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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kulturschaffende in der Corona-Klemme

Staatstheater Darmstadt, Großer Saal

Abgesagte Konzerte, leere Theater, fehlende Aufträge. Das öffentliche Leben in Hessen ist wegen des Coronavirus stark eingeschränkt. Deshalb fürchten viele Freiberufler in der Kulturbranche um ihre Existenz.

Die meisten Theater, Clubs und Museen sind in diesen Tagen geschlossen. Die hessische Kulturszene liegt lahm - mit schweren Folgen für freiberufliche Künstler und Kultur-Macher. Vier von ihnen erzählen, was die plötzlichen Verdienstausfälle durch das Coronavirus für sie bedeuten.

Sängerin: "Ich biete jetzt Skype-Unterricht an"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alexandra Gießler über Gesangsunterricht per Skype

Alexandra Gießler
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Alexandra Gießler stammt aus Marburg und arbeitet im Rhein-Main-Gebiet als Sängerin und Musiklehrerin. Eine ihrer Einnahmequellen: Musik für Hochzeiten und Gottesdienste. "Jetzt in der Passionszeit hätte ich als Sängerin gut arbeiten können", sagt Gießler. "Aber auch Gottesdienste sind abgesagt, sodass ich in nächster Zeit gar keine Auftritte mehr habe. Die Sängerin rechnet auch nicht damit, für ausgefallene Konzerte entschädigt zu werden. "Wenn man nicht auftritt, bekommt man kein Geld."

Anders sieht es in Alexandra Gießlers Job als Musiklehrerin aus. Um weiter Unterricht anzubieten, kommuniziert sie jetzt per Videotelefonie mit ihren Schülern. "Es fehlt natürlich der persönliche Kontakt, aber man kann ganz gut arbeiten." Mit den Einnahmen aus dem Skype-Unterricht hofft Gießler, die kommenden Wochen zu überbrücken. Trotzdem habe die Technologie auch ihre Grenzen. Für Auftritte sind Livestreams keine Alternative, betont Alexandra Gießler. "Wenn man ein Orchesterkonzert macht mit einem Chor und vier Solisten, kann man nicht sagen: das machen wir via Skype. Da muss man real zusammenkommen."

Schauspieler: "Ich bin gespannt, wer danach noch da ist als Arbeitgeber"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Marc Ermisch zur Lage freiberuflicher Schauspieler

Portrait des Schauspielers Marc Ermisch
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"Es ist eine absolute Katastrophe." So beschreibt Marc Ermisch seine aktuelle berufliche Lage. Der Schauspieler arbeitet selbstständig für mehrere freie Theater in Frankfurt. Normalerweise tritt er an den Wochenenden auf, dazu kommen Schulvorstellungen während der Woche. Wegen der Coronavirus-Pandemie sind alle anstehenden Auftritte abgesagt. "Alle sind komplett ratlos und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Die Miete und Krankenversicherung laufen weiter, aber man hat keine Einnahmen mehr."

Aus seiner Sicht müsste die Politik Kulturschaffende jetzt schnell mit Geld unterstützen. Denn gerade die Situation der freien Theater ist zur Zeit dramatisch, schildert Ermisch. "Die haben ja teilweise keine Förderung von der Stadt oder vom Land. Ich bin gespannt, wer nach der Geschichte überhaupt noch da ist als Arbeitgeber."

Fotografin: "Keine Jobs in Sicht"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fotografin Jeannette Petri: "Ich habe noch keinen Plan B"

Jeannette Petri
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Jeannette Petri ist selbstständige Fotografin in Frankfurt. Normalerweise macht sie Porträts für Unternehmen, Künstler und fotografiert auf Veranstaltungen. Seit Ende der vergangenen Woche sind alle ihre Aufträge abgesagt. "Und es sind auch keine neuen Jobs in Sicht." Dazu kommt, dass Petri wegen der geschlossenen Schulen ihren Sohn betreuen muss. "Als Mutter und Selbstständige ist man da in einer blöden Lage."

Einen Plan B hat Jeannette Petri bisher noch nicht. Manche Fotografen suchen aber nach alternativen Einnahmequellen, berichtet sie. "Es gibt einige, die versuchen, Online-Kurse anzubieten." Von den angekündigten Hilfen der Bundesregierung - unter anderem Kredite und Steuererleichterungen für Unternehmer - erhofft sich Petri wenig. "Das ist alles schön und gut, aber bringt zumindest in meiner Situation nicht wirklich etwas." Stattdessen unterstützt die Fotografin die Forderungen aus der Kulturbranche, Freiberuflern jetzt mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zu helfen. Denn: "Wir Selbstständigen sind eh schon am Rande des Existenzminimums."

Theaterpädagogin: "Ich stehe mit dem Rücken zur Wand"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jessica Stukenberg über ihre abgesagte Theaterpremiere

Portrait der Schauspielerin Jessica Stukenberg
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Jessica Stukenberg aus Fulda arbeitet als Schauspielerin und Theaterpädagogin. Ihre aktuelle Produktion sollte eigentlich nächste Woche Premiere feiern, außerdem stünde ein Probenwochenende mit einer Theatergruppe an. Doch wegen Corona findet all das nicht statt. "Wir haben geprobt, haben Geld ausgegeben und sind mit Arbeitszeit in Vorleistung gegangen. Jetzt ist alles gecancelt. Das heißt, dass ich finanziell mit dem Rücken an der Wand stehe."

Vor allem die Theaterprojekte an Schulen fehlen Stukenberg, denn sie sind nicht nur bis nach den Osterferien, sondern bis zum Sommer abgesagt. "Ich muss jetzt gucken, woher ich bis dahin Geld bekomme. Mir sind schon so absurde Ideen gekommen wie Handlangerdienste im Krankenhaus oder Altenheim." Ein Grundeinkommen für freiberufliche Kulturschaffende fände auch sie in der aktuellen Lage angebracht.

Sendung: hr-iNFO, 18.03.2020, 12.36 Uhr