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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Philipp Demandt: "Kunst kaufen macht Spaß!"

Führungen Städel Museum

Gefragte Kunstwerke erzielen bei Auktionen inzwischen schon mal dreistellige Millionenbeträge. Kaum ein Museum kann dabei mithalten. Trotzdem schaffen sie es immer wieder, sich auch besondere Kunstschätze zu sichern. Ein Punkt ist dabei besonders wichtig.

Es war eine spektakuläre Versteigerung: Im Jahr 2017 wechselte beim Londoner Auktionshaus Christie's Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" für umgerechnet 381,6 Millionen Euro den Besitzer. Im selben Jahr erzielte das Max-Beckmann-Gemälde "Die Hölle der Vögel" (Bird’s Hell) dort umgerechnet 40,8 Millionen Euro - es war der höchste Preis, der je für ein Bild eines deutschen Expressionisten gezahlt wurde.

Zu den Rekordsummen lies das Auktionshaus verlauten, seit einiger Zeit werde bedeutsames Käufer- und Sammlerinteresse in Asien und "anderen neuen Märkten" verzeichnet.

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Hintergrund

Für den 14. Oktober hat das Städel Museum zu einer Pressekonferenz geladen, bei dem ein wichtiger Neuerwerb vorgestellt werden soll. Um welches Bild es sich handelt, ist noch geheim. Bekannt ist nur, dass es ein Werk des deutschen Malers Max Beckmann ist.

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"Auf Geschenke und Leihgaben angewiesen"

Auch deswegen können viele Museen bei Auktionen von Schlüsselwerken der Kunstgeschichte kaum mithalten, sagt der Münchner Kunsthändler Konrad O. Bernheimer: "Gerade staatliche oder städtische Museen sind auf Stiftungen, auf Geschenke, auf Dauerleihgaben angewiesen."

So ist es auch beim privat finanzierten Frankfurter Städel: "Das Städel Museum selbst hat keinen Ankaufsetat", erklärt dessen Chef Philipp Demandt. Das Haus finanziere sich zu großen Teilen aus Ticketerlösen und aus Spenden. "Wenn wir etwas erwerben möchten, dann tun wir das immer mit Hilfe von öffentlichen oder privaten Zuwendungsgebern."

"Ein Drittel sind Schenkungen"

Städel-Direktor Philipp Demandt

In der Regel komme der über 100 Jahre alte Städelsche Museums-Verein für wichtige Erwerbungen auf. Hinzu komme das Engagement des "Städelkomitee 21. Jahrhundert", zu dem mehrere Dutzend Privatpersonen gehörten. Dies ermöglicht seit 2007 den Ausbau der Sammlung von Gegenwartskunst.

Es gebe zudem immer wieder einzelne Privatpersonen, die bedeutende Beträge spenden oder dem Museum Kunstwerke schenken: "Ungefähr ein Drittel der Werke, die wir im Haus zeigen, sind Schenkungen", sagt Demandt. Bei gefragten, sehr teuren Kunstwerken sei schließlich das Engagement von Stiftungen wie der Kulturstiftung der Länder unumgänglich.

So konnte das Haus allein im Jahr 2019 Werke von über 60 Künstlerinnen und Künstlern anschaffen, darunter Victor Vasarely, Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff.

Enge Beziehungen wichtig

Selten tauchten die Kunstwerke dabei plötzlich auf dem Markt auf, sagt Demandt. "Wir wissen in der Regel schon sehr langfristig, welche Werke für uns wichtig sind", erklärt Demandt. "Werke, mit denen wir unsere Schwerpunkte stärken oder Lücken füllen." Ein Schwerpunkt sind beispielsweise Werke des deutschen Malers Max Beckmann (1884-1950), der von 1915 bis 1933 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule, der heutigen Städelschule, lehrte.

Entscheidend sei es deswegen, enge Beziehungen zu den jeweiligen Sammlern aufzubauen. Immer wieder bekomme das Städel "Werke, die zunächst als Leihgabe im Haus sind, und die dann veräußert oder auch geschenkt oder zu Sonderpreisen fürs Museum verkauft werden", berichtet er.

Netzwerk ist entscheidend

Kunsthändler Bernheimer bestätigt, dass selten Bilder "vom blauen Himmel herunter" auf dem Kunstmarkt auftauchen. "Für alle Marktteilnehmer, für jeden Händler ist das Netzwerk, das Wissen 'Wo ist was?' ganz wichtig", unterstreicht er.

Deswegen müsse auch ein Museumsmensch letztendlich wie ein privater Sammler agieren: "Der einzige Unterschied ist, dass es nicht sein eigenes Geld ist, sondern dass er das Geld dafür sammeln muss", sagt Bernheimer. Private Zuwendungen spielten dabei eine größere Rolle als öffentliche, berichten Bernheimer und Demandt.

"Angenehmer Nebeneffekt"

So bestimme der persönliche Geschmack oder das Interesse wohlhabender Einzelpersonen durchaus mit, was in Museen zu sehen ist, gibt Bernheimer zu. Doch er sieht das positiv: "Es ist doch ein angenehmer Nebeneffekt der heutigen Zeit, dass sich sehr vermögende kunstsinnige Menschen immer häufiger überlegen, ihre Sammlung öffentlich zu machen", sagt er.

Das sehe man auch daran, dass immer mehr Privatmuseen entstünden. Sonst hingen wichtige Werke verborgen in Wohnzimmern oder stünden in Lagern.

"Kunstwerke kaufen macht Spaß"

Städel-Direktor Demandt sieht das Netzwerken als Herausforderung: "Bei Entscheidungen, die zum Beispiel vom Städelschen Museums-Verein zu treffen sind, geht es weniger um Interesse und Geschmack, sondern eher darum, dass wir als Kunsthistoriker, Kuratoren und auch als Direktor den Ankauf natürlich entsprechend begründen müssen."

Denn, sagt Demandt mit einem Augenzwinkern: "Kunstwerke zu kaufen macht Spaß, es ist attraktiv, das challenged die Leute auch, wenn ich das mal ein bisschen neudeutsch sagen darf, noch dazu, wenn es um Auktionen geht. Da fiebern dann auch die Förderer immer ein bisschen mit."

Sendung: hr-iNFO, 14.10.2020, 15.25 Uhr