Mirjam Pressler
Mirjam Pressler Bild © picture alliance/Sven Hoppe/dpa

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler ist tot. Die gebürtige Darmstädterin hinterlässt ein Lebenswerk von mehr als 30 Kinder- und Jugendbüchern und die Übersetzung von über 300 Werken - darunter das Tagebuch der Anne Frank.

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Mirjam Pressler bei der Entgegennahme des Leipziger Übersetzerpreises 2015

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gespräch mit Mirjam Pressler im Dezember 2018

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Mirjam Pressler starb am Mittwoch im Alter von 78 Jahren im niederbayerischen Landshut. Das teilte die Verlagsgruppe Beltz in Weinheim mit.

Die 1940 in Darmstadt geborene Tochter einer Jüdin wuchs in einer Pflegefamilie und im Kinderheim auf. In Frankfurt und in München studierte sie Malerei und Sprachen. Nach einem Aufenthalt in einem Kibbuz in Israel arbeitete Pressler in München zunächst als Taxifahrerin und als Verkäuferin, bevor sie sich 1980 als Autorin und Übersetzerin selbstständig machte.

Ein Leben voller Auszeichnungen

Die Autorin schrieb mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher wie "Novemberkatzen" oder "Nathan und seine Kinder". Zudem übersetzte sie mehr als 300 Werke, darunter Romane von Zeruya Shalev oder Amos Oz.

Auch die Tagebücher von Anne Frank hat sie aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen. Ihre eigenen Geschichten handeln oft von unglücklicher Kindheit und Jugend, aber auch der Holocaust und jüdisches Leben in Deutschland waren für sie wichtige Themen.

Für ihre Arbeit erhielt Pressler viele Auszeichnungen - den Sonderpreis für das Gesamtwerk des Deutschen Jugendliteraturpreises sogar zweimal, für ihre Erzählungen und ihre Übersetzungen.

Plädoyer für eine "offene und tolerante Gesellschaft"

Noch im Dezember war ihr das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht worden. In der Begründung hieß es, Pressler habe sich in herausragender Weise für die Völkerverständigung insbesondere zwischen Israel und Deutschland eingesetzt. Gleiches gelte für die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht. Ihre Kinder- und Jugendbücher seien ein Plädoyer für eine "offene und tolerante Gesellschaft".

Ihr letzter Roman wird im März erscheinen. "Dunkles Gold" schlägt einen Bogen von den Pestpogromen im Mittelalter zu aktuellen antisemitischen Entwicklungen in Deutschland.