Alicia Zett (eigentlich Zimmermann) hält ihr Buch "Not Your Type" in die Kamera.

Queere Themen boomen, auch in Jugendbüchern. Dass diese viel mehr sind als nur ein Nischenprodukt, zeigt die Frankfurter Autorin Alicia Zett mit ihren Liebesgeschichten.

Wenn Alicia Zimmermann in der Grundschule ein Freundebuch mit nach Hause bekommt, ist immer klar, was sie als Berufswunsch angibt: "Buchschreiberin" sagt sie lachend. "Ich wusste damals noch nicht, dass es Autorin heißt."

Sie liebt Geschichten, seit sie klein ist, versucht, selbst welche zu schreiben, verschlingt Bücher. "Ich habe immer Geschichten gesucht, die das widerspiegeln, was ich fühle", erzählt sie. Als Teenager merkt sie dann, dass es genau solche Geschichten nicht gibt - fühlt sie sich doch zu Frauen und Männern hingezogen. Standard ist aber die klassische heterosexuelle Liebesgeschichte.

"Geschichten, die ich selbst lesen möchte"

Das macht es ihr auch schwer, sich zu outen: "Ich bin in Gernsheim aufgewachsen", erzählt die 24-Jährige. "Da waren schwule oder lesbische Beziehungen kein Thema, auch nicht in der Schule." Was es damit auf sich hat, muss sich sich im Internet selbst zusammensuchen. Erst einen Tag vor ihrem 19. Geburtstag outet sie sich schließlich als queer, "auch wenn ich mich eigentlich nicht gerne labeln lasse."

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Queer

Der Begriff queer kommt aus dem Englischen und bezeichnet Personen, Handlungen oder Dinge, die durch den Ausdruck einer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität vom gesellschaftlichen Mainstream (heterosexuelle Menschen bzw. Menschen, deren Geschlecht und Geschlechtsidentität übereinstimmen) abweichen.

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Während ihres Film-Studiums beginnt sie, die Geschichten zu schreiben, "die ich selbst lesen möchte". Inzwischen ist unter ihrem Pseudonym Alicia Zett ihr zweiter Roman erschienen, der gleichzeitig der erste Band einer dreiteiligen queeren Jugendbuchreihe ist. "Not your type" heißt er und erzählt die Liebesgeschichte von Marie und dem Transjungen Fynn.

"Wollte Fynns Geschichte erzählen"

Einen persönlichen Bezug habe die Geschichte nicht, obwohl sie selbst mit einem Transmann verlobt ist: "Er hat sich geoutet, als ich die Rohfassung schon geschrieben hatte", erklärt sie. "Ich wollte in dem Roman einfach Fynns Geschichte erzählen und er war eben trans."

Und auch künftig will die Frankfurterin in ihren Büchern queere Charaktere einsetzen. "Es wird kein Buch von mir geben, in dem das nicht vorkommt", sagt sie. Es sei traurig, dass es lange Tabuthema war, schließlich habe es schon immer lesbische, schwule oder transidente Menschen gegeben.

Homosexuelle Figuren "entdramatisiert"

Bei Verlagen spielt Diversität inzwischen eine wachsende Rolle, sagt Manuela Kalbermatten von der Goethe Universität in Frankfurt. Die Literaturwissenschaftlerin forscht dort über queere Protagonisten in Jugendbüchern und beobachtet, dass immer öfter gefragt wird, wer in Büchern wie repräsentiert wird.

Früher wurden etwa Geschichten von schwulen Charakteren mehrheitlich dramatisiert und problematisiert, ihr Leidensweg spielte vielfach eine zentrale Rolle, sagt Kalbermatten. Heute stellt die Forscherin fest, dass homosexuelle Figuren völlig "entdramatisiert" sind: "Homosexualität wird als Begehrensform nicht mehr zum Problem gemacht."

Queere Themen verkaufen sich

Das mache einen wesentlichen Unterschied, sagt Kalbermatten. Sie hält es für extrem wichtig, dass Kinder und Jugendliche erkennen, dass ihre Form des Begehrens und "ihre Liebes- und Lebenserfahrung nur eine unter vielen ist." Wer andere Standpunkte und Lebensrealitäten kennenlerne, sei bereit die eigene Position auch dann zu hinterfragen, wenn sie vielleicht der dominierenden Vorstellung der Zeit entspricht. Mit anderen Worten: Auch Menschen, die sie sich als Mainstream verstehen, können noch toleranter werden.

Dennoch seien queere Themen innerhalb der Verlage immer noch "nischig", sagt Kalbermatten. Dabei verkauften sich queere Bücher gut, wie die Auswahl etwa des Fischer Verlags in Frankfurt zeige.

Roman auf Bestsellerliste

Dass queere Jugendbücher gut laufen, hat auch Alicia Zett erfahren. Die junge Autorin war mit ihrer queeren Liebesgeschichte im Februar auf Platz neun der Spiegel-Bestsellerliste. Der zweite Teil der Reihe erscheint im Mai - und hat natürlich wieder queere Charaktere. Erzählt wird diesmal die Liebesgeschichte von Luke und Jackson.

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Mehr zu Alicia Zett

Alicia Zimmermann arbeitet als Grafikerin beim Hessischen Rundfunk. Zuvor hat sie Film studiert. Auf ihren Social-Media-Kanälen spricht sie über Bücher, Serien und LGBT-Themen. Ihr Roman "Traumtänzerin" ist bei BoD erschienen, "Not Your Type" bei Droemer Knaur.

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Sendung: hr2-kultur, 23.03.2021, 10:30 Uhr