Bildkombo: Schriftzug altes Rebstockbad/ Entwurf neues Rebstockbad

Während in vielen Regionen Hessens ein Schwimmbadsterben beklagt wird, baut die Stadt Frankfurt gleich zwei neue Bäder. Auch in Bad Vilbel und Eschborn entstehen Schwimmbadneubauten. Architektonisch soll damit vieles anders werden.

Als Rolf Böker das Frankfurter Rebstockbad zum ersten Mal gesehen hat, war er überwältigt. "Die enorme Großform, man wird erschlagen davon", erinnert sich der Architekt an die riesige zeltartige Halle. Das war in den Achtzigerjahren, da war das Rebstockbad noch neu. Heute ist es marode, die gigantische Dachkonstruktion aus Holz ist verschimmelt, ein Neubau muss her.

Rolf Böker könnte das Projekt mit seinem Hamburger Architekturbüro Geising + Böker realisieren. Den europaweiten Wettbewerb hat er bereits gewonnen, jetzt verhandelt die Stadt noch mit den beiden Erstplatzierten über die Umsetzung. "Da sollen sich beide noch mal anstrengen", sagt Boris Zielinski. Als Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt ist er der Bauherr.

Kleinteilige "Erlebniswelt" statt Riesenhalle

Vom alten Rebstockbad hat sich das Architektenteam um Rolf Böker weit entfernt. Anstelle der Riesenhalle soll ein Ensemble von Gebäuden aus Sportbad und Erlebnisbad, Sauna- und Wellnessbereich entstehen. So werde bei einer Brutto-Grundfläche von 18.000 Quadratmetern und 2.000 Quadratmetern Wasserfläche ein "kleinteiliger" Eindruck erzeugt, der die Strukturen des Wohnviertels Rebstockpark aufgreife, sagt Böker. Zum benachbarten Park mit Teich soll sich das Gebäudeensemble terrassenartig öffnen. Im Inneren "taucht man ab in eine Erlebniswelt", die sich an den vier Elementen Luft, Wasser, Erde und Feuer orientieren soll, verspricht Böker.

Entwurf Rebstockbad Geising + Böker Architekten

Das Ziel: ein Bad, das allen passt

Die einzelnen Bereiche des neuen Rebstockbads werden akustisch voneinander abgekoppelt. Damit reagieren die Bäderbetriebe "auf das Feedback der Leute", erklärt Geschäftsführer Boris Zielinski. "Wenn Kinder auf der Rutsche Gaudi machen, fühlen andere sich gestört." Das Rebstockbad verbinde Sportangebote und Schwimmunterricht mit Erlebnis und Wellness. In dieser Art sei es eines der größten Projekte in Deutschland, ein "Leuchtturmprojekt", schwärmt Zielinski. 89,5 Millionen Euro sind dafür eingeplant. Ende April soll das alte Rebstockbad für immer schließen und dann abgerissen werden. Der Baubeginn ist für Anfang 2023 geplant, die Neueröffnung für Ende 2025.

Schwimmbäder altern schnell, besonders die Technik

Doch warum muss ein "nur" knapp 40 Jahre altes Schwimmbad schon wieder abgerissen werden? Bäderchef Zielinski lacht: "Nur? Wenn das neue Bad 40 Jahre hält, wäre das schon gut!" Auch der Hamburger Architekt Rolf Böker, der schon rund 50 Schwimmbäder gebaut hat, kennt das Problem: "Vor allem die Haustechnik ist schnell veraltet, beim Schwimmbad macht das einen großen Teil aus", sagt Böker. Beim Rebstockbad kam noch die verschimmelte Dachkonstruktion hinzu, die schon seit Jahren provisorisch abgestützt werden muss.

Dass das Rebstockbad neu gebaut werden soll, war in Frankfurt politisch unumstritten. Gleichzeitig plant die Stadt auch Ersatz für das Panoramabad im Stadtteil Bornheim. "Wir sind tatsächlich besonders glücklich, zwei neue Bäder realisieren zu können", freut sich Andrea Brandl, Sprecherin von Sportdezernent Markus Frank (CDU).

Frankfurt will Bäder-Infrastruktur erhalten

Das neue Familienbad Bornheim wird vom Stuttgarter Büro 4a Architekten geplant. Es entsteht direkt neben der Eissporthalle, deren Abwärme könne zum Heizen des Schwimmbads genutzt werden. Auf dem Gelände des bisherigen Panoramabads werden Wohnungen gebaut. "Eine Win-Win-Situation für alle", sagt die Sprecherin des Sportdezernenten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG soll als Bauherrin Bad und Wohnungen realisieren.

Während allerorten Kommunen über Finanznot klagen und ihre Schwimmbäder schließen müssen, habe sich Frankfurt "bewusst entschieden, diese Infrastruktur zu erhalten". Anstatt mit teuren Spaßbädern hohe Eintrittspreise zu erzielen, gehe es der Stadt um die "Daseinsvorsorge". Dazu gehöre auch der freie Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren.

Mini-Urlaub in Bad Vilbels Mega-Therme

Geplante Therme Bad Vilbel

Ein kommerzieller Anbieter plant unterdessen im benachbarten Bad Vilbel eine Mega-Therme. Die bundesweit aktive Wund-Gruppe will hier eine weitere gigantische Wasserlandschaft mit geschwungenem Glas und viel Grün realisieren. Nach Angaben des Investors, sollen 200 Millionen Euro in das neue "Tropenparadies" fließen. Eine "ganz andere Zielgruppe als bei einem städtischen Bad" werde damit angesprochen, sagt der Hamburger Architekt Böker. "In so einer Therme zahlen die Leute viel Eintritt und verbringen einen halben Tag da, das ist fast wie Urlaub."

Kommunen setzten vermehrt auf lange Becken

Kinder im Becken beim Schwimmunterricht

Bei kommunalen Schwimmbädern hingegen beobachtet Böker einen neuen Trend zu 50 Meter langen Becken. Früher seien diese bei Freibädern oft geteilt worden, um Betriebskosten zu sparen. Jetzt wünschten sich viele Kommunen wieder die lange Strecke. So auch in Eschborn, wo das Büro Gesing + Böker gerade eine neues Sportbad mit 50-Meter-Bahn plant, das an das bestehende Freizeitbad angebaut werden soll.

Dass in Frankfurt und Umgebung so viele neue Bäder gleichzeitig entstehen, findet Architekt Rolf Böker "toll". Denn weil immer mehr Kinder nicht schwimmen können, müsse der Schwimmsport gefördert werden. Außerdem mache ihm und seinen Kollegen die Aufgabe, Schwimmbäder zu planen "äußert viel Spaß".

Sendung: hr2, 19.11.2020, 15.40 Uhr