Ros-hellblau gestalteter Raum
Haben Sie Angst vor Farbe? Rosa-hellblau gemustert ist schön... Bild © mak Wien/ Aslan Kudrnofsky

Viele Farben, viel zum Mitmachen und ein hoher Unterhaltungsfaktor: Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zeigt die Ausstellung "Beauty" des Grafikdesignerduos Sagmeister und Walsh. Macht auch mit Kindern Spaß.

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zum Video Stefan Sagmeister: "Schönheit macht uns zu besseren Menschen."

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Was ist schön? Wer findet was schön? Und wozu soll etwas schön sein? Der österreichische Grafikdesigner Stefan Sagmeister und seine Partnerin Jessica Walsh haben diesen Fragen eine komplette Ausstellung gewidmet, die im Museum Angewandte Kunst (MAK) in Frankfurt gezeigt wird.

Sagmeister und Walsh haben im gesamten ersten Stockwerk des MAK ein buntes, designerisch perfekt choreografiertes Sammelsurium an Objekten und Ideen zusammen getragen oder erschaffen, das dem Besucher zeigen soll, was schön ist, und warum er durch Schönheit zu einem besseren Menschen wird. Das Logo der Ausstellung ist ein barock anmutendes "B" mit Rosen, Schlange und Schnörkeln. Es wird am Anfang der Ausstellung auf einen Nebelvorhang projiziert – sieht echt schön aus.

Das Sagmeister/ Walsh "B" steht für Beauty
Das "B" für Beauty sieht recht barock aus. Schön, sagen die einen... Bild © Sagmeister/ Walsh, New York

Sagmeister: Der Mensch braucht Schönheit

Weitere Informationen

Sagmeister & Walsh: Beauty
11. Mai bis 15. September 2019
Museum Angewandte Kunst, Frankfurt

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Sagmeister beklagt, dass Schönheit im 20. Jahrhundert bei Architekten, Designern und Künstlern stark aus der Mode gekommen, ja sogar in Verruf geraten sei. Er hält die "Fokussierung auf die Funktionalität" aber für einen Fehler. "Schönheit selbst ist eine Funktion", so das Credo. Und stärker noch: "Wo Schönheit fehlt, benimmt sich der Mensch garstig." Kranke würden in einer schönen Umgebung schneller gesund, schöne Bauwerke würden länger bewohnt. Sagmeister und Walsh haben für die Schau eng mit dem Wissenschaftler Helmut Leder aus Wien zusammengearbeitet, etwa seine Studien zur Symmetrie werden zitiert.

Mitmach-Schau mit großem Unterhaltungsfaktor

Und weil vielleicht doch nicht ganz klar ist, was genau jeder Mensch schön findet, können die Besucher in der Ausstellung im MAK kräftig daran mitwirken, Schönheit zu bestimmen und einzuordnen. Als Ticket erhält man fünf Papierjetons, mit denen man darüber entscheiden soll, welches die schönste Form, die schönste Farbe oder der schönste Geruch ist. Überhaupt gibt es in der Ausstellung viel zu tun – man kann einen Vogelschwarm mit einem Joystick auf einer großen Videoleinwand dirigieren, Muster auf Taschen drucken lassen, Möbel zeichnen, bekannte Renaissance-Motive bunt anmalen, Sachen anfassen, riechen und spüren - und das macht Spaß. Es ist bunt, alles ist leicht zu verstehen, es sieht gut aus und ist unterhaltsam.

Ausstellungsobjekt zum Thema: Wie schön ist es unter der Erde?
Wie schön ist es unter der Erde? Unklar, aber blau ist zumindest die Lieblingsfarbe der ganzen Welt. Bild © Katrin Kimpel

Sagmeister und Walsh schaffen es mit ihrem "Beauty"-Konzept, relativ einfache Erkenntnisse mit ganz großer Geste zu illustrieren. Aber ist das auch interessant? Allzu viel Tiefgang sollte man nicht erwarten, viel mehr als schön kann man die Schau kaum finden. Aber das ist ja auch schon viel, geht man mit Sagmeister.

Alles in allem ist "Beauty" eine schöne, kurzweilige, ansprechende Ausstellung, in der man auch gerne mit Kindern mal ein, zwei Stunden verbringen kann und sicher mit guter Laune wieder raus kommt. Also ganz sicher nicht garstig.