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Rudi Hurzlmeier in der Caricatura

Foto: Rudi Hurzlmeier steht vor einer Staffelei

Mit seiner Malerei, die Generationen von Meistern augenzwinkernd zitiert, hat Rudi Hurzlmeier der Komischen Kunst ein neues Feld erschlossen. Eine Ausstellung in der Caricatura Frankfurt zeigt die schönsten Bilder aus drei Jahrzehnten.

Ein Alpenmassiv, das in knall-rosa Licht getaucht ist, ein weißes Pferd im Sprung oder eine Waldidylle mit Hirsch – auf den ersten Blick sehen manche Bilder so aus wie die, die bei unseren Urgroßeltern über dem Sofa hingen: Großformatige und kitschige Schinken.

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Caricatura Frankfurt zeigt "Hurzlmeier Malerei"

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Tatsächlich ist Kitsch für Rudi Hurzlmeier kein Tabu: "Ich hab überlegt, was sich eignet für komische Bilder und da ist natürlich alles, was ohnehin kitschig ist, ideal. Da hat man schon ein heimeliges Entree für die Fallhöhe." Erst auf den zweiten Blick entdeckt man dann die witzigen Details und satirischen Anspielungen in Rudi Hurzlmeiers Bildern.

Zum Beispiel ragt aus den dramatisch aufgetürmten Wolken plötzlich eine überdimensionale Gurke - eindeutig eine sexuelle Anspielung. Oder: Auf der idyllischen Blumenwiese besteigt ein Hengst ein Nashorn - Titel: Return of the unicorn.

Van Gogh oder Hurzlmeier?

Aber der Künstler schafft die Fallhöhe auch noch auf andere Weise: Manchmal kopiert er den Stil eines bekannten Kunstwerks: Eine Zypresse aus dicken Pinselstrichen, wildverwirbelte Wolken, gelb-orange-grün-Töne in einem Weizenfeld - ein Van Gogh? Nein, natürlich ist auch das ein echter Hurzlmeier.

Bei ihm rennen dann auch zwei Männer durchs Bild, der eine untenrum nackt, der andere obenrum. Aber die Pinselführung macht klar: Rudi Hurzlmeier kann auch klassische Kunst. "Ich wollte eigentlich Maler werden. Das war mein Interesse und mein Drama, dass mich die Kunstakademien nie angenommen haben."

Autodiakt in einem exklusiven Genre

Von der Malerei hat ihn das nicht abgebracht, im Gegenteil. Er hat sich die Stile der großen Meister selbst beigebracht: "Ich habe sie studiert und dann nachgemalt, einfach um zu sehen, wie das geht. Und durch die komische Malerei habe ich den Weg dann wieder zurück gefunden."

Das klingt so harmlos, aber ein kleines Zucken um die Mundwinkel und viele Lachfältchen verraten, dass es Rudi Hurzlmeier riesigen Spaß macht, die Alten Meister in seiner komische Malerei zu verstecken - und den Akademien so eins auszuwischen. "Mit dem Vorteil, dass ich jetzt sogar ein sehr exklusives Genre zur Verfügung habe", denn in der komischen Kunst gebe es nur sehr wenige, die das Mittel der Malerei wählen.

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Zur Person

Rudi Hurzlmeier wird 1952 in Niederbayern geboren. Mit 16 schmeißt er die Schule und erfindet sich ständig neu: Er ist Schaufensterdekorateur, Hotelbus-Koch, Bühnenbauer, Taxifahrer, Antiktrödelhändler und immer wieder auch Gag-Schreiber für Komiker. Seine wahre Leidenschaft ist aber das Malen und Zeichnen. Bei der Münchner Stadtzeitung bekommt er 1980 eine feste Cartoonseite, außerdem zeichnet er unter anderem für das P.M.-Magazin, für Gong, HörZu, Stern, Bunte, F.A.Z. und die Zeit. Und dann geht 1985 Hurzlmeiers Wunsch in Erfüllung: Er wird ständiger Mitarbeiter des Satiremagazins Titanic und ist es bis heute.

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Titanic ist sein Medium

Gemälde: Ein großer Kürbis mit einem Gesicht wird von einem kleinen Mann gestützt.

Komische Kunst - da denkt man eher an Karikaturen, reduzierte Zeichnungen, die gesellschaftliche und politische Phänomene satirisch überspitzen. Nur wenige Künstler schaffen es, mit komischer Malerei so erfolgreich zu sein. Denn Hurzlmeiers Cartoons und Malereien wurden über die Jahre in allen großen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Vorallem aber war die Satirezeitschrift Titanic sein Medium.

Über 100 dort erschienene Werke von Rudi Hurzlmeier hängen jetzt in der Caricatura. Weil die meisten nicht nur großformatig, sondern auch üppig und farbstrotzend sind, erzeugen sie an den schwarzen Wänden, mit dem warmen Licht und kleinen Akzenten wie Plüschsofa und rotem Vorhang eine ganz eigene Stimmung.

Malerei im Zeitraffer

Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist eine Video-Installation gleich neben dem Gemälde "The goose girl at the well". In einer Art Zeitraffer wird am Beispiel dieses Bildes gezeigt, wie aufwendig Rudi Hurzlmeier malt. Er hat mit Fotos dokumentiert, welche Stadien dieses Gemälde durchlaufen hat. Die Fotos werden im Video langsam übereinander geblendet, so dass man die verschiedenen Stadien genau verfolgen kann und miterlebt, wie aus einer Art Reiterbild langsam eine Gänsemagd entsteht.

Er arbeite immer Monate, manchmal Jahre an einem Bild, verrät Rudi Hurzlmeier. Und je länger man seine Gemälde betrachtet, desto besser versteht man seinen vielschichtigen Humor. "Meine Fantasie ist das weite Feld der Unvernunft", sagt er selbst dazu. Unvernunft, die Spaß macht, wie die Ausstellung in der Caricatura beweist.

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Hurzlmeier Malerei

2. Dezember bis 8. April 2022 im Caricatura - Museum für Komische Kunst Frankfurt

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