Bildkombo: Trevor Paglen "xxx"/ Rodney Graham, "Newspaper Man"

Spionage, Überwachung, Manipulation: Oft merken wir gar nicht, wenn wir ausgesspäht werden. Warum das ein Problem sein kann und wie sich das anfühlt, zeigt eine Ausstellung in der Schirn Frankfurt und verspricht Schlaflosigkeit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "We never sleep" - Spionage und Überwachung im Museum

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Spätestens seit das Internet in alle Lebensbereiche greift und Nutzerdaten im großen Stil gesammelt werden, ist klar: Wir werden ausspioniert. Der gläserne Mensch ist längst Realität. Wir sind Zielscheibe von Unternehmen, Behörden und des Militärs. Doch wie nehmen wir das wahr? Oder nehmen wir es überhaupt wahr?

Um den Ernst der Lage zu begreifen, brauche es Künstler, die uns die Dimension der Manipulation und Überwachung vorstellen, sagt Cristina Ricupero, Kuratorin der Ausstellung "We never sleep" in der Schirn Frankfurt. 40 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler machen dort die Themen Spionage im Stile des Kalten Krieges, aktuelle mediale Durchleuchtung, Überwachung, Paranoia und Geheimhaltungsstrategien seh- und spürbar. Wie kommt es, dass wir so oft ausspioniert werden und gar nicht verstehen, dass und warum das so ist?

Vom Agententhriller zur politischen Propaganda

Ricupero verknüpft die Arbeiten der Künstler spielerisch mit der Welt des Glamour. Die Geschichte von Spionen wurde schon in tausenden von Filmen portraitiert. Seit es Kino gibt, gibt es auch Agentenfilme, sie sind ein eigenes Genre. "Nichts scheint Künstler so zu inspirieren wie die Welt der Überwachung", sagt Ricupero.

Weitere Informationen

Ausstellung in der Schirn

"We never sleep"
Faszination der Spionage als künstlerische Inspiration
24. September bis 10. Januar
Schirn Frankfurt

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Künstler wie US-Amerikaner Trevor Paglen können mit ihren Arbeiten das Unsichtbare seh- oder spürbar machen. Er spioniert Spionen nach, indem er Überwachungsbehörden. Satelliten, Drohnen, NSA-Gebäude und Glasfaserkabel fotografiert, die alle dazu dienen Millionen von Daten zu sammeln. "Das klingt trivial" sagt Paglen, "aber um den historischen Augenblick zu kapieren, in dem wir leben, müssen wir sehr genau hinschauen und viel recherchieren". Nur so verstünden wir die Kräfte, die in der Gesellschaft unter der Oberfläche am Werk seien und wie sehr sich die Welt dadurch verändere.

Künstler spionieren Spione aus

"Künstler sind eine Art Werkzeