Zu sehen ist Malerei, eine historische Stadtansicht, ein Foto Hütter und ein Foto Wueste - Eindrücke aus den besprochenen Ausstellungen.

Wenn es draußen heiß ist, kann ein Gang durchs Museum Abkühlung bringen. Unsere Auswahl der Ausstellungen, die im Sommer in Hessen starten.

Juli | August | September

"Etwas sensationell Neues" heißt eine Ausstellung im Staatsarchiv in Marburg (Ende Juni bis 5. Februar 2020). Sie versammelt für die damalige Zeit Sensationelles: Farbfotos von Marburg, die 1911 entstanden sind, aufgenommen von Pharmazeut und Amateurfotograf Georg Mylius. Von diesen frühen Farbfotografien wurden seinerzeit sogar 24 Motive als Ansichtskarten vertrieben. Bis dahin war die Marburger Bilderwelt noch schwarzweiß.

Marburg Ausstellung "Etwas sensationell Neues"

Wie hat sich unser Leben in Hessen verändert, seit es Strom gibt? Die Wanderausstellung "Hessen unter Strom" (Ende Juni bis 13. Oktober) im Dreieich-Museum zeichnet die Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Hessen seit den 1880er-Jahren bis zu den heutigen Diskussionen um den Einsatz alternativer Energien nach. Dazu erzählen auch Staubsauger, Kühlschrank und Elektroherd von ihrem Einzug in unseren häuslichen Alltag.

Vier Glühbirnen, eine leuchtet

Spinnen? Igitt! Bienen? Nützlich. Der Mensch hat ein gespaltenes Verhältnis zum Insekt. Das Thema Insektensterben hat seinen Blick auf die kleinen Tierchen aber verändert: Ihre Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht und ihre zunehmende Abwesenheit werden immer augenfälliger. Das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg stellt in der Ausstellung "Flügelschlag" (7. Juli bis 13. Oktober) Künstler vor, die sich den fremdartigen Wesen annähern. Zu sehen sind Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Filme und Installationen.

Mirko Baselgia, Antupeda - The Bee dreams up the Flower, the Flower dreams up to the Bee, 2012

Wenn der Marburger Kunstverein eine Ausstellung mit dem Titel "Boris Becker. Fotografie" ankündigt, dann ist nicht der gleichnamige Ex-Tennisstar gemeint. Es geht um den Kölner Landschafts- und Architekturfotografen Boris Becker, der seit 1989 mit zahlreiche Preisen und Stipendien geehrt wurde und sich mit Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland einen Namen gemacht hat. Vom 27. Juli bis 12. September zeigt der Marburger Kunstverein eine Auswahl seiner Wüstenbilder.

Boris Becker Fotografie Wüste

August

Bunte Holzsärge in Fantasieformen sind der letzte Schrei in Ghana. Dank einer Schenkung besitzt das Kasseler Sepulkralmuseum 28 dieser Kunstwerke, die für die Ewigkeit unter der Erde bestimmt sind. In der Schau "Mit dem Linienbus ins Jenseits" zeigt das Museum vom 10. August bis 27. Oktober seine neuen Ausstellungsstücke zum ersten Mal.

Bus-Sarg aus Ghana

Ein ungewöhnliches Thema hat sich die Kunsthalle Darmstadt vorgenommen: In der Ausstellung "Helmpflicht" (16. August bis 15. September) geht es um Baustellen. In der Ausstellung soll das Wesen der Baustelle durch die Kunst-Brille beleuchtet werden. Zu sehen sind Werke, die Momente von Flüchtigkeit und Übergang einfangen oder sie selbst erzeugen. Dabei geht es mitunter auch um Gefahren, Umschichtungen und ihr potenzielles Scheitern.

Işık Kaya Natür-mort, Fotografie, 2014: Betonmischer an einer Baustelle - Nachtbaustelle

Schon als Kind war Johann Wolfgang von Goethe von dem berühmten Märchenbuch "Tausendundeine Nacht" fasziniert. Eine Faszination, die zeitlebens anhielt. 1819 erschien sein "West-östlicher Divan". Diese Gedichtesammlung ist immer noch aktuell, findet das Frankfurter Goethe-Haus und lädt ab dem 21. August (bis 23. Oktober) zur Ausstellung "200 Jahre Goethes 'West-östlicher Divan'" ein. Die Besucher erfahren hautnah, wieso sich Goethe für den Orient begeisterte, wie die Gedichte entstanden und wie Goethe orientalische und westliche Kunst verwebte.

