Neue Ausstellungsräume im Senckenberg Naturmuseum zu Tiefsee und Meeresforschung

Wir wissen mehr über das Weltall als über die Tiefsee. Das Senckenberg-Museum erhellt diese fremde Erdregion in zwei Themenräumen und ermöglicht Besuchern eine ganz neue Erfahrung.

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Das Plätschern der Wellen ist schnell verstummt. Mit jedem Meter, den das U-Boot abtaucht, wird es kälter und dunkler. Im tiefblauen Wasser auf dem Bildschirm taucht ein verschwommener Umriss auf. Mit dem Joystick, der den Greifarm lenkt, ist das Tier schnell angesteuert und auch gleich identifiziert: eine Meeresschildkröte.

Tausende Meter tief können die Besucher im Senckenberg-Naturmuseum im neuen Ausstellungsraum "Meeresforschung" mit einem U-Boot ins Wasser eintauchen - zumindest digital. Zu entdecken gibt es ab Freitag neben Makrelen, Quastenflossern und Pottwalen weniger bekannte Lebewesen, die der vermeintlich kargen Umgebung in großen Tiefen trotzen.

Digitaler Tauchgang in die Tiefe im neuen Ausstellungsraum "Meeresforschung" im Senckenberg Museum

So einfach wie die Museumsbesucher haben es echte Forscher nicht: Die bemannte Tauchfahrt in die Tiefsee ist risikoreich, teuer und aufwendig. Dunkelheit, Kälte und hoher Druck verlangen Mensch und Technik viel ab.

Wie die Wissenschaftler dennoch seit 160 Jahren versuchen, die Geheimnisse in großer Tiefe zu entschlüsseln, zeigen die Geräte, die rund um den digitalen Tauch-Roboter ausgestellt sind: autonome Unterwasserfahrzeuge, spezialisierte Bohrer und eine begehbare historische Tiefseekugel.

Riesenkalmar und eine Oase der Tiefsee

Welche ungewöhnlichen Entdeckungen die Forscher bisher machten, zeigt der ebenfalls neue Ausstellungsraum "Tiefsee". Er ist der echten Tiefsee nachempfunden, die 200 Meter unter der Meeresoberfläche beginnt und an ihrer tiefsten Stelle elf Kilometer misst: Beleuchtet sind nur Vitrinen, in denen die Forscher die auf den ersten Blick karg anmutenden Lebensräume und ihre teils bizarren Bewohner nachgebildet haben.

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Voranmeldung nötig

Wegen der Corona-Pandemie dürfen sich in beiden Raum maximal je 20 Besucher gleichzeitig aufhalten. Daher muss man sich vorab für einen festgelegten Zeitraum auf der Seite des Museums anmelden.

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Unter der Saaldecke hängt ein Schwarm großer Tiefseefische, auch ein lebensgroßes Modell eines acht Meter langen Riesenkalmars ist dort zu sehen. Direkt darunter zeigt eine Vitrine eine "Oase der Tiefsee", wie die Forscher es nennen: den Kadaver eines Wals.

Neue Ausstellungsräume im Senckenberg Museum: Tiefsee und Meeresforschung

An einem Ort, an dem Nahrung ständig knapp ist, lockt ein verendeter und abgesunkener Wal unzählige verschiedene Lebewesen an. Über Jahre zehren Fische, Würme und Krebse von seinem Fleisch, danach zersetzen Bakterien die Überbleibsel. Ein Tiefseeforscher des Senckenberg-Instituts hat dieses Modell mitentwickelt, das den zeitlichen Ablauf und die jeweiligen Akteure zeigt - nach Angaben des Museums ist es europaweit einzigartig.

Wenig erforscht, aber wichtig

Weit weg scheint dieser Lebensraum zu sein, vieles ist noch unbekannt: Nur etwa acht Prozent des Meeresbodens sind bisher vermessen, berichtet Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger. Selbst von der Rückseite des Mondes gebe es bessere Karten.

Neue Ausstellungsräume im Senckenberg Museum: Tiefsee und Meeresforschung

"Wie wichtig die Tiefsee für uns alle ist, bleibt uns meist verborgen", sagt Mosbrugger. Tatsächlich habe sie Einfluss auf die Meeresströmungen, das Klima und viele geochemische Stoffkreisläufe. Und sie beherberge große Nahrungs- und Rohstoffresourcen. Umgekehrt beeinflusst der Mensch auch die Tiefsee, indem er sie vermüllt und sie leerfischt.

Erster Teil der Museums-Modernisierung

Die Ausstellungsräume "Meeresforschung" und "Tiefsee" sind in Zusammenarbeit mit dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel entstanden. Es sind die ersten beiden für Besucher sichtbaren Ergebnisse des geplanten großen Museumsumbaus. Das Senckenberg-Naturmuseum soll in den kommenden Jahren Stück für Stück modernisiert und erweitert werden.

Corona-bedingt musste das Museum die Eröffnung der beiden neuen Ausstellungsräume um fast vier Monate verschieben. So fand zum Beispiel das Modell des Riesenkalmars wegen der geschlossenen Grenzen nicht rechtzeitig seinen Weg von Italien nach Frankfurt.

Im Dezember soll ein neuer Raum eröffnen, der sich den Flüssen widmet. Im kommenden Sommer folgt der Ausstellungsraum "Korallenriffe".

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Digitale Eröffnung

Die Austellungseröffnung wird wegen der Corona-Pandemie online gefeiert. Los geht es am 3. September um 18 Uhr. Weitere Information dazu finden Sie hier.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 02.09.2020, 19.30 Uhr