Drei Ausstellungen werden mit drei Fotos vorgestellt: Ein Ring der Schmuckdesignerin Wiedenbach, ein Ganzkörperplastinat von "Körperwelten" und ein Kunstwerk von Ludwig Knaus

Fantastische Frauen, bunte Götter, menschliche Echtpräparate, satirische Sternstunden und der Beuys-Block in ganzer Pracht: Neue Ausstellungen eröffnen das neue Jahr in den Museen. Ein Ausblick bis März.

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Bergpark Wilhelmshöhe
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Januar | Februar | März

Januar

In der Gedenkstätte Point Alpha läuft seit November der erste Teil einer Foto-Ausstellung zur Grenzöffnung 1989 in der Rhön. Seit Anfang Januar bis 1. März ist Teil zwei der Retrospektive zu sehen. Im Haus auf der Grenze zwischen dem osthessischen Rasdorf und Geisa in Thüringen werden 15 weitere Fotoszenen präsentiert. Die Motive stammen von zwei Fotografen aus der Region, die die Szenen an den heimischen Brennpunkten im Wendejahr festhielten.

Schilder an der früheren deutsch-deutschen Grenze mit Aufschrift "Achtung! 50 Meter bis zur Grenze"

Dass sich im Geldmuseum in Frankfurt alles um Mäuse, Schotter und Penunzen dreht, ist kaum verwunderlich. Die Arbeiten von Annette Kelm passen somit hervorragend ins Konzept, spielen Geld, Konsum und Ökonomie in ihren Fotografien doch häufig eine Rolle. Ihre neuen Aufnahmen der Reihe "Geld", die in den Räumen der Bundesbank entstanden sind, gibt es vom 15. Januar bis 10. Mai im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank zu sehen.

Annette Kelm, Konfetti, 2019

Goldschmiederei kann modern und hip sein - das beweist die Ausstellung "Cool in the Pool" im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau vom 16. Januar bis 29. März. Die Werke der Stadtgoldschmiedin Silvia Weidenbach sind nicht aus Gold, Silber oder Bronze, sondern aus Moondust, einem ganz speziellen Kunststoff. Mit Virtual-Reality-Technik inszeniert die Künstlerin ihre rund 100 Werke so, dass nicht nur das einzelne Kunststück präsentiert, sondern auch die Entstehungsgeschichte erklärt wird.

Deutsches Goldschmiedehaus Hanau "Cool in the Pool - Silvia Weidenbach"

In der Kunsthalle Darmstadt wird ein Statement gegen die modernen schnelllebigen Medien gesetzt: Fünf junge Malerinnen, geboren in den Achtzigern, rufen mit ihren Kunstwerken zum Genuss der sinnlichen Malerei auf. Altmodisch sind die nicht. Die Kunstwerke greifen die Boomjahre der Neunziger und der Jahrtausendwende auf. Damals, als alles noch "supercool" war. "Super!" heißt auch ihre Ausstellung, die vom 26. Januar bis 5. April gezeigt wird.

Kunsthalle Darmstadt- Ausstellung "Super!"

Rom, Athen, Los Angeles, London, San Francisco: Seit 15 Jahren zieht die Ausstellung "Bunte Götter" des Frankfurter Liebieghauses von einem internationalen Kunsthaus zum nächsten. Vom 30. Januar bis 30. August kehrt die Schau über die im Lauf der Jahrtausende verblasste und daher ungewohnte Farbigkeit antiker Marmorskulpturen an den Ort ihres Ursprungs zurück. Die zweite Auflage mit doppelt so vielen Rekonstruktionen heißt "Bunte Götter - Golden Edition. Die Farben der Antike".

Ausstellung "Bunte Götter" im Liebieghaus Frankfurt

Februar

Von Frauen und ausschließlich über Frauen: Das Fotografie Forum Frankfurt zeigt das weibliche Leben in Italien seit 1965. Darunter sind auch Fotos zu sehen, deren Veröffentlichung in Italien zur damaligen Zeit zensiert worden wäre wie frühe Aufnahmen von Transvestiten. Die Fotografie-Ausstellung "Resistance & Sensibility. Collezione Donata Pizzi" beginnt am 1. Februar und endet am 26. April. Alle Aufnahmen stammen aus der Sammlung der italienischen Fotografin Donata Pizzi.

Ausstellungsstück aus "Resistance & Sensibility" vom Fotografie Forum Frankfurt

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) zeigt ab Februar die 26 besten Bauten in Deutschland. Verschiedene Wohn-, Büro-, Bildungs- und Kulturprojekte sind nominiert. Am ersten Tag der Ausstellung, am 1. Februar, wird auch der Gewinner im Rennen um den besten Bau des Jahres 2020 preisgegeben. Aus 26 Shortlist-Kandidaten sind bereits fünf Finalisten zum "DAM Preis 2020" nominiert worden, darunter der Neubau am Peterskirchhof in Frankfurt. Bis 10. Mai sind die Modelle der jeweiligen Bauten im DAM ausgestellt.

DAM Preis 2020: Neubau am Peterskirchhof in Frankfurt

Geschichte und Gegenwart prägen Kunst, das zeigt sich auch in Kubas zeitgenössischen Werken. Selbst überzeugen kann man sich davon vom 12. Februar bis 14. Juni in den Opelvillen Rüsselsheim. Die dort präsentierten Ausstellungsstücke sollen einen Eindruck von der komplexen Situation des Landes verschaffen. Und das heutzutage wie damals zur Zeit der Kuba-Krise. Darauf weist auch der Ausstellungstitel "Liebesgrüße aus Havanna - Zeitgenössische kubanische Kunst im internationalen Kontext" hin, der sich an den Titel des zu Zeiten des Kalten Kriegs gedrehten James-Bond-Klassikers "Liebesgrüße aus Moskau" anlehnt.

