"Landschaft mit dem Propheten Bileam und seiner Eselin", Ölgemälde von Joseph Anton Koch aus der Sammlung des Städel Museums

Das Städel Museum hat ein Bild des Malers Joseph Anton Koch zurückerhalten, das in den Kriegswirren verloren gegangen war. Eine US-Amerikanerin brachte es nun wieder nach Frankfurt.

Videobeitrag

Video

zum Video Verschollenes Gemälde zurück im Städel

hs110919
Ende des Videobeitrags

Über ein Versteck im Odenwald und eine Privatsammlung in den USA hat ein seit 1945 verschwundenes Gemälde den Weg zurück ins Frankfurter Städel gefunden. Das Museum berichtete am Dienstag über die außergewöhnliche Geschichte der um 1832 gemalten Heiligenszene des Tiroler Malers Joseph Anton Koch (1768 bis 1839). Das Ölbild trägt den Titel "Landschaft mit dem Propheten Bileam und seiner Eselin" und soll von Mittwoch an wieder im Sammlungsbereich zur Kunst des 19. Jahrhunderts in Frankfurts wichtigstem Kunstmuseum hängen.

Es handele sich "eindeutig nicht um Raubkunst", betonte eine Sprecherin des Hauses: Das Gemälde habe zur Nazi-Zeit schon seit rund 100 Jahren im Städel gehangen, sei also unverdächtig, dass die Nazis es jüdischen Besitzern raubten.

Kriegsbedingte Auslagerungen in den Odenwald

1939, im Jahr des Beginns des Zweiten Weltkriegs, begann das Museum den Angaben zufolge, seine Bestände auszulagern: teils, um sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen, teils, um mögliche Kriegsschäden zu vermeiden. Der damalige Sammlungsleiter Alfred Wolters habe das Koch-Gemälde zusammen mit anderen Bildern zunächst in der Stahlkammer einer Frankfurt Bank unterbringen lassen.

1944, als längst auch Bomben auf Frankfurt fielen, sei es ins Schloss Amorbach im Odenwald gekommen. Die bayerische Stadt sei einer von mehreren Orten gewesen, an denen Städel-Kunstwerke gelagert hätten.

1945 habe sich herausgestellt, dass die Depoträume in Amorbach geöffnet und geplündert worden seien. Mindestens 25 Bilder seien verschwunden gewesen, darunter der "Prophet Bileam". Drei Gemälde konnte das Museum nach eigenen Angaben inzwischen wiederfinden: "Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus" von Max Liebermann (1881/1882), eine Kopie von "Nymphen und Flussgott" des flämischen Meisters Peter Paul Rubens (1640-1662) und eine Ansicht Frankfurts von Philipp Winterwerb aus dem Jahr 1862.

Kunsthistorikerin aus den USA erbte das Bild

Nun also Kochs "Landschaft mit dem Propheten Bileam und seiner Eselin". Es war wie die anderen verschollenen Gemälde des Städels in der Datenbank lostart.de des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste als Suchmeldung registriert, wie das Museum berichtet.

Das Bild habe zuletzt einer US-Amerikanerin gehört, die in Missouri lebe und selbst Kunsthistorikerin sei. Sie habe das Gemälde geerbt und herausfinden wollen, welcher Künstler sich hinter den Initialen "I.K." in der Signatur des Gemäldes verbirgt. Dabei habe sie auch in der Lost-Art-Datenbank recherchiert. Sie sei auf die Suchmeldung gestoßen und habe mit dem Städel Kontakt aufgenommen, berichtete das Museum.

Städel kaufte Koch-Gemälde kurz nach Entstehung

Städel-Direktor Philipp Demandt sprach von "einer außerordentlichen Geste" und dankte "für die Großzügigkeit der Rückgabe". Für die Geschichte des vor gut 200 Jahren gegründeten Museums ist der weithin unbekannte Maler Koch von einiger Bedeutung. Der Landschaftsmaler habe mit seiner konturscharfen Malweise, seinem strengen Bildaufbau nach klassischen Kompositionsregeln und seinen biblischen Motiven einen großen Einfluss auf die sogenannten Nazarener ausgeübt.

Die Anfangsjahre des Städels und seiner Sammlungsstruktur seien wesentlich geprägt von der Ideenwelt der Künstlergruppe der Nazarener, hieß es am Dienstag. Kurz nach seiner Entstehung habe das Museum das Gemälde schon erworben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.09.2019, 19.30 Uhr