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Audioseite Oldschool - ein Sprachrohr für junge Menschen

Junge Frau und junger Mann sitzen mit dem Magazin inmitten einer belebten Straßen-Gastronomie.

Oldschool heißt das neue Magazin, das ein Sprachrohr für junge Menschen sein will: Alle Autoren sind unter 30, arbeiten (noch) ehrenamtlich und wollen neue Perspektiven wagen. Im Interview erklären die Herausgeber Lena und Tim, warum sie das ganz altmodisch in einem Print-Magazin tun.

Seit Februar geben Lena Schumacher und Tim Evers, beide 19, das Print-Magazin Oldschool heraus. Vier Ausgaben sind bisher erschienen, die Auflage konnten sie von 500 auf mittlerweile 2.000 Stück steigern. Alle Autoren, Fotografen und Layouter arbeiten ohne Bezahlung, trotzdem kommen die Ausgaben immer professioneller daher und brauchen den Vergleich mit Hochglanz-Magazinen nicht zu scheuen. 

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Unsere Generation fühlt sich nicht gehört: Junge Journalisten zur Wahl

Tim Evers und Lena Schumacher
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In jedem Heft gibt es einen Themenschwerpunkt, von psychischen Störungen über Machtstrukturen bis zu Liebe und Sexualität. Die aktuelle Ausgabe hat das Motto "Zutritt ab 30! Politik ohne uns". Lena und Tim sind dafür durch ganz Deutschland gereist und haben überall mit jungen Menschen über die bevorstehende Bundestagswahl gesprochen.  

hessenschau.de: Die Bundestagswahl ist gerade in allen Medien ein Thema, auch dass die jungen Menschen sich nicht vertreten sehen in der Politik. Was kann Oldschool da noch was Neues bieten? 

Lena Schumacher: Wir waren unterwegs in Deutschland und haben direkt mit den jungen Leuten geredet und nicht über sie, wie es die meisten anderen Medien tun. 

Tim Evers: Zum Beispiel hatten wir in Gotha wirklich Probleme, Gesprächspartner zu finden. Das war so ein sozialer Brennpunkt, mit Medien würden die Jugendlichen dort eh nie reden. Aber wir sind auf die zugekommen und haben gefragt: 'Wo kann man hier feiern gehen?'. Dadurch sind wir ins Gespräch gekommen und sie haben dann mit uns ein Interview gemacht. Ich bin mir ganz sicher, die hätten sonst kaum mit jemandem geredet, erst recht nicht mit Erwachsenen. Man hat gemerkt, dass die ein ganz schwieriges Verhältnis zu älteren Menschen haben, weil sie mit denen immer wieder in Konflikt geraten.  

hessenschau.de: Ihr wollt mit Eurem Magazin ein Sprachrohr sein für junge Menschen. Aber trotzdem veröffentlicht ihr nicht digital, auf Instagram oder TikTok, sondern habt Euch für ein Print-Medium entschieden. Wie passt das zusammen?

Zwei junge Leute hocken auf der Straße auf dem Boden, das Mädchen schreibt in einen Block

Tim: Wir wollten einfach längere Artikel schreiben und Sachen besser aufarbeiten, als es in den sozialen Medien oft so verkürzt getan wird.  

Lena: Wir hatten die Vorstellung von einem Printmagazin von und für junge Menschen und wir haben zusammen überlegt, in welche Richtung soll es gehen? Wie kann es möglichst viele Menschen erreichen?

Tim: Jeder unter dreißig kann sich melden und hat die Chance mitzumachen. Es ist total niederschwellig. Und vielfältig: Bei uns schreibt eine 16-Jährige genauso wie ein 29-Jähriger. Wir haben ganz viele queere Perspektiven mit drin, die Autoren sind nicht nur weiße Menschen, es schreiben auch Menschen mit Behinderung. Also wir gucken schon, dass wir möglichst viel abbilden können.  

hessenschau.de: Ihr habt mittlerweile 180 Leute, die bei Euch mitmachen, als Autoren, Fotografen, Models, Grafiker oder Layouter. Und alle arbeiten umsonst und ehrenamtlich. Wie kommt Ihr an Eure Mitarbeiter?

Tim: Wir sind ein Magazin für Leute, die eigentlich noch keine Plattform haben. Das sind häufig Studierende. Was wir denen geben ist die Chance auf Veröffentlichung. Das sind alles Leute, die das Potential haben, tolle Sachen zu veröffentlichen, die aber in andere Medien so nicht reinkommen. Und das machen sie dann bei uns.  

Magazin Cover mit einem skeptisch schauenden jungen Mann und der Titelzeile "Zutritt ab 30"

Lena: Wir zeigen mit diesem Magazin: Du musst noch nicht dein Diplom haben, um wirklich krasse Bilder zu machen, um Texte veröffentlichen zu können. Also wir geben den Leuten auch ein gewisses Selbstvertrauen. Für manche ist es auch ein Sprungbrett: Eines unserer Models zum Beispiel haben wir zufällig auf der Straße in Bockenheim gesehen, der hatte so viel Charakter und so eine Ausstrahlung. Wir haben ihn angesprochen und er war direkt dabei. Das ist ein 16-jähriger Schüler, der dadurch entdeckt hat, dass er sehr gerne modeln würde und jetzt zu einer Model-Agentur geht.   

hessenschau.de: Euer Magazin gibt es nicht im Handel, sondern liegt in verschiedenen Cafés und Kiosken in Frankfurt aus. Ihr bittet um eine Spende, aber bisher gab es auch Geld zum Beispiel vom Projekt Stadtteil-Botschafter oder vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten. Wie könnt Ihr das Projekt finanziell auf sichere Füße stellen?

Tim: Wir wollen eine UG gründen, also eine kleine GmbH. Dann können wir einen festen Preis machen und richtig verkaufen. Auf die Zeit freuen wir uns, denn im Moment haften wir ja für den Inhalt und finanziell noch komplett persönlich. 

Weitere Informationen

Hier in Frankfurt ist das Heft erhältlich

Lido Café Bar
Luisenstraße 32
Multi Kiosk
Berger Straße 74
Weltenleser
Oeder Weg 40
Gudes Frankfurt
Matthias-Beltz-Platz
Lesecafé
Diesterwegstraße 7
Autorenbuchhandlung Marx & Co.
Grüneburgweg 76

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Lena: Es haben bisher 180 Leute mitgemacht bei unserem Magazin. Tim und ich haben das eigentlich alles alleine koordiniert, das waren zum Teil 60-Stunden-Wochen. Deshalb wäre es schon supercool, wenn wir ein festes Redaktionsteam hätten, wo wir gemeinsam die Aufgaben bearbeiten und delegieren können. 

Tim: Das Magazin hat wirklich unser Leben verändert, innerhalb von ein, zwei Monaten. Das ist so groß auf einmal geworden, da hängen so viele Leute dran, dass wir gar nicht mehr sagen können: 'Okay, wir hören jetzt auf damit'.

Lena: Unser Plan ist, dass wir noch ein Jahr so weitermachen, aber richtige Strukturen und ein Redaktionsteam schaffen. Und dann werden Tim und ich hoffentlich wie geplant nächstes Jahr im Wintersemester anfangen zu studieren. 

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