Regisseurin Antonia Kilian und ihre Protagonistin Hala

Für die Kasseler Filmemacherin Antonia Kilian sind es aufregende Tage. Ihr Film "The other side of the river" feiert beim Dokumentarfilmfestival in München Deutschlandpremiere. Für die Geschichte über eine starke junge Frau hat Kilian ein Jahr in Syrien gelebt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Regiedebüt ist eine dokumentarische Perle

Porträt-Aufnahme von Regisseurin Antiona Kilian
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Die Jury ist sich einig. Die Arbeit von Antonia Kilian und ihrem Team ist ein "herausragender Film" und so darf sich die 35-Jährige für ihr Regiedebüt schon jetzt über den VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis freuen, der am Freitag noch vor der Premiere verliehen wird. In "The other side of the river" begleitet sie die 19-jährige Hala, die sich für ein kurdisches Frauenheer ausbilden lässt. Hala kämpft gegen Unterdrückung und männliche Gewalt.

Frühes Interesse an kurdischer Frauenbewegung

Starke Frauen haben Antonia Kilian immer schon beeindruckt. Als Kind wird sie von ihrer Mutter regelmäßig ins interkulturelle Zentrum nach Kassel mitgenommen. Kilian erinnert sich, dass dort alljährlich am 8. März der internationale Frauentag gefeiert wurde. "Frauenkampftag", sagt die Kasseler Filmemacherin dazu, denn "viele kurdische und türkische Frauen haben das Fest mitgestaltet und sind mir als sehr starke Frauen in Erinnerung geblieben."

Auf diesem Weg ist Antonia Kilian schon früh in Kontakt mit der kurdischen Frauenbewegung gekommen. "Sie haben mein Verständnis von organisierten, politischen, feministischen Frauen ganz stark geprägt", erklärt Kilian. Im Bewusstsein, dass Frauen für ihre Rechte kämpfen müssen, beschäftigt die 35-Jährige sich früh mit der Frage der Frauenbefreiung.

Kämpfen für die Gleichberechtigung

Als Kilian von Frauen im Norden Syriens erfährt, die sich zu militärischen Einheiten zusammenschließen, ist ihr Interesse geweckt. "Ich wollte wissen, wie das Versprechen einer Frauenbefreiung in der Realität aussieht und ob das im zweiten Schritt auch eine Inspiration für mich selbst sein kann", sagt die Regisseurin, die an der Universität für Kunst und Film in Berlin studiert hat.

Als der kurdische Norden Syriens nach drei Jahren vom Terrorregime des Islamischen Staates befreit wird, entschließt sich die gelernte Kamerafrau direkt nach Syrien zu reisen, um einen Film zu drehen. Das war 2016.

Auf den Spuren kurdischer Kämpferinnen

Als Antonia Kilian in Rojava, im Norden Syriens, ankommt, begegnet sie Hala, der jungen Protagonistin ihres Films. "Hala war so positiv und voller Energie und wollte ihre Geschichte erzählen", erinnert sich Kilian. Die junge Araberin ist damals gerade 19 Jahre alt und von zu Hause weggelaufen, um einer Zwangsheirat zu entgehen.

Hala hatte sich dem kurdischen Frauenheer in der Stadt Minbij angeschlossen, was Antonia fasziniert. Um Hala bei ihrer täglichen Ausbildung zu begleiten, mietet Kilian sich bei einer syrischen Familie in einer benachbarten Stadt ein und erlebt dort "eine riesige Gastfreundschaft". Der Familienvater lädt sie ein zu bleiben, und "so bin ich bei ihnen geblieben."

Teamarbeit im Kriegsgebiet

Ein Jahr lang nimmt Kilian alle Gefahren und Strapazen auf sich, um Halas Geschichte zu erzählen. "Es war natürlich super kompliziert, dort zu drehen und auch zu leben, weil es eine Kriegssituation ist", berichtet die 35-Jährige. Das alles sei nur möglich gewesen mit der Hilfe ihres "wunderbaren Filmteams". "Ich komme als weiße deutsche Frau dorthin. Spreche nicht die Sprache und will große Themen ergründen", reflektiert sie heute selbstironisch.

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Aber sie nimmt am täglichen Leben der Menschen teil und gibt Filmworkshops für junge Frauen. Die Kasseler Regisseurin dreht mit ihnen Kurzfilme zu Frauenrechten - und lernt dabei ihren Editor und Co-Autor Arash Asadi kennen. "Sie alle haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich ein tieferes Verständnis von der sozialen und politischen Situation bekomme."

Fünf Jahre hat Antonia Kilian an ihrem Regiedebüt insgesamt gearbeitet. Hautnah filmt sie die mutige Araberin Hala und ihre vom Krieg zerstörte Umgebung. Sie begleitet die junge Frau bei ihren Konflikten mit den strengen Eltern, die Halas jüngere Schwester zwangsverheiraten.

Ausgezeichnetes Regiedebüt

Beim Münchner DOK.fest wird der Film vor seiner Deutschlandpremiere nicht nur mit dem VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis ausgezeichnet. Er ist auch für den Publikumspreis nominiert. Besonders hebt die Jury den großen persönlichen Einsatz von Kilians Arbeit hervor.

Weitere Informationen

Preisverleihung und Tickets

Die Preisverleihung findet am Freitag, 7. Mai, 20 Uhr, online statt. Tickets für den Preisträgerfilm "The other side of the river" gibt es hier. Der Film ist vom 6. bis 23. Mai 2021 abspielbar. Im Wettbewerb um den Publikumspreis steht außerdem der Kurzfilm "Dancing Abdullah" von hr-Filmemacher Marco Giacopuzzi über einen syrischen Jungen, der in Frankfurt tanzen lernt.

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Ihre Arbeit habe geradezu Modellcharakter, denn die Kasseler Filmemacherin beteilige alle Menschen mit einer Fluchtgeschichte kreativ und organisatorisch an ihrem Projekt. Doch nach dem Film ist vor dem Film. Kilian arbeitet längst an einer neuen Produktion. Thema? "Selbstverständlich auch wieder Frauenrechte."

Sendung: hr-iNFO, 5.05.2021, 15.27 Uhr