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Audioseite Das "Who is Who" bei Toni Schiesser in Frankfurt

Studierende werkeln an Modeprojekt

Mode ist Handwerk. Und wer das von Grund auf lernen will, kann das in Frankfurt tun. Die Schule für Bekleidung und Mode hat einen so guten Ruf, dass angehende Schneiderinnen von weit her ins Rhein-Main-Gebiet kommen.

Sophie Reinhart liebt Mode und schneidert sich ihre eigenen Kleider schon seit ihrer Kindheit. Statt eine Schneiderlehre in einem Atelier zu machen, entschied sich die 20-Jährige für die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode, denn hier hat sie die Möglichkeit, eine vollschulische Ausbildung im Modehandwerk zu bekommen.

Für ihre Leidenschaft zog die junge Wilhelmshavenerin nach ihrem Abitur vor zwei Jahren extra nach Frankfurt. Hier lernt sie das Handwerk von der Pike auf: alles über Stoffe und deren Verarbeitungen, über Design, über die vielen Verarbeitungstechniken und Nachhaltigkeit. "Ich habe es mir am Anfang nicht so kompliziert vorgestellt", sagt Reinhart, aber es werde immer toller.

Gelernt, mit Stoffen umzugehen

Josephine Rittersberger aus Rödermark (Offenbach) hat ihre Ausbildung an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode vor zwei Jahren abgeschlossen und blickt voller Begeisterung auf ihre Zeit zurück. Sie könne sich jetzt alles selbst schneidern, "sogar ein Hochzeitskleid".

Zeichnungen von Schülerinnen und Schülern der Modeschule Frankfurt zum Motto Blau. Sie zeigen skizzierte Frauenkleider.

Sie habe gelernt mit Stoffen umzugehen, erzählt sie: "Wenn ich ein Projekt habe und noch nicht weiß, wie etwas aussehen soll, dann werfe ich einfach meinen Stoff über die Puppe und lasse mich inspirieren".

Traum vom eigenen Atelier

Nach ihrem Abschluss arbeitete sie für ein Atelier im Frankfurter Westend und lernte mehr über die kommerzielle Seite des Modemachens. Im August aber will sie nach Berlin, um "als selbständige Schneiderin Businessmode" zu machen, ausgefallen soll diese Mode sein.

Langfristig träumt sie davon, ihr eigenes Atelier zu führen, weil "es mir einfach Spaß macht, in allen Bereichen der Herstellung tätig zu werden und Entscheidungen zu treffen" - so, wie sie es an der 101-jährigen Schule für Bekleidung und Mode gelernt hat.

Designerkleidung aus Frankfurt

Die dreijährige vollschulische Ausbildung dort ist sehr anspruchsvoll, betont Filippa Sabrina Koch, eine der Ausbilderinnen von derzeit rund 800 Schülerinnen und Schülern: "Wir verbringen 26 Schulstunde die Woche zusammen, und die Schülerinnen sind mir schon sehr ausgeliefert", sagt sie mit einem Augenzwinkern. "Wir prägen uns gegenseitig und ich lerne viel von ihnen und ihren Ideen."

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Die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode

Zur Schule gehören unter anderem eine Fachschule, eine Fachoberschule und eine Berufsfachschule. Es können die unterschiedlichsten Berufs- und Schulabschlüsse gemacht werden: neben der Bekleidungstechnik, der Maßschneiderei und dem Design auch in der Textilreinigung oder Bereichen der Kosmetik und Körperpflege.

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Koch selbst hat ihre Ausbildung im Atelier von Toni Schiesser gemacht. In dem weltberühmten Modeatelier arbeiteten in den 1960er und 70er Jahren mehr als 100 Angestellte. Stars wie Caterina Valente, selbst arabische Scheichs kamen nach Frankfurt, um sich Kleider nähen zu lassen, erinnert sich Koch, die in den 1990er Jahren dort als Gesellin lernte.

Handwerk auf höchstem Niveau

Ihre Lehrjahre bei Toni Schiesser begleiten Filippa Sabrina Koch noch immer: "Ich glaube das spüren meine Schüler". Fachwissen ist ihr sehr wichtig, sagt sie: "Ich kann es nicht ertragen, wenn man irgendwas dilettantisch oder schnell, schnell macht". Sie selbst habe in ihrer Ausbildung oft wochenlang an einem Ärmel gestickt, "für einen besonderen Blusenentwurf für eine Industriellengattin".

Caterina Valente 1965 vor dem Atelier von Toni Schiesser beim Aufladen ihrer Bühnengarderobe auf ein Fahrzeug.

Wenn das Kleid dann etwa in der Bildzeitung abgedruckt wurde, "dann waren wir Mädchen richtig stolz". Oft wurden solche Kleider für 20.000 Mark verkauft. "Das war für uns ein Vermögen", erinnert sie sich. Dass sie an so einem teuren Stück mitgearbeitet habe, habe sie stolz gemacht. Durchhalten lohne sich also, das will sie ihren Schülerinnen vermitteln. "Ganz oft gelingt einem beim ersten Mal etwas nicht. Genau dann sei Hartnäckigkeit gefragt", sagt Koch. "Es ist alles eine Übungssache und wichtig ist es dranzubleiben".

Anspruch und Leidenschaft

Diese anspruchsvolle und leidenschaftliche Haltung schätzen die angehenden Modemacherinnen. "Hier werden nicht einfach Aufgaben vergeben und Noten verteilt", sagt Sophie Reinhart. "Wir sind hier in einem sehr engen Dialog und das finde ich richtig toll." Filippa Sabrina Koch verfolgt daher auch die Laufbahn ihrer Schüler.

Einige machen sich selbständig, und kreieren ihre eigenen Kollektionen, so wie Leonid Matthias, einer ihrer ersten Schüler, der sein eigenes Label in Frankfurt gegründet hat. Dass die Fashion Week nun nach Frankfurt kommt, ist für die leidenschaftliche Modemacherin ein Glücksfall. Die Fashion Week passe zu Frankfurt, sagt Filippa Sabrina Koch. Nicht zuletzt, weil man hier das Modemachen von Grund auf lernen kann.

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