Mit seiner neuen Leiterin Brigitte Franzen schlägt das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt einen neuen Weg ein. Die Forschung soll aus dem stillen Kämmerlein geholt werden, ein offenes Labor bringt Besucher und Forscher zusammen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lebendiger Dialog zwischen den Sparten

Brigitte Franzen, die neue Leiterin des Senckenberg Museums Frankfurt
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Das Frankfurter Senckenberg-Museum bekommt eine neue Direktorin und man könnte vermuten, dass für diese Aufgabe die Wahl auf eine Bewerberin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund gefallen ist. Doch Brigitte Franzen ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin - ihren Arbeitplatz würde man somit eher an einem Kunstmuseum verorten.

Für die 54-Jährige ist das kein Widerspruch, sie lebt das Prinzip des Dialogs zwischen den verschiedenen Sparten. In ihren Forschungsarbeiten hat sie sich auch immer mit der Natur befasst, über Künstlergärten hat sie beispielsweise promoviert. "Es gibt da durchaus eine Verbindung zu den Inhalten eines naturwissenschaftlichen Museums", erklärt Franzen.

Naturmuseum als Faktenchecker

Franzen sieht die Aufgabe eines Naturmuseums als die eines "Faktencheckers in unserer Zeit". Fakten und Wissen müssten auf den Prüfstand gestellt werden. Forscher dürften nicht im stillen Kämmerlein arbeiten, sondern sollten ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

"Meine Museumsidee ist eine des Labors oder des Forums aber auch die einer Forschungsplattform." So soll eine Art "offenes Labor" gegründet werden, in dem Besucherinnen und Besucher auf Forschende treffen und Einblicke in deren aktuelle Arbeit bekommen.

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200 Jahre Senckenberg-Museum

Das 1821 gegründete Senckenberg-Museum feiert im kommenden Jahr sein 200-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist unter anderem eine größere Ausstellung über Korallenriffe geplant.

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Zudem sei ein neuer Bereich zum Thema "Natur und Medizin" geplant sowie ein eigener Ausstellungsbereich zur Evolution des Menschen. Mit Brigitte Franzen schlägt das Senckenberg-Museum in seinem Jubiläumsjahr einen neuen Weg ein. Wissenschaft und Kunst sollen stärker verzahnt werden. Insgesamt will das Museum mit seinen bis zu 600.000 Besuchern im Jahr jünger, diverser und digitaler werden.

"Wo kommen wir her und wo wollen wir hin auf dem Planeten? Wie wollen wir leben? Was ist planetarisches Denken?", formuliert Franzen als Leitfragen. Ziel sei es, den Blick auf das Universum zu schärfen und es damit besser zu verstehen.

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Zur Person

Die neue Museumsdirektorin Brigitte Franzen studierte Kunstgeschichte, Europäische Ethnologie, Germanistik und Soziologie an den Universitäten in Karlsruhe, Wien und Marburg. Seit 1993 betreute sie rund 100 Ausstellungsprojekte. Von 2009 bis 2015 war Franzen Direktorin des Ludwig-Forums für Internationale Kunst in Aachen. 2015 wurde sie Alleinvorstand und Geschäftsführerin der "Peter und Irene Ludwig Stiftung" mit 28 Partnermuseen in sieben Ländern, darunter die Museen Ludwig in Köln und Budapest.

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Sendung: hr2-kultur, 1.12.2020, 8.16 Uhr