Die Bühne des Kleinen Hauses im Staatstheater Darmstadt

Mitten in der Pandemie nehmen Land und Stadt 50 Millionen Euro für die Sanierung des Kleinen Hauses am Darmstädter Staatstheater in die Hand. Die Investition soll ein Signal für die Zeit nach der Pandemie sein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Kleine Haus in Darmstadt wird saniert

Zuschauertribünen im Kleinen Haus des Staatstheaters Darmstadt
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Auf der Theaterbühne ist die Improvisation eine gern gesehene Kunst, hinter der Bühne dagegen weniger: Im Kleinen Haus des Darmstädter Staatstheaters quietscht und klemmt die mittlerweile 50 Jahre alte Bühnentechnik an allen Ecken und Enden. Nur mit viel Geschick und eben Improvisation haben Techniker zuletzt den Theaterbetrieb im fast 500 Zuschauer fassenden Saal aufrechterhalten.

Die dringend notwendige Sanierung war schon lange geplant, jetzt fällt der Startschuss: Für rund 50 Millionen Euro wird die Darmstädter Traditionsbühne mit der neuesten Technik ausgestattet. Damit wollen Stadt und Land auch ein deutliches Signal für die Zeit nach der Pandemie setzen.

Land übernimmt größten Teil der Kosten

Die Nachricht über die Sanierung des Darmstädter Theaters zu überbringen, sei "eine große Freude", sagte Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) am Montag, denn sie signalisiere: "Es gibt eine Zeit nach Corona."

Die Finanzierung stemmen Land und Stadt gemeinsam, 80 Prozent übernimmt das Land. "Das ist sehr gut investiertes Geld in einem Bereich, der unter der Pandemie leidet und Signale braucht", sagte Finanzminister Michael Boddenberg (CDU). Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sprach von einem "wichtigen und guten Tag für Darmstadt und die Kunst des Theaters".

Technik klappert an allen Ecken und Enden

Ganz besonders erfreut über die seit 2018 geplante Sanierung des Kleinen Hauses ist Intendant Karsten Wiegand. Denn Wiegand und sein Ensemble hatten in den vergangenen Jahren oft genug mit der alten Technik zu kämpfen. "Mal fällt das eine Teil aus, dann gibt es an der anderen Stelle einen Fehler oder eine Warnmeldung", beschreibt der Intendant den oft mühsamen Alltag im Kleinen Haus im Gespräch mit dem hr. Letzte Woche sei zudem die Technik ausgefallen, mit der sich die Scheinwerfer bewegen lassen.

Einen gewissen nostalgischen Charme will Wiegand der alten Technik nicht absprechen. An vielen Stellen würden etwa noch Kulissen an schweren Seilen per Hand in die Höhe gezogen, die Bühnenteile heben und senken sich per Hydraulik. "Das hat fast schon romantische Züge."

Bühnentechniker ziehen an dicken großen Seilen, um die Kulissen zu bewegen.

Doch die Fehleranfälligkeit habe den Ablauf der Proben und teilweise auch der Vorstellungen stark behindert. Auch die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe nicht mehr gewährleistet werden können. Deswegen ist Wiegand "sehr, sehr, sehr froh, dass das jetzt gemacht wird". Zudem sei die Investition gerade in Zeiten der Pandemie ein "tolles Bekenntnis des Landes Hessen und der Stadt Darmstadt zum Theater".

Analoges Theater gepaart mit Digitalität

Die nostalgische Romantik weicht nun einer digitalen Funktionalität. Das hydraulische Herzstück der Anlage wird durch eine elektromechanische Anlage ersetzt, die komplett digital gesteuert werden kann. Bühne, Licht und Ton werden dann über ein und dasselbe System bedient. Das sorgt nicht nur für bessere Abläufe hinter, sondern auch für eine Vielzahl an zusätzlichen Möglichkeiten auf der Bühne.

"Man kann die tolle analoge Kunst des Theaters mit Digitalität und filmischem Erzählen verbinden", so Wiegand. Man könne beispielsweise Videos in die Inszenierung einbinden, aber auch Liveaufnahmen zeigen oder die Darsteller auf der Bühne in projizierte Bilder einbetten.

Auch wichtig: Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit

Bei der Planung des Umbaus sei besonders auf Themen wie Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit geachtet worden, sagte Thomas Platte, Direktor des bei der Sanierung federführenden Landesbetriebs Bau und Immobilien, am Montag. Im ersten Schritt wird demnach das Kleine Haus bis auf den Rohbau zurückgebaut, um dann im zweiten Schritt von Grund auf mit der neuesten Bühnentechnik ausgestattet zu werden.

Auch der Zuschauerraum wird umgebaut. Nach der Sanierung werden 262 Menschen im Kleinen Haus Platz finden, weniger als zuvor. Dafür biete die neue Technik aber auch Möglichkeiten, Zuschauer nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne zu platzieren, so Platte.

Zukunftsthemen rücken in den Fokus

Bis Ende 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Als Ausweichspielstätte sind in diesem Zeitraum die Kammerspiele vorgesehen. Mit den experimentellen Stücken, die bislang in den Kammerspielen liefen, will Wiegand auf verschiedene Spielstätten in der Stadt und den Stadtteilen ausweichen.

"Wir begreifen diese Interimszeit als Chance, mal etwas anderes zu machen und uns den Zukunftsthemen des Theaters zu widmen", sagte Wiegand. Dabei stünden Diversität, Partizipation und Inklusion im Vordergrund. "Wir freuen uns, dass wir in diesen zwei Jahren noch einmal andere Formate, andere Orte und andere Begegnungen haben werden", sagte Wiegand. Und über allem steht die Hoffnung, dass die ersten Begegnungen im dann runderneuerten Kleinen Haus auf vollen Rängen und ohne Masken stattfinden können.

Sendung: hr2, 04.05.2021, 8.32 Uhr