Goethe: West-östlicher Divan (nur für entspr. Ausstellung verwenden!)

Pavel Opočenský gehört seit den 1970er-Jahren zu den großen Avantgardisten der Prager Schmuckszene. Er schafft Schmuckstücke aus verschiedensten Materialien, die oft auch kleine Skulpturen sein könnten. Im Goldschmiedehaus in Hanau sind vom 22. August bis zum 17. Oktober unter dem Titel "¾ of my life - jewellery by Pavel Opočenský" Arbeiten aus 40 Jahren künstlerischen Schaffens zu sehen.

Brosche aus Nephrit, Pavel Opočenský

September

Bilder sollen zum Meditieren einladen - das zumindest findet die Theologin Jutta Schlier aus Zierenberg. Sie malt mit Acryl auf Holz, Papier oder Vlies. Ihre Lust an Farben und Formen lässt Strukturen, Tiefenwirkung und lebendige Flächen entstehen. Schlier möchte den Betrachtern Zeit und Raum schenken für eine innere Einkehr. Vom 1. September bis 20. Oktober sind ihre Bilder im Sara Nussbaum Zentrum in Kassel zu sehen. Titel der Ausstellung: "Begegnungen".

Gemälde von Jutta Schlier im Sara Nussbaum Zentrum Kassel

Daumen hoch heißt "Alles super!", die Scheibenwischergeste signalisiert Unverständnis: Gesten sind ein wichtiger Teil der Kommunikation. Die Mitmachausstellung "Gesten. Gestern, heute, übermorgen" des Museums für Kommunikation Frankfurt (25. September bis August 2020) will Gesten und ihre Bezugspunkte zu kulturellen und technischen Entwicklungen erlebbar machen. Wie hängen Gestik und Sprechen zusammen? Was unterscheidet eine Roboterhand von einer menschlichen Hand? Fragen, mit denen sich die Besucher beschäftigen können.

dpa Adi Hütter

Wenn die Sprache selbst zum Gegenstand eines Gedichts wird, dann ist das "Konkrete Poesie". Und die ist Thema einer Ausstellung in den Opelvillen in Rüsselsheim (25. September bis 2. Februar 2020). Im Fokus stehen die Werke der Künstler Eugen Gomringer, einem Mitbegründer dieser Richtung, und Augusto de Campos, einem brasilianischen Lyriker.

Fassade der Alice-Solomon-Hochschule in Berlin mit Gomringers Gedicht

Nicht nur Kassel widmet dem großen Meister Rembrandt anlässlich seines 350. Todestages in diesem Jahr eine Schau. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt feiert den niederländischen Barock-Star mit einer Ausstellung seiner Radierkunst (26. September bis 12. Januar 2020). Fast alle Blätter, die gezeigt werden, stammen aus "altem Bestand" und wurden vom Gründer des Museums, dem späteren Großherzog Ludewig I. bereits 1802 gekauft. Wegen der Lichtempfindlichkeit der etwa 110 Papiere können diese Meisterwerke nur selten ausgestellt werden.

Rembrandt mit Saskia, 1636, Radierung

Höfische Jagdgesellschaften: Waren sie die Sportgroßereignisse ihrer Zeit? Mit der Ausstellung "Höfische Jagd in Hessen" widmet sich das Hessische Landesmuseum in Kassel vom 27. September bis 12. Januar 2020 der gesellschaftlichen und politischen Funktion der königlichen Jagd in der Frühen Neuzeit. Zu sehen sind prunkvolle Waffen und Jagdausstattung, aber auch Pokale, Besteck, Kleidung und Gemälde.

Hirschgeweih Statue

Ende September wirft die Frankfurter Buchmesse ihre Schatten voraus. In der Schirn Kunsthalle zeigt - anlässlich des Ehrengastauftritts Norwegens auf der Buchmesse - die Künstlerin Hannah Ryggen, dass Wandteppiche verblüffende Kunstobjekte sein können. Die Norwegerin webt auf ihren Teppichen ganz aktuelle Geschichten: Sie erzählen von den Gräueltaten des Krieges, aber auch vom Menschen und seiner Verbindung zur Natur (27. September bis 12. Januar 2020).

Hannah Ryggen