Zum Internationalen Kinderbuchtag stellen wir Nico Sternbaum aus Wiesbaden vor. Er schreibt und zeichnet Kinderbücher. Das Mitmachbuch "Schüttel den Apfelbaum" wollte erst kein Verlag veröffentlichen, jetzt steht es auf der Spiegel-Bestsellerliste.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kinderbuchautor Nico Sternbaum ist erfolgreich dank Mitmachbuch

Nico Sternbaum
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Mit ruhigem konzentriertem Blick schreibt Nico Sternbaum seine Ideen und Skizzen in ein Notizbuch. In weißem Hemd und Weste sitzt er an seinem aufgeräumten Schreibtisch. Mit Baskenmütze, Koteletten, kurzem Kinnbärtchen. Mit diesem schwarz-weiß Foto im 20er-Jahre-Style präsentiert sich der Autor und Illustrator auf seiner Homepage.

Pusteblumen pusten, Kitzelmonster kitzeln

Sein neuestes Buch hat es in sich. "Schüttel den Apfelbaum" ist ein interaktives Mitmachbuch für Kinder zwischen zwei und vier Jahren. Das Besondere daran ist, dass die Kinder mit dem Buch spielen können. So pusten sie zum Beispiel gegen eine volle Pusteblume und auf dem nächsten Bild fliegen die Samen davon. Oder sie schütteln das Buch, damit Äpfel vom Baum fallen. Sternbaum gibt noch ein Beispiel: "Kalle Kitzelmonster ist ein Monster, das ganz traurig ist und eigentlich immer gekitzelt werden will. Und die Kinder müssen das Monster dann kitzeln, auf der nächsten Seite des Buches freut es sich dann und lacht."

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Viel Bewegung, viel Interaktion – und vor allem: Wenig still sitzen. Das wollte der heute 30-jährige Sternbaum als Kind auch selbst am meisten. Er sei ein sehr aktives Kind gewesen und habe erst spät die Liebe zu Büchern entdeckt. Schließlich kam er auf die Idee das zu kombinieren: Bewegung, Interaktion und ein Buch. Eine Idee, die ankam.

Steiniger Weg bis zum Bestseller

Und so schaffte es Steinbaum, wovon viele andere Autoren träumen. "Schüttel den Apfelbaum" hat es bis auf die Spiegel-Bestsellerliste für Bilderbücher geschafft. Damit rechnete der Autor selbst nicht: "Das war für mich eine Riesenüberraschung und Freude. Wie ich es so mitbekommen habe, ist es vor allem über Empfehlungen von Eltern und Erziehern passiert."

Dabei war der Weg dorthin steinig. Ein Verlag nach dem anderen lehnte anfangs das Manuskript ab. Niemand wollte das Buch veröffentlichen. Der Bassermann-Verlag war schließlich mutig. Und hatte offensichtlich das richtige Gespür. "Schüttel den Apfelbaum" wurde völlig unerwartet zum Bestseller. Wie sein Vorgänger "Schaukel das Schaf" wurde es von der Stiftung Lesen empfohlen und steht jetzt neben Klassikern wie "Der Grüffello" oder "Gute Nacht Gorilla" auf der Bestsellerliste.

Buchhändler: "Für ein Mitmachbuch hat es sehr viele Seiten"

Dass das Buch gut ankommt, kann auch Thomas Pauly, Inhaber einer Kinderbuchhandlung im Frankfurter Stadtteil Nordend bestätigen. Seine wichtigsten Kunden sind zwischen zwei und fünf Jahre alt. Bevor er seinen Laden wegen der Corona-Pandemie schließen musste, verkaufte er "Schüttel den Apfelbaum" nach eigenen Aussagen gut. Für ein Mitmachbuch habe es sehr viele Seiten, sagt er. "Die meisten anderen Mitmachbücher in der Altersklasse zwischen ein und drei Jahren sind doch eher dünner". Ein Grund, warum auch die Stiftung Lesen aus Mainz die Mitmachbücher des Wiesbadener Autors empfiehlt.

"Schüttel den Apfelbaum" und "Schaukel das Schaf" wurden im Rahmen des Projekts Medienvielfalt empfohlen, erzählt Melanie Würtz von der Abteilung Leseempfehlungen bei der Stiftung Lesen. "Mit dem Projekt richten wir uns an Kitas und die Erzieher und geben ihnen Tipps für Vorlesestunden." Das Schöne an Nico Sternbaums Mitmachbüchern sei auch: "Man kann sich einfach etwas herauspicken. Das ist sehr flexibel zu handhaben."

Corona macht auch dem Kinderbuchautor zu schaffen

Bei all dem Lob: Sternbaum ist als freischaffender Autor und Illustrator natürlich auch von Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise betroffen. Die Buchläden haben zu. Die Online-Verkäufe könnten das nicht ausgleichen, sagt er. Und neue Buchverträge würden aktuell gar nicht vergeben, sondern auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Künstler hofft, sich durch Zeichnungen und Geschichten für Kinder in Zeitungen und Magazinen über Wasser zu halten. "Die Chancen stehen ganz gut, hiermit die starken Verluste zumindest ein wenig abzufedern", sagt Sternbaum. Doch seine Liebe hängt nach wie vor am analogen Kinderbuch, das man in die Hand nehmen und durchblättern kann.