Der Schriftsteller Ror Wolf ist tot. Er starb nach einer längeren schweren Krankheit im Alter von 87 Jahren. Wolf war früher auch für den Hessischen Rundfunk tätig.

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"Der Ball streicht, der Ball rollt, der Ball klatscht, der Ball rutscht, der Ball wird noch einmal abgetropft. Und der Ball läuft an ihm vorbei." Seine Montage von Fußball-Hörspielen hat den vielfach ausgezeichneten Schriftsteller Ror Wolf bekannt gemacht. Er war jedoch weit mehr als ein "Fußball-Poet". Sprachgewaltig und humoristisch sezierte Wolf in Romanen, Gedichten, Bild-Collagen und Hörspielen die Wirklichkeit.

Am Montagabend starb der gebürtige Thüringer im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit in seiner Wahlheimat Mainz in einem Krankenhaus. Das berichteten der Frankfurter Schöffling-Verlag und Freunde Wolfs am Dienstag. 

Von 1961 bis 1963 war Wolf Literaturredakteur beim Hessischen Rundfunk und verantwortlich für das Studio für neue Literatur. Später lebte er als freier Schriftsteller. "Ich bin ein Autor geworden, um mich Hierarchien zu entziehen", sagte er. Er wollte als freier Schriftsteller seine eigene Aufgaben lösen.

Hörspiel-Collagen über Fußball

Die sogenannte Schmach von Córdoba, bei der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1978 während der Weltmeisterschaft gegen Österreich mit 2:3 unterlag, wurde für Wolf zur Sternstunde. Als einer der ersten Intellektuellen widmete er sich dem Volkssport Fußball, auf seine Weise: Er setzte Kommentarfetzen und Interviewpassagen zu amüsanten Hörspiel-Collagen zusammen. In den 1970er Jahren schrieb er auch aus dem Stadion der Frankfurter Eintracht Texte und nahm Radiostücke auf, die ihn bekannt machten. Wolf selbst hatte nie Fußball gespielt.

Skurril bis grotesk sind auch die meisten seiner Bücher. Immer wieder beschäftigte sich Wolf mit der Welt und ihrem Auseinanderdriften von der Wirklichkeit. Eine allgemeinverbindliche Wirklichkeit gebe es für ihn als Autoren ohnehin nicht, sagte Wolf. Es zähle vor allem das Erlebte: "Die Realität ist eine Mischung, die im Laufe der Jahre zustande kommt."

Erst Bauarbeiter, dann Student, dann Autor

Wolf kam 1932 im thüringischen Saalfeld zur Welt. Bevor er 1953 die DDR verließ, arbeitete er zwei Jahre als Bauarbeiter, seine Bewerbungen zum Studium wurden zunächst abgelehnt. 1954 begann er in Frankfurt unter anderem bei Marx Horkheimer und Theodor W. Adorno ein Studium der Literatur, Soziologie und Philosophie.

Ab 1957 veröffentlichte er in der Frankfurter Studentenzeitung Diskus Prosa, Gedichte, Bildcollagen, Aufsätze und Kritiken. Nach seiner Zeit als Literaturredakteur beim Hessischen Rundfunk verfasste er als freier Autor neben Lyrik und Prosa auch Hörspiele und Radio-Collagen.

Wolf zog mehr als 30 Mal um

Sein erstes Buch, der Roman "Fortsetzung des Berichts", erschien 1964, eine auf Papier gebrachte Traumlandschaft in Anlehnung an Franz Kafka. Seine unverwechselbare Sprache entwickelte er bereits in Romanen wie "Pilzer und Pelzer" (1967). "Sein gesamtes Werk ist vom Spiel mit der Groteske geprägt", befand der Schöffling-Verlag.

Mehr als 30 Mal zog Wolf um. Er wohnte in New York, London, Frankfurt. Zwischen seinen zahlreichen Lebensorten und seiner Arbeit mit Collagen sah er durchaus einen Zusammenhang. "Das ergibt sich notwendigerweise aus so einem Leben." Zuletzt lebte Wolf rund 30 Jahre in Mainz. Eine der letzten Auszeichnungen, die Wolf bekam, war 2016 der Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg.

Sendung: hr2, 18.02.2020, 16:14 Uhr