Die Autorin Elke Erb wird in diesem Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Dies teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit.

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Elke Erb
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Elke Erb wird im Herbst mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet, teilte die Jury des Georg-Büchner-Preises am Dienstagmorgen mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Erb ist seit 1951 die elfte Frau, die den Preis bekommt. Die Verleihung ist für den 31. Oktober in Darmstadt geplant.

Dichter in Ost und West beeinflusst

"Mit Elke Erb ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt", begründete die Jury ihre Entscheidung. Sie lobt den "poetischen Sachverstand" der Autorin und ihre "prozessuale und erforschende Schreibweise". Die Schriftstellerin und Übersetzerin habe mehrere Generationen von Dichtern in Ost und West beeinflusst.

Die 82 Jahre alte Erb lebt in Berlin. Sie wurde am 18. Februar 1938 in Scherbach geboren, einem kleinen Dorf in der Eifel. 1949 übersiedelte sie als Zwölfjährige mit der Familie nach Halle in die DDR. Dort liegen ihre literarischen Wurzeln. Wegen ihres Einsatzes in der Friedensbewegung, einer Arbeit an einer Anthologie "inoffizieller Literatur" und dem Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers Roland Jahn wurde sie jedoch vom Staatssicherheitsdienst überwacht.

Elke Erbs erste Buchveröffentlichungen waren "Gutachten, Poesie und Prosa" (1975) und "Der Faden der Geduld" (1978). Auswahlbände von ihr erschienen parallel im Westen. Nach der Wende veröffentlichte sie 1991 den Prosatext "Winkelzüge oder Nicht vermutete, aufschlussreiche Verhältnisse", 1995 folgte "Der wilde Forst, der tiefe Wald. Auskünfte in Prosa" sowie zahlreiche Gedichtbände.

Zu den Preisträgern zählen Frisch, Grass und Böll

Die Akademie vergibt den Preis seit 1951 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten" und "an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben".

Die Jury für den Georg-Büchner-Preis bildet das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung unter Mitwirkung je eines Vertreters der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Magistrats der Stadt Darmstadt.

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Georg-Büchner-Preis

Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner ("Woyzeck"). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

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2019 war der Schweizer Schriftsteller und Dramatiker Lukas Bärfuss ausgezeichnet worden. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Romane "Hundert Tage" über den Völkermord in Ruanda und "Koala" über den Suizid seines Bruders sowie das Bühnenstück "Die sexuellen Neurosen unserer Eltern".

Zu den Preisträgern gehören auch Max Frisch (1958), Günter Grass (1965), Heinrich Böll (1967) und Christa Wolf (1980).

Sendung: hr2, 07.07.2020, 18.00 Uhr