Saxofonist Fabian Dudek blickt in die Kamera. Hinter ihm sind Büsche und Sträucher zu sehen.

Fabian Dudek gilt als einer der großen Hoffnungsträger für die Zukunft des Jazz. Aber wie kommt ein 26-Jähriger da überhaupt hin? Im Interview beschreibt der Saxofonist aus Groß-Gerau seinen Weg in die Jazz-Szene und erklärt, warum er sein Publikum aus der Komfortzone holen möchte.

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Audioseite Fabian Dudek aus Groß-Gerau erobert die Jazz-Welt

Fabian Dudek
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Die Liste seiner Nachwuchspreise, Stipendien und positiven Kritiken wird immer länger. Und trotzdem: Fabian Dudek sieht sich nicht als "Vorzeige-Jazzer". Zwar wollte der gebürtige Groß-Gerauer nach eigener Aussage schon immer Musiker werden. Dass es Jazz werden würde, sei aber eher ein Zufall gewesen.

Dabei nahm sein Vater ihn schon früh mit zu Konzerten und weckte so sein Interesse an dem Genre. Im Alter von zehn Jahren entdeckte er das Saxofon für sich, landete in der Bigband seiner Schule und studierte schließlich Jazz an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Inzwischen lebt der 26-Jährige in Berlin und tritt gemeinsam mit seinem "Fabian Dudek Quartett" auf, etwa beim 52. Deutschen Jazzfestival.

Im Interview mit hessenschau.de erklärt Dudek, warum die Musik für ihn in seiner Jugend in erster Linie eine soziale Komponente hatte und wieso er der Meinung ist, jeder und jede sollte sich auf Jazz einlassen - und sei es nur, um am Ende zu wissen, dass man ihn nicht mag.

hessenschau.de: Warum ausgerechnet Jazz? Das ist in der Regel nicht das allererste, was ein Kind oder Jugendlicher entdeckt und liebt.

Dudek: Ich habe mir nie gesagt, ich möchte Jazz machen. Das sage ich mir heute noch nicht. Ich würde mich auch selbst nicht als den Vorzeige-Jazzer beschreiben. Aber ich war immer in Gewässern unterwegs, die viel mit Jazz zu tun hatten oder als Jazz betitelt wurden.

Wenn man als Schüler Musik machen will und zum Beispiel Saxofon spielen will, dann geht es schnell in die Richtung. Bei uns war da eine Schüler-Bigband, die alte, traditionelle Jazzmusik gespielt hat. Später im Studium gab es die Wahl, studiert man Klassik oder studiert man Jazz. Ich habe mich für Jazz entschieden, weil das der viel freiere Studiengang ist und man sich selbst viel mehr kreativ einbringen kann, als wenn man Klassik studiert.

hessenschau.de: Das heißt, dieses Label Jazz ist Ihnen so ein bisschen passiert?

Dudek: Auf jeden Fall. Was ich persönlich mit traditioneller Jazzmusik verbinde, höre ich auch immer noch sehr gerne. Da ist unfassbare Musik dabei. Aber es ist nicht so, dass ich nur das höre oder nur das mag oder dass nur das meine Einflüsse sind. Es ist ein Teil, aber nicht alles.

hessenschau.de: Wie war das in der Schule und im Freundeskreis? Waren Sie da alleine mit der Liebe zu dieser Musik? Oder gab es da auch noch andere, die das gut fanden?

Dudek: Jazzmusik war immer allgegenwärtig. Aber so richtig in mein Leben kam das auch erst relativ spät, vielleicht mit Ende 15, Anfang 16. Davor habe ich Hardrock und Hip-Hop-Musik und sowas gehört, querbeet immer das, was mir gefallen hat.

In der Schule war es so, dass ich lustigerweise gerade durch die Jazzmusik total viele soziale Kontakte und Freunde gefunden habe. Gerade durch die Schüler-Bigband. Wir haben einfach diese Musik gespielt, ohne uns zu fragen: Ist das jetzt unsere Lieblingsmusik? Da war total tolle Musik dabei und einiges davon höre ich heute immer noch. Aber in dem Moment war es nicht so, dass man die Musik hundert Prozent reflektiert, ob es der Lebensinhalt ist oder nicht. Es war eher so: Ich habe jetzt Lust, mit den Leuten hier abzuhängen. Etwas Soziales erst mal.

hessenschau.de: Jazz gilt vielen immer noch als Musik von alten Männern für alte Männer. Was ist jung am Jazz?

