Portraits von drei Menschen, die sich mit einer Maske im Gesicht - am Kinn, hinter dem Ohr - haben fotografieren lassen.

Seit über einem Jahr sehen wir fast nur noch Masken, aber wie geht es den Menschen dahinter? Ein Fotograf aus Limburg ist durch Deutschland gefahren - auf der Suche nach Geschichten hinter dem Corona-Schutz.

Videobeitrag

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zum hr-fernsehen.de Video „Behind the mask“ – Fotograf zeigt die Menschen hinter den Masken

maintower vom 27.04.2021
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"Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, wie er die Pandemie erlebt hat: Es geht von Ohnmacht und Trauer bis Humor und Hoffnung", erzählt der Limburger Fotograf Marcel Gregory Stock. Diese Beobachtung wollte er in allen Facetten abbilden - in einem Bildband. Für seinen Bildband "#Behind the mask" hat der 34-Jährige Porträtfotos von rund 160 Menschen in 40 Städten in ganz Deutschland angefertigt.

Als die Pandemie anfing, hatte der Limburger plötzlich viel Zeit: Aufträge als Fotograf oder Model gab es kaum noch, er musste sich eine neue Beschäftigung suchen. Also ging er einer Frage nach, die ihn zunehmend beschäftigte: Wie geht es den Leuten hinter der Mund-Nase-Maske?

Marcel Gregory Stock

"Mir ging es darum, den Menschen zu zeigen: Du bist nicht allein. Viele waren einsam während der Pandemiezeit, und ich möchte den Menschen zeigen, dass es ganz vielen auch so ging", sagt Stock. Es sei schwer, in einem halb von der Maske verdeckten Gesicht die Emotionen richtig zu deuten. "Das einzige, das wir jetzt sehen, sind ja die Augen", sagt der 34-Jährige.

Betonung auf den Augen

"Jeder erlebt die Pandemie anders. Der eine sieht alles vielleicht etwas lockerer, der andere ist etwas angespannter. Und wenn jemand angespannt ist, dann sieht man das auch in den Augen", hat der Fotograf beobachtet. Er holte zwei Leuchten aus dem Keller, damit auf seinen Fotos die Augen der Porträtierten besonders gut betont werden. Zunächst lichtete er so seine Freunde ab, wie er berichtet.

Kombo 3er mit Hallervorden etc.

Aber der Fotograf wollte noch mehr Menschen erreichen. Er fing an, Leute auf der Straße anzusprechen und Prominente anzuschreiben, ob sie nicht auch bei seinem Projekt mitmachen wollen.

Mehrere Prominente lassen sich fotografieren

Mit Erfolg. Einer der ersten, die er angefragt hatte, war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Rund drei Monate später bekam Stock Post von ihm: "Irgendwann kam dann ein Brief nach Hause, er würde gerne teilnehmen. Damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet."

Der Gesundheitsminister blieb nicht der einzige Promi vor Stocks Kamera. Auch Comedian Felix Lobrecht, Schauspieler Dieter Hallervorden und Sänger Thomas Anders ließen sich von dem Limburger porträtieren. "Ich habe die Leute direkt angeschrieben - egal, ob jemand unbekannt ist oder ein Star. Wir sitzen momentan alle im gleichen Boot", findet Stock. Dass viele direkt zusagten, damit habe er aber nicht gerechnet, sagt er.

Kombo mit Jens Spahn, mit und ohne Maske

Geschichten der Menschen im Fokus

Zu den Fotos in dem Bildband gehören die Geschichten der Menschen hinter den Masken - zum Beispiel die von Willi Corzilus aus Koblenz, der so aussieht wie Albert Einstein. Ihn macht es traurig, dass er seinen Sohn, der bei der Polizei arbeitet und noch zu Hause wohnt, nicht mehr einfach umarmen kann: "Man hat selbst schon so ein Gefühl: Komm mir nicht so nah, steck' mich nicht an."

Zwei Bilder des Fotoprojekts

Der Schuhmacher Richard Aphery aus Wiesbaden hat sich bewusst dafür entschieden, eines seiner Fotos auf dem Kopf liegend zu machen, denn seine Welt stand zumindest zu Beginn der Pandemie Kopf, wie er in Stocks Buch erzählt. Inzwischen erkennt der 26-Jährige auch etwas Positives in der ganzen Situation: "Letztes Jahr hat mir gezeigt, wer wirklich meine Freunde sind. Welche Leute sozusagen zu mir gehören."

Weitere Informationen

#Behind the mask

Der Fotoband von Marcel Gregory Stock mit Interviews von Björn Eenboom ist im Verlag Frederking & Thaler erschienen, hat 224 Seiten mit 220 Abbildungen und kostet 24,99 Euro.

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Sendung: hr-fernsehen, maintower, 27.04.2021, 18 Uhr