Halil Altindere "Ballerinas and Police"
Halil Altindere "Ballerinas and Police" (Filmausschnitt) Bild © Meliha Verderber (hessenschau.de)

#MeToo, Gezi-Park-Proteste oder Occupy: Immer neue Protestbewegungen wehren sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung in unserer Zeit. Da wird auch die Kunst wieder politischer, wie die Schau "Power to the People" in der Frankfurter Schirn zeigt.

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Ob Occupy, der Arabische Frühling, die Black-Lives-Matter-Bewegung, die Gezi-Park-Proteste oder die #MeeTo-Kampagne: Weltweit hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Protestbewegungen gegeben. Das zeigt: 50 Jahre nach der 68er-Bewegung scheinen Demokratie und Freiheitsrechte heute mehr denn je in einer Krise. Damals war Frankfurt ein zentraler Ort der Studentenrevolten in Deutschland.

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"Power to the People"

Wann: 21. März bis 27. Mai
Wo: Schirn Kunsthalle, Römerberg, 60311 Frankfurt
Eintritt: 9 Euro
Infos: Homepage

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zur Bildergalerie "Power to the People": Politische Kunst in der Frankfurter Schirn

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An diese Tradition der Stadt will eine neue Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle anknüpfen. Schon der Titel zitiert einen der Leitsprüche der damaligen Bürgerrechtsbewegung: "Power to the people. Politische Kunst jetzt". Gezeigt werden insgesamt 43 Werke aus den vergangenen zehn Jahren von Künstlern aus unterschiedlichen Ländern: von Deutschland, England oder Belgien, den USA, der Türkei, Israel oder Libyen.

Es sind Arbeiten, die sich mit den aktuellen politischen Entwicklungen beschäftigen und Fragen aufwerfen wollen. "Wir erleben eine Rückkehr der Kunst ins Politische", erklärt Schirn-Direktor Philipp Demandt am Dienstag. Die Schau zeige eine internationale Bestandsaufnahme der zeitgenössischen politischen Kunst. "Die Künstler erscheinen wieder als Seismografen in diesen politisch bewegten Zeiten", sagte Demandt.

"5000 Likes" gegen Meinungsmanipulation

Und die Bandbreite ihrer Ausdrucksformen so groß wie die der Themen: Zu sehen sind Installationen, Fotografien, Zeichnungen, Malerei und Filme. Die Themen reichen von staatlicher Unterdrückung, neuen Formen des Protests, der Wirkungsmacht von Sozialen Medien und Fake News bis zum Versagen von Amtsträgern oder öffentlichen Institutionen.

Phyllida Barlow "United 100banners2015"
Phyllida Barlow "United 100banners2015" Bild © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018

Gleich vorm Eingang zur Schirn wird der Besucher von einem bunten Fahnenmeer empfangen. Die Installation "United 100banners2015" der Britin Phyllida Barlow ist ein Hingucker, auch wenn die schriftlosen Fahnen nahezu laienhaft zusammengenäht und nur fragil an Sandsäcken befestigt wurden.

Mark Flood "5000 Likes"
Mark Flood "5000 Likes" Bild © Meliha Verderber (hessenschau.de)

Einen zentralen Platz in der Schau nimmt unter anderem die Arbeit "5000 Likes" des US-amerikanischen Künstlers Mark Flood ein. Das Werk befasst sich mit den Mechanismen der Meinungsmache in sozialen Medien. Die etwa DIN-A3-großen schwarzen Leinwände mit dem Wort "Like" können die Besucher im Raum beliebig verteilen und so alle Kunstwerke in der Schau auch selbst gleich bewerten.

Balletttanz unter Erdogan-Porträt

Geradezu poetisch wirkt dagegen der Film "Ballerinas and Police" von Halil Altindere. Der türkische Künstler zeigt Balletttänzerinnen, die unter einem Porträt von Präsident Erdogan zu Tschaikowskis Schwanensee-Musik tanzen und dabei von einer Polizeieskorte - die ebenfalls Ballett tanzt - gestört werden. Schließlich leisten die Balletttänzerinnen tanzend Widerstand. Weiß gegen Schwarz, Gut gegen Böse – doch am Ende werden diese Fronten aufgelöst und somit auch Denkmuster der Betrachter infragegestellt.

Halil Altindere "Ballerinas and Police" (Filmausschnitt)
Halil Altindere "Ballerinas and Police" (Filmausschnitt) Bild © Meliha Verderber (hessenschau.de)

Zu sehen ist auch ein Film, der das Ergebnis einer Recherche der Londoner Experten- und Aktivisten-Gruppe Forensic Architecture dokumentiert. Das Video "Bil’in: The Killing of Bassem Ibrahim Abu Rahma, 17 April 2009" rekonstruiert den gewaltsamen Tod eines jungen Palästinensers bei einer Demonstration im Westjordanland an der Grenze zu Israel. Die Dokumentation zeigt auf, dass Abu Rahma durch eine Tränengaspatrone starb, die gezielt auf ihn abgefeuert wurde. Der Bericht leitete Ermittlungen ein, die bis heute andauern.

Die Gruppe Forensic Architecture hatte im vergangenen Jahr auch hierzulande im Fall des Kasseler NSU-Mords für Schlagzeilen gesorgt. In einem Gutachten kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass der damalige Verfassungsschützer Andreas Temme die tödlichen Schüsse auf Halil Yozgat hätte mitbekommen müssen. Temme bestreitet dies bis heute.

Die Schau "Power to the People. Politische Kunst jetzt" ist vom 21. März bis zum 27. Mai zu sehen.