Ausstellungen Opelvillen Rüsselsheim

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt startet das Ausstellungsjahr mit "Fantastischen Frauen". Dass Frauen im Surrealismus Anfang des 20. Jahrhunderts mehr waren als nur Modell, zeigt die Schau in der Schirn vom 13. Februar bis 24. Mai. Ausgestellt werden rund 260 Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Filme von 34 Künstlerinnen - von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo.

Frida Kahlo, Selbstbildnis

Die Stadt Wiesbaden gedenkt in ihrem Landesmuseum eines ihrer berühmtesten Kinder: Ludwig Knaus. Der Künstler wurde 1829 dort geboren, viele seiner bekannten Malereien und Porträts entstanden in seinem Wiesbadener Atelier. Bereits zu seinen Lebzeiten schmückte sich seine Heimatstadt mit dem Mann, der es zu internationalem Ruhm brachte. Die "Homecoming"-Ausstellung erinnert vom 14. Februar bis 2. August an ihn.

Ausstellungen Museum Wiesbaden "Ludwig Knaus - Homecoming"

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt feiert 2020 sein 200-jähriges Bestehen. Zum Start des Jubiläumsjahrs (14. Februar bis 24. Mai) zeigt das HLMD eine Ausstellung zu einem Kunstwerk, die mit mehr als 200 Bestandteilen bereits 1970 begeistert hat: das "Kraftwerk Block Beuys". Diese weltweit größte erhaltene Installation wirkt auch heute noch so, als habe Joseph Beuys die Räume gerade eben verlassen.

Joseph Beuys im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, 1971
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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessisches Landesmuseum Darmstadt feiert 200-jähriges Bestehen

Eingang zum Landesmuseum Darmstadt
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Die umstrittene Ausstellung "Körperwelten" zieht zum 21. Februar nach Kassel. Mithilfe von mehr als 200 menschlichen Präparaten will die Ausstellung auf eine verständliche Art und Weise vermitteln, wie sich verschiedene Lebensstile auf die Gesundheit des Körpers auswirken. Ein Beispiel: wie jahrelanger Zigarettenkonsum die Lunge beeinträchtigt. Die Ausstellungspräparate basieren auf Körperspenden. Zu sehen sind Ganzkörperplastinate wie der Körper einer schwangeren Frau mit ihrem ungeborenen Kind. Bis 17. Mai ist die Wanderausstellung zu Gast in der documenta-Halle in Kassel.

Ausstellungen Körperwelten Kassel

Satire-Fans aufgepasst: Das Magazin Titanic feiert dieses Jahr seinen 40. Geburtstag. Ihm zu Ehren präsentiert die Caricatura in Kassel eine Auswahl aus den bislang knapp 500 erschienen Titeln. Besucher erwartet vom 22. Februar bis 26. April ein satirischer Gegenentwurf zu vier Jahrzehnten deutscher Geschichte. Im Caricatura Museum in Frankfurt wurden zuvor schon einige Coverbilder gezeigt, in Kassel handelt es sich nun um "Die endgültige Titel-Ausstellung".

Die Titanic-Autoren Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella (von links)

März

Ein Tipp für einen Ausflug an einem verfrühten Frühlingstag: die Ausstellung "Herdanziehungskraft" im Hessenpark. Im Freilichtmuseum in Neu-Anspach (Hochtaunus) dreht sich dann alles ums Kochen und um die Küche als Ort des Familienrats, als Schnellimbiss, Treffpunkt in der WG oder als Designobjekt. Dazu gibt es gesellschaftliche, kulturelle und technikhistorische Analysen. Los geht's am 22. März. Hessenpark-Besucher können auch die gleichzeitig laufende Fotoschau "Mahlzeit, Deutschland!" über Ernährung sehen (ab 1. März). Beide Ausstellungen enden am 29. November.

Speisekammer

Man trifft sich, verliebt sich, trennt sich vielleicht, doch bleibt innerlich verbunden - bis zum Tod. So könnte man Lebensmenschen umschreiben. Alexey von Jawlensky und Marianne von Werefkin waren eines der wegweisenden Künstlerpaare der Avantgarde und füreinander Lebensmenschen. Das Museum Wiesbaden widmet diesem besonderen Paar eine seiner Sonderausstellungen (13. März bis 12. Juli).

Marianne von Werefkin, Liebeswirbel

Kleider machen nicht nur Leute, wie der Dichter Gottfried Keller in seiner Novelle schrieb. Kleidung gibt auch Auskunft über Gesellschaft und Zeit, worin sich ihre Träger bewegen. Schnittform, Nahtverläufe und Stoffe informieren über die Bewegungsmöglichkeiten und die Mobilität der Zeit. Trug man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch schwere, hochgeschlossene Kleidung, übernahm mit den 1920er-Jahren die korsettfreie Mode den gesellschaftlichen Trend. Die Ausstellung "Kleider in Bewegung" im Historischen Museum Frankfurt zeigt vom 18. März bis 19. Juli Erkenntnisse zur Kleidung von 1850 bis 1930.

Johann Heinrich Hasselhorsts Werk "Drei schreitende Frauen in Rückenansicht", Öl auf Leinwand, Frankfurt um 1900

Wenn die Digitalisierung ein Land wäre, wie sähe dieses aus? Dieser Frage widmet sich das Museum für Kommunikation Frankfurt in seiner Ausstellung "#neuland: Ich, wir und die Digitalisierung" (25. März bis 30. August). Die Ausstellung betrachtet die Folgen für die Gesellschaft und für den Einzelnen - positive wie negative.

Plakat zur Ausstellung "#neuland" im Museum für Kommunikation

Sendung: hr2-kultur, 15.01.2020, 8.40 Uhr