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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Film über Anschlag von Hanau wird doch veröffentlicht

Ein Grafitti erinnert an die Anschläge von Hanau.

Regisseur Uwe Boll, der für rabiate Videospielverfilmungen bekannt ist, hält an seinem Film über den rassistischen Anschlag von Hanau fest. Das bestätigte er am Montag. Hinter der vermeintlichen Absage steckte offenbar ein Missverständnis.

Die Erleichterung bei den Hinterbliebenen der Opfer währte nur kurz: Der umstrittene Film über den rassistischen Anschlag in Hanau im Februar 2020 wird doch veröffentlicht. Das stellte Regisseur Uwe Boll, der sich vor allem mit blutigen und actionreichen Verfilmungen einen zweifelhaften Namen gemacht hat, gegenüber dem hr am Montag klar.

Die vermeintlichen Absage des Films am Sonntag basierte offenbar auf einem Missverständnis, ausgelöst durch einen inzwischen gelöschten Facebook-Post Bolls. "Filmförderung und alle Sender und Streamer haben mein Projekt Deutschland im Winter abgelehnt. Das Projekt ist dann erst mal tot", hatte er dort angekündigt. Das Filmportal moviebreak hatte zuerst darüber berichtet.

Veröffentlichung im Sommer

Regisseur Uwe Boll

Unter dem Titel "Deutschland im Winter" hatte Boll eine Trilogie geplant, der Film über den Anschlag von Hanau war als deren erster Teil gedacht. Nun stellte Boll klar, lediglich die anderen beiden Teile der Trilogie habe er auf Eis gelegt. Filmförderung, Sender und Streamingdienste hätten das Projekt abgelehnt.

Den Film über Anschlag von Hanau dagegen will er unabhängig davon nach wie vor veröffentlichen. Laut Boll ist der gesamte Film bereits abgedreht und wird nun nachbearbeitet. Im Sommer solle er dann erscheinen. Auf welchem Weg er genau veröffentlicht werde, sei noch nicht sicher, in Frage kämen aber Kino, Streamingdienste, per Video oder Blueray. Wie er finanziert wurde, ist nicht bekannt.

Boll verteidigte sein Vorhaben am Montag erneut. Es sei wichtig, sich mit den Gefahren von Rechtsextremismus auseinanderzusetzen und auch legitim, sich dafür filmischer Mittel zu bedienen. "Man kann einen Film nicht beurteilen, den man nicht gesehen hat."

Angehörige: "Übersteigt Vorstellungskraft"

Boll hatte ein Jahr nach den rassistischen Morden von neun jungen Hanauerinnen und Hanauern durch einen 43-jährigen Deutschen angekündigt, die Geschehnisse verfilmen zu wollen. Hinterbliebene der Opfer und die Stadt Hanau hatten sich über die Pläne schockiert gezeigt und in einem offenen Brief an Boll appelliert, das Projekt aufzugeben.

"Es übersteigt unsere Vorstellungskraft, welche Geisteshaltung notwendig ist, um den gewaltsamen Tod von neun Mitmenschen in einer Art und Weise filmisch umzusetzen, die nach Ihren eigenen Worten zu hart für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist", hieß es darin. Das Attentat habe viele Wunden gerissen – in den betroffenen Familien, in der ganzen Stadtgesellschaft. "Die Stadt ist seither nicht mehr dieselbe und wir alle tun unser Bestes, um die Ereignisse angemessen zu verarbeiten."

Negativ-Preis und schlechter Ruf

Der Regisseur hatte sein Vorhaben gegen die Kritik verteidigt. Er stehe auf der Seite der Opfer und wolle einen Beitrag zur Aufklärung der Ereignisse vom 19. Februar 2020 leisten.

Für Boll ist es nicht das erste Mal, dass er sich eines schwierigen Themas annimmt. 2011 entstand unter seiner Regie ein Film mit dem Titel "Auschwitz", der unter anderem Vergasungen im größten Vernichtungslager des NS-Regimes explizit darstellte. Der Film wurde von der Kritik einhellig verrissen.

In Cineasten-Kreisen hat sich der gebürtige Nordrhein-Westfale den Ruf eines der "schlechtesten Regisseure" aller Zeiten erworben. Seine Arbeitsweise brachte ihm 2009 den Negativ-Preis "Goldene Himbeere" für das "schlechteste bisherige Lebenswerk" ein.

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