziel aber konnten die Unterzeichner tatsächlich nur im Kleingedruckten lesen. Man weiß also nicht, wofür die über 18.000 gültigen Unterschriften des Bürgerbegehrens tatsächlich stehen.

Die irreführende Überschrift ist nur einer der Gründe, warum das Rechtsamt der Stadt das Bürgerbegehren für unzulässig hält. Hinzu kommen mangelnde Angaben zu den Kosten des Vorhabens und die Tatsache, dass ein rekonstruiertes Bühnengebäude von 1902 mit dem "heutigen Theaterbetrieb nicht vereinbar" sei. Gut so! Damit bleibt der Stadt voraussichtlich ein neuerlicher populistischer Irrweg in die Verlockungen der Rekonstruktions-Architektur erspart.

Die Altstadt als deutschtümelnder Freizeitpark

Schon der Wiederaufbau von Teilen der Altstadt entsprang dem zweifelhaften Wunsch, die Narben von Krieg und Naziherrschaft im Zentrum der Stadt zu überschminken. Was als Initiative vom rechten Rand des politischen Spektrums begonnen hatte, fand bald Unterstützung in weiten Teilen der Stadtgesellschaft. Entstanden ist nun eine Fachwerkkulisse, die mit der historischen Frankfurter Altstadt so wenig zu tun hat wie mit der modernen Metropole von heute - ein deutschtümelnder Freizeitpark mit zum Klischee erstarrter Eppelwei-Seligkeit.

Die nächste Attacke zielte auf die renovierungsbedürftige Paulskirche, deren bewusst schlichter moderner Wiederaufbau nach dem Krieg auch ein Mahnmal sein sollte. Hier wünscht sich vor allem Kulturstaatsministerin Monika Grütters die "Aura" der alten Paulskirche von 1848 zurück, was den Einbau von historisierenden Säulen und Balkonen im Inneren bedeutet hätte. Gänzlich abgewehrt ist dieses Ansinnen noch nicht.

Die Stellungnahme des Rechtsamts dürfte nun dafür sorgen, dass uns zumindest eine Rekonstruktion des alten Schauspielhauses erspart bleibt. Den Seeling-Bau mit seinem Mix aus Jugendstil und Neorenaissance neben den Hochhäusern am Willy-Brandt-Platz wieder aufzubauen, um Theater oder Oper dort hineinzuquetschen, das wäre wirklich das letzte, was eine moderne und offene Bühnenarbeit in unserer Zeit braucht.