Szene aus "König der Raben"

Schon für seinen Debutfilm "Jonathan" heimste der Offenbacher Piotr Lewandowski mehrere Preise ein. Jetzt kommt sein zweiter Langfilm in die Kinos, "König der Raben", eine Geschichte über Illegale in Deutschland. Porträt eines der spannendsten Talente im deutschen Film.

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zum hr2.de Audio Piotr Lewandowski über seinen Film "König der Raben"

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Von klein auf wusste Piotr Lewandowski, dass er ein Künstler ist. Aber was für ein Künstler? Ein Maler? Ein Filmschaffender? Zu Hause in Warschau, wo er 1975 geboren wurde, fühlte sich der junge Mann zumindest immer als Außenseiter. Als der eiserne Vorhang fiel und Polen schließlich Teil des freien Europas wurde, zog es den jungen Piotr in die Fremde "auf der Suche nach sich selbst", wie er sagt.

Die Suche begann in Dublin, Paris und London, wo Lewandowski mehrere Jahre verbrachte. Dann erzählten im Freunde von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Hier konnte er Kunst und Film studieren, gleich zwei Fächer, die ihn interessierten. Er bewarb sich und wurde angenommen, obwohl er noch kein Wort deutsch sprach.

Offenbach als neues zu Hause

Offenbach wurde schnell sein neues zu Hause. "Das war so bunt, so schräg, so dreckig wie London, da habe ich mich sofort wohl gefühlt", erzählt er augenzwinkernd im hr2-Interview. An der HfG wurde klar, dass er zum Film wollte, auch weil er hier seinen späteren Filmpartner Carsten Strauch kennenlernte. Mit ihm entwickelte er 2012 die mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete ZDF-Comedy-Serie "Götter wie wir".

Piotr J. Lewandowski, Regisseur aus Offenbach

Später studierte er an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, und zwischen 2002 und 2007 stürzte er sich in die Fertigstellung seines Skripts, "Jonathan", das 2014 unter anderem den Drehbuchpreis des Internationalen Filmfests Emden gewann.

Mit dem Debütfilm auf der Berlinale

Der Film mit Shootingstar Jannis Niewöhner in der Hauptrolle wurde prompt zur 66. Berlinale eingeladen und feierte in der Sektion Panorama 2016 Premiere. Das Drama über ein Familiengeheimnis um einen schwulen Vater begeisterte das Publikum und räumte weitere Preise ab.

"Jonathan" wurde zu Lewandowskis Eintrittskarte in die deutsche Film und Kinoszene. So durfte er für den SWR seinen ersten Tatort drehen, der 2019 unter dem Titel "Hüter der Schwelle" ausgestrahlt wurde.

Vorurteile gegen Polen erlebt

Jetzt kommt "König der Raben", Lewandowskis zweiter Kinofilm, auf die Leinwand. Er erzählt die Geschichte des jungen Darko (Malik Blumenthal), der illegal in Deutschland lebt und sich in die junge Künstlerin Aline (Antje Traue) verliebt. Obwohl erst einmal alles gegen diese Liebe spricht, riskiert Darko für sie seine Existenz, die er sich in Deutschland aufgebaut hat.

"König der Raben" erzählt von der Liebe, vor allem aber von Menschen am Rande der Gesellschaft, von Menschen, die illegal in Deutschland leben. Mit ihnen sympathisiert Lewandowski besonders: Er habe selbst ein halbes Jahr bei einer Roma-Familie gelebt, erzählt er. Hinzu komme die Erfahrung, dass er sich in Deutschland habe "bewähren" müssen. Vorurteile gegen Polen habe er allzu oft erlebt. "Wer das Milieu von Migranten und ihre Situation kennt, fühlt den Film anders", betont er.

Schwerpunkt: komplexe Themen

Der inzwischen 46-jährige Regisseur packt gerne komplexe Themen an, wie er sagt, will über Dinge sprechen, die unbequem sind: über Homosexualität oder eben Illegale in Deutschland. Der persönliche Zugang ist ihm dabei wichtig, sagt er: "Wenn man eigene Geschichten erzählt, sind die einfach authentisch. Die Zuschauer merken, wie viel Wahrheit in jeder Geschichte steckt."

Sein jüngstes Projekt heißt "Meine Freundin Volker" und handelt von einer Dragqueen, die Zeugin eines Verbrechens wird und sich vor der Mafia verstecken muss. In den Hauptrollen der NDR-Produktion: Tatort-Kommissar Axel Milberg und SOKO-Stuttgart-Schauspielerin Kim Riedle. Eben erst kam Lewandowski aus Hamburg von den Dreharbeiten zurück. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

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