Nachgebildetes Korallenriff im Senckenberg-Museum Frankfurt. Haie umschwimmen Korallen.

Korallenriffe sind ein faszinierendes und fragiles Stück Natur, das nur wenige einmal live erleben. Das Frankfurter Senckenberg-Museum kommt mit seiner neuen Ausstellung aber sehr nah ran an die Realität. Tauchen Sie ein - ohne nass zu werden.

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hessenschau vom 16.07.2021
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Farbenpracht, Biodiversität und ein fragiles Ökosystem - all das kommt bei der neuen Dauerausstellung "Korallenriff" im Frankfurter Senckenberg-Museum zusammen. Die Besucherinnen und Besucher haben mit einer sechs Meter langen, drei Meter breiten und bis zu 3,3 Meter hohen Darstellung eines Korallenriffs ein wissenschaftliches Wimmelbild vor sich: Mehr als 3.000 Objekte haben vier Präparatorinnen in mehr als drei Jahren angefertigt, um die Vielfalt der Riffbewohner darzustellen.

Denn während Riffe weniger als 0,1 Prozent des Ozeanbodens bedecken, beherbergen sie ein Drittel der im Meer lebenden Tiere, erklärt Katrin Böhning-Gaese, im Senckenberg-Direktorium zuständig für Wissenschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig seien sie vom globalen Temperaturanstieg auch der Meere besonders betroffen: "Die Riffe sind die ersten Punkte, die kippen werden."

Natur so echt wie möglich abbilden

Die neue Ausstellung sei der Versuch, ein Stück Natur so echt wie möglich mit nach Frankfurt zu transportieren, sagt Kurator Philipe Havlik. "Dahin, wo es mindestens seit 30 Millionen Jahren keine Korallenriffe mehr gab."

Zu sehen sind Riff-Bewohner in Interaktion: von der Karettschildkröte mit Putzerfischen über Haie bei der Jagd bis hin zu einem Kokosnussoktopus in einer Muschel. Es werden auch symbiotische Beziehungen dargestellt, wie etwa das winzige Pygmäen-Seepferdchen, das in den Korallenfächern einer Weichkoralle, einer Gorgonie lebt. Für Bedrohung durch menschliche Einflüsse stehen etwa ein Fischernetz, aber auch ein Ohrenstäbchen, das sich am Schwanz eines Seepferdchens verfangen hat.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So viel Handarbeit steckt im Korallenriff

Nachgebildetes Korallenriff im Senckenberg-Museum Frankfurt. Um die Schauvitrine herum stehen Besucherinnen und Besucher.
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"Die Haie haben mich echt oft genervt", berichtet Präparatorin Anna Frenkel lachend vom Entstehungsprozess. Winzige Glaskugeln waren da zu verkleben, um am Ende einen möglichst realistischen Eindruck zu vermitteln - das alles in Handarbeit. Wie das Korallenriff entstanden ist, können Sie in diesem Youtube-Video sehen.

Lebensraum in allen Facetten darstellen

Die Bedeutung der Riffe etwa für Fischer und den Tourismus sind ebenfalls Thema der Schau: In Medienstationen rund um das Riff kommen eine Fischerin und eine Unterwasserfilmerin sowie Forschende und ein Naturschützer aus Tahiti zu Wort. "Es war uns wichtig, diesen Lebensraum in all seinen Facetten darzustellen", sagt Museumsdirektorin Brigitte Franzen. "Dazu gehören die tierische und die menschliche Lebenswelt als zwei untrennbare Sphären. Wir laden ein, wortwörtlich in unseren Ausstellungsraum 'einzutauchen', das Ökosystem Korallenriff zu erleben und die sozial-ökologischen Zusammenhänge zu verstehen."

Die Ausstellung ist ein weiterer Schritt des großen Museumsumbaus. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres entstanden die Ausstellungsräume "Meeresforschung" und "Tiefsee". Das Korallenriff ist in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für marine Tropenforschung in Bremen und mit der Hochschule Trier entstanden.

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