Gesperrte Sitze im Theater

Nach Monaten der Schließung starten Hessens Theater und Opernhäuser in die neue Spielzeit - wenn auch mit drastisch verringerten Zuschauerzahlen. Frankfurts Alte Oper Frankfurt steht vergleichsweise gut da.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Monologe in der Alten Oper Frankfurt

Markus Fein
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Die Corona-Pandemie hat die Theater und Opernhäuser schwer getroffen. Nachdem monatelang fast keine Vorstellungen möglich waren, starten sie nun in die neue Spielzeit. Doch das Coronavirus erschwert den Betrieb auch weiterhin.

Wegen der behördlichen Verfügungen können viele Häuser nur rund ein Viertel der sonstigen Sitzplätze anbieten. Zudem müssen sie sich an strenge Hygieneregeln halten. Kartenverkäufe, Pausen-Gastronomie und selbst die vorgeschriebenen Wege innerhalb der Foyers müssen umorganisiert werden.

"Regulär geplanter Spielbetrieb nicht möglich"

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden beklagt öffentlich auf seiner Internet-Seite, dass "ein regulär geplanter Spielbetrieb nicht möglich" sei. Alle Vorstellungen bis einschließlich 4. September wurden abgesagt, bis zum 20. September gibt es ein Ersatzprogramm. Ins Große Haus dürfen dabei gerade einmal 200 Zuschauer, ins Kleine 60. Zum Vergleich: Der Zuschauerraum im Großen Haus hat 1.041 Sitzplätze, im Kleinen Haus kommen normalerweise 272 Zuschauer unter.

"Um die Abstandsregelungen einzuhalten, wurden die Saalpläne in Opernhaus und Schauspielhaus den Sicherheitsvorgaben angepasst", heißt es auch aus dem Staatstheater Kassel. Das bedeutet: Im Schauspielhaus dürfen höchstens 141 der 517 Plätze besetzt werden, ins Opernhaus dürfen statt 947 nur 268 Menschen. Damit die inzwischen üblichen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können, müssen zudem "die Karten vorerst noch von unserem Kassenpersonal persönlich vergeben werden".

Produktionen ohne Pausen

Das Schauspiel Frankfurt hat seiner Sprecherin zufolge im Großen Saal 160 statt 700 Plätze zur Verfügung. Auch der Hessische Rundfunk hat für den hr-Sendesaal in Frankfurt die Zahl der Sitzplätze in der kommenden Saison deutlich reduziert: von 868 auf 200. Die Konzerte haben eine maximale Länge von 60 Minuten. Dafür gibt es aber pro Konzertabend häufig zwei Veranstaltungen, zum Beispiel um 18.30 Uhr und 20.30 Uhr. In die Oper Frankfurt dürfen in den 1.375 Plätze fassenden Zuschauerraum 390 Menschen, wie Intendant Bernd Loebe erklärt. 

Das Große Haus im Staatstheater Darmstadt bietet maximal 205 der 956 Plätze an. Im Kleinen Haus ist die Quote ähnlich: Dort dürfen 102 statt der sonst üblichen 482 Zuschauer die Vorstellungen besuchen. Zudem seien "die aktuellen Produktionen mehrheitlich ohne Pausen konzipiert", heißt es in einer Mitteilung.

"Pausenlos" geht es in der neuen Spielzeit überwiegend auch in der Alten Oper Frankfurt zu. Dafür werden manche Konzerte noch am selben Tag wiederholt. Wirtschaftlich sei das alles natürlich eine enorme Herausforderung, sagte der neue Intendant Markus Fein in einem Interview mit der FAZ. Doch auch dank der guten Zusammenarbeit mit Sponsoren wie Dauermietern - wie unter anderem dem Hessischen Rundfunk - sei er optimistisch.

Flexible Bestuhlung in der Alten Oper

Einen großen Vorteil hat die Alte Oper: Während in den meisten anderen Opernhäusern die Stuhlreihen fest installiert sind, verfügt sie über eine flexible Bestuhlung. Damit können die einzelnen Sitzplätze mit relativ geringem Aufwand exakt auf den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern ausgerichtet werden. In den Großen Saal, der sonst knapp 2.400 Plätze zählt, passen so immerhin noch 600 Sitze.

Nach der coronabedingten Zwangspause sei der "Hunger nach Musik unglaublich groß", zeigte sich Fein im FAZ-Interview überzeugt. "Ich glaube, der Gewinner der Krise wird nicht das Internet mit seinen digitalen Ersatzangeboten sein, sondern das Live-Konzert."

Sendung: hr-iNFO, 24.08.2020, 18:55 Uhr