Dudek: Musik von alten Männern für alte Männer ist natürlich genau das Gegenteil, was ich damit erreichen möchte. Die Musik soll für alle Leute sein, ob alt oder jung, ob Mann oder Frau. Das ist natürlich ein Riesenproblem, wenn Leute das Klischee in ihrem Kopf haben. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass man bei Jazz an gewisse Musik denkt, die vor sehr, sehr langer Zeit passiert und überhaupt nicht mehr aktuell ist.

Das Interessante am Jazz ist, dass die Musik sich immer und immer wieder neu entdeckt und immer neu entwickelt. Deswegen fällt es so vielen Jazzmusikern und mir selbst vielleicht auch schwer davon zu reden, dass man Jazzmusik macht, weil viele Leute da an Musik aus den Vierzigern oder Fünfzigern oder noch davor denken. Man hat so Barrieren und Schranken im Kopf. Aber das hat nichts mit den Musikern oder dem Genre zu tun.

hessenschau.de: Schaffen Sie es denn auch, ein junges Publikum anzusprechen?

Dudek: Ja, auf jeden Fall. Es ist immer unterschiedlich, in welche Stadt man kommt, in welche Location man kommt, mit was für Leuten man zu tun hat. Aber ich sehe überhaupt gar keine Grenzen, wie das alte oder junge Leute anspricht. Wenn ich zum Beispiel in Berlin spiele, dann sind da so viele junge Menschen, die Läden sind oft gut besucht und die Leute haben Spaß. Man kann das nicht so pauschal sagen, aber manchmal ist es auf dem Land eher so, dass ein paar ältere Leute da sind. Und denen gefällt es oder gefällt es nicht, genauso wie den jungen Leuten. Ich sehe da keine Diskrepanz.

Fabian Dudek Quartett

hessenschau.de: Was sagen Sie Leuten, die Ihre Musik hören und sagen, da finde ich aber gar keine Melodien, das verstehe ich irgendwie nicht?

Dudek: Am liebsten möchte ich den Leuten gar nichts sagen. Sie sollen es erst mal erfahren. Und wenn sie überhaupt zu dem Punkt kommen und sagen ach, da ist jetzt gar keine Melodie oder dieses Gefühl haben, etwas anders aufzunehmen im Vergleich zu Charts im Radio, das ist schon ein Gewinn, weil es die Leute aus ihrer Komfortzone rausholt und sie dazu bringt, nachzudenken. Im besten Fall denken sie dann so lange darüber nach, dass sie eine Meinung dazu entwickeln, ob es ihnen gefällt oder nicht.

Aber mir kann keiner erzählen nach dem Konzert, ich kenne mich mit der Musik oder mit der Kunst nicht so gut aus und deswegen kann ich dazu nichts sagen. Man kann immer sagen, es hat einem gefallen oder nicht gefallen, ich habe mich gut gefühlt oder schlecht gefühlt. Man kann da mit ganz normalen menschlichen Eigenschaften an die Musik rangehen wie an alles andere auch. Wenn die Leute überhaupt anfangen zu denken, wenn sie meine Musik hören, dann ist es schon ein Gewinn. Das ist schon schön.

hessenschau.de: Wie würden Sie die junge Jazzszene in Deutschland einschätzen? Ist das eine Nische, die eine bleiben wird? Oder kann das noch wachsen?

Dudek: Es wächst auf jeden Fall. Es gibt extrem viel, manchmal fast zu viel. Gerade in meinem Umfeld habe ich total viele interessante Musikerinnen und Musiker, von denen ich mich total inspiriert fühle, mit denen ich auch im permanenten Austausch stehe. Es gibt super viele fantastische junge und alte Musikerinnen und Musiker in Deutschland, aus Jazz und jedem anderen Musikgenre.

hessenschau.de: Eine sehr diplomatische Antwort. Und im besten Fall sollen Sie alle zusammen spielen?

Dudek: Natürlich, wenn es Sinn macht.

Das Gespräch führte Dagmar Fulle.

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