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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Explosive Kunst von Sandra Kranich

Feuerwerkskünstlerin Sandra Kranich

Funkenregen, Leuchtspiralen, bunte Lichtblumen am Himmel, es zischt, raucht und knallt überall – normalerweise ist Silvester ein Erlebnis für alle Sinne. Leider ist ein klassisches Feuerwerk in diesem Jahr nicht möglich. Die Frankfurter Künstlerin Sandra Kranich macht Kunst aus Silvesterraketen und Böllern - auch in Corona-Zeiten.

Kleine Lichter entzünden sich, wandern an Stahlseilen diagonal nach oben. Mal schnell und mehrere Bahnen gleichzeitig, dann wieder langsam und mit wechselnden Farben. Es schwirrt und sirrt in der Luft, Rauch steigt auf… Die Installationen der Frankfurter Künstlerin Sandra Kranich sind jedes Mal ein einzigartiges Erlebnis, nie ganz berechenbar und nie gleich.

Denn die äußeren Einflüsse sind nicht zu unterschätzen, verrät die Pyrokünstlerin: "Bei einer Performance vor der Frankfurter Schirn hat es zum Beispiel im Vorfeld geregnet und die Farben haben sich dann gemischt in dieser feuchten Luft. Es war tatsachlich sehr schön. Manchmal ist auch das, was von außen kommt, extrem wichtig für das Feuerwerk."

Idee entstand beim Zeichnen

Sandra Kranich tüftelt lange an ihren Kunstwerken. Und egal ob es letztlich eine Installation, eine Performance oder eine Skulptur wird, alles beginnt bei ihr immer mit einer Zeichnung. Auch die zündende Idee für ihre Feuerwerkskunst selbst ist beim Zeichnen gekommen: "Alles bestand aus geometrischen Formen und ich hab gemerkt, dass das sehr viel Ähnlichkeiten mit Feuerwerk hat. So ist der Wunsch entstanden, meine Zeichnungen mit Pyrotechnik in den Himmel zu zeichnen."

Zur Jahrtausendwende hat die Pyro-Künstlerin ihre erste Feuerwerk-Kunst in der Silvesternacht gezündet – im Historischen Museum in Frankfurt hatte sie tausende Streichholzschachteln zu Kugeln verbaut und damit eine Feuerzeichnung entflammt. Ein toller Effekt, aber eben sehr vergänglich, denn von der Streichholzschachtel-Performance war danach nichts mehr da.

"Figuren bekommen Leben durch das Feuerwerk"

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Heute verbindet Sandra Kranich ihre explosiven Ideen oft mit Metall-Objekten und versucht, auch andere Sinne zu stimulieren. "Die Farben und der Ton sind wichtiger geworden in den Jahren. Ich merke was für tolle Geräusche diese Feuerwerkskörper haben. Überhaupt, was die Pyrotechnik kann, das kann sonst kein Material, es ist wahnsinnig schönes Licht."

Normalerweise ist Silvesterfeuerwerk für Sandra Kranich immer eine Inspiration. Mit allen Sinnen nimmt sie die neuesten Farben- und Zwirbel-Trends dort auf und baut sie dann in ihre eigenen Kunstwerke ein.

Lizenz zum Zündeln

Dass dieses Jahr zu Silvester nicht geknallt wird, ist für sie aber kein Beinbruch – denn es blitzt immer noch genug Kreativität in ihren Werken auf: "Ich hab meist eine Skulptur und daran werden Feuerwerkskörper befestigt, meistens versteckt erstmal, dass man sie gar nicht sieht, und dann werden diese Feuerwerkskörper gezündet. Da gibt es eine richtige Choreographie, und anschließend sehen die Bildkörper natürlich auch anders aus."

Plastiken der Pyrokünstlerin Sandra Kranich

Ihre Edelstahl-Bilder zum Beispiel wirken erst wie riesige blankpolierte Wandreliefs mit Schichten von geometrischen Elementen. Nach dem Feuerwerk raucht es aus den Spalten und die Schmauchspuren verleihen dem Werk eine völlig neue Note. Klingt gefährlich. Aber Sandra Kranich ist natürlich Fachfrau für Pyrotechnik: Sie hat sich bei zwei Feuerwerkereien ausbilden lassen und hat jetzt die Lizenz, Großfeuerwerke zu schießen.

Erst beknallt, dann ins Museum

Allerdings darf sie ihre Kunstwerke trotzdem oft nicht in Museen explodieren lassen. Ihre aktuelle Serie von knalligen Messingskulpturen entzündet sie deshalb zum Beispiel ganz ohne Publikum in einem Steinbruch.

Für sie ist das jedes Mal ein Adrenalinflash, verrät die Pyro-Künstlerin: "Das ist vor allem erstmal eine sehr positive Aufregung und auch ein bisschen Angst dabei, dass man nur Schrott nach Hause bringt. Es ist immer eine Herausforderung, den Grad zwischen Zerstörung und Gestaltung herauszufinden."

"Auch für mich eine Überraschung"

Feuerwerkskünstlerin Sandra Kranich

Und erst bei diesem Feuerwerk-Wumms entsteht dann das endgültige Kunstwerk, das in den Museen ausgestellt wird. "Ich mach das auch so gerne, weil das für mich immer etwas Neues ist. Tatsächlich hab ich natürlich einen Plan und auch die Erfahrung, aber wie das letztlich dann aussieht ist auch für mich immer wieder eine Überraschung."

Einige ihrer Kunstwerke sind übrigens gerade zusammen mit den Arbeiten anderer Künstler in die Frankfurter Kunstsammlung gekauft worden. Die Werke werden in den Räumen der Stadtverwaltung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, beispielsweise indem sie in Foyers gehängt oder an andere Ämter oder Dezernate verliehen werden.

Sendung: hr2, 30.12.2020, 16.40 Uhr.