Tankard-Sänger Gerre hält einen Bierkrug mit dem nach der Band benannten Schlagenstern darin in der Hand.

Im Senckenberg Museum trifft Rockmusik auf Wissenschaft: Eine Ausstellung zeigt Fossilien, die nach Rockstars benannt sind. Auch die Frankfurter Thrash-Metal-Band Tankard ist jetzt Namensgeberin.

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Rockige Fossilien-Stars im Senckenberg

hs
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Es sieht ein bisschen aus wie ein Seestern, dieses rockende Fossil. Ophiura Tankardi heißt es und ist genau genommen eine Schlangenstern-Art, die vor etwa 30 Millionen Jahren existierte und bei einer Geothermie-Bohrung im rheinland-pfälzischen Nierstein entdeckt wurde.

Seine Entdecker - zwei Luxemburger Forscher und ein Fossiliensammler aus Rheinland-Pfalz - haben es nach der Frankfurter Thrash-Metal-Band Tankard benannt. Sänger Gerre alias Andreas Geremia ist stolz, dass seine Band jetzt zur erlauchten Riege der Rock Fossils gehört - so wie etwa Lemmy Kilmister von Motörhead, Mick Jagger von den Rolling Stones oder Sid Vicious von den Sex Pistols.

"Das ist eine große Ehre für uns", sagt er. "Und ob das eine Kröte, ein Schlangenstern oder sonst was ist, das ist erst mal zweitrangig für uns."  

Der nach der Frankfurter Thrash-Metal-Band Tankard benannte Schlangenstern Ophiura tankardi wird im Senckenberg Naturmuseum zum ersten Mal gezeigt.

"Rock Fossils" seit 2013 auf Tour

Mindestens im Rhein-Main-Gebiet war Tankard schon unsterblich - durch die Eintracht-Hymne "Schwarz-weiß wie Schnee". Jetzt trägt sogar ein Fossil ihren Namen. Das komme passend zum 40-jährigen Band-Jubiläum, findet Geremia. "Wir sind ja sozusagen auch Fossile, die noch am Leben sind."

Ophiura Tankardi ist die neueste Ergänzung der Ausstellung "Rock Fossils on Tour", die seit 2013 durch Europa tourt und nun im Senckenberg Museum zu sehen ist. Die meisten Exponate sind Rekonstruktionen. Sie orientieren sich mit einiger künstlerischer Freiheit an verwandten Arten, die es noch gibt.

Die Präparatoren hatten sichtlich Spaß bei der Gestaltung: Der nach den Frankfurtern benannte Schlangenstern etwa ist - passend zum Bandnamen, einer alten englischen Bezeichnung für Bierkrug - in einem solchen drapiert. Kalloprion kilmisteri, ein nach dem Sänger und Bassisten von Motörhead benannter Wurm, trägt auf der Bauchseite große Warzen, die an die Gesichtswarze von Lemmy Kilmister erinnern.

Kalloprion kilmisteri, ein fossiler Ringelwurm, wurde nach dem britischen Musiker Lemmy Kilmister benannt.

Tankard befindet sich in bester Gesellschaft

Gleich neben dem warzigen Wurm sitzt Macrostylis metallicola in einem Glaskasten. Der Forscher Torben Riehl vom Senckenberg Institut hat die Tiefsee-Assel 2020 nach seiner Lieblingsband Metallica benannt - weil er die Musik liebe und weil der Name gut passe, wie er erklärt. Denn Macrostylis metallicola lebt auf Manganknollen und ist damit eine "Metallbewohnerin".

Das könnte für sie noch gefährlich werden. In Manganknollen kommen Seltene Erden wie Kupfer, Nickel und Kobalt vor. Da der Hunger der Menschheit nach Rohstoffen auch vor der Tiefsee nicht halt macht, wollte Riehl mit der Benennung auch Aufmerksamkeit erzeugen für die Bedrohung der Tiefsee. Metallica selbst hat ihn dabei unterstützt und Macrostylis metallicola auf ihren Social-Media-Kanälen verbreitet.

Tiefsee-Krebs Macrostylis metallicola. Senckenberger Dr. Torben Riehl hat ihn nach seiner Lieblingsband Metallica benannt, um auf die Umweltprobleme durch den drohenden Tiefseebergbau aufmerksam zu machen.

Senckenberg ergänzt Fossilien um David-Bowie-Spinne

14 "Rock Fossils" sind im Frankfurter Naturkundemuseum aufgebaut, darunter auch eine nach David Bowie benannte Spinne. Sie stammt aus den Senckenberg-Beständen und gehört streng genommen nicht zur Wanderausstellung, fügt sich aber nahtlos ein: Spinnenforscher Peter Jäger hat Heteropoda davidbowie, wie ihr wissenschaftlicher Name lautet, 2008 beschrieben und nach seinem Idol benannt.

Genau wie der Musiker fällt sie optisch aus dem Raster. Denn während andere Arten ihrer Gattung gut getarnt waren, wie Jäger es "evolutionsbiologisch höflich" ausdrückt, fällt sie mit ihrem gelb-schwarzen Muster richtig auf.

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Fossile rocken das Senckenberg-Museum.

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Mick Jagger und Frank Zappa sind Rekordhalter

Inzwischen sind rund 100 Familien, Gattungen oder Arten nach Musikern, Songs, Bands oder Festivals benannt. 1971 gab ein rockaffiner Wissenschaftler neuentdeckten Arten erstmals die Namen von Rockstars - Mick Jagger und Frank Zappa. Sie halten mit jeweils vier Bennungen auch den Rekord in der Wissenschaftswelt.

Nach dem lebenden Rock-Fossil Jagger ist sogar eine ganze Gattung benannt: Jaggermeryx naida. Das rekonstruierte Tier sieht ein bisschen aus wie ein Flusspferd. Die besondere Form der Schnauze könnte den Ausschlag für den Namenspaten gegeben haben, vermutet Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung. "Die ist so leicht rüsselartig ausgezogen mit recht voluminösen Lippen. Da hat man wohl an den berühmten Mund von Mick Jagger gedacht."

Jaggermeryx naida – ein ausgestorbenes flusspferdähnliches Säugetier benannt nach Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones.

Namensgebung folgt bestimmten Regeln

Wenn Forscher und Forscherinnen eine neue Art oder eine ganze Gattung entdecken, müssen sie sich erst einmal sicher sein, dass es sich wirklich um eine noch nicht beschriebene Art handelt, erklärt Spinnenforscher Jäger. Das sei ein wesentlicher Teil der Arbeit.

Für die Benennung gelten einige Regeln. Der Name muss zunächst einmalig sein. Der erste Teil des wissenschaftlichen Namens bezeichnet die Gattung, der zweite Teil die Art. Die Artbezeichnung muss wiederum eine lateinische oder griechische Endung bekommen und sich dem grammatikalischen Geschlecht der Gattung anpassen - bei der Metallica-Assel Macrostylis metallicola etwa dem Femininum.

Auch die Schreibweise ist in der Wissenschaft festgesetzt: Der Gattungsname wird groß, der Name der Art klein geschrieben. Und alles kursiv.

Aufmerksamkeit schaffen für Artenvielfalt

Die Rock Fossils wollen nicht nur Einblick in die wissenschaftliche Nomenklatur geben, sondern vor allem aufmerksam machen auf das Forschungsgebiet. Gerade in Zeiten des Klimawandels könnte der Blick in die Vergangenheit und auf ausgestorbene Arten überlebenswichtig sein, sagt Forscher Peter Jäger.

Er hofft, dass die Ausstellung Aufmerksamkeit dafür schafft, "dass das alles zu unserer Natur gehört, egal ob in der Tiefsee oder in der Wüste". Und dass man diese Artenvielfalt aktiv schützen müsse.

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Rock Fossils im Senckenberg Museum

Die Ausstellung "Rock Fossils" zeigt dreidimensionale realistische Modelle von Fossilien, die nach Bands oder Rockstars benannt sind. Sie ist bis 4. September in Frankfurt zu sehen. Danach reist die Ausstellung weiter nach Dänemark, wo das Konzept entstanden ist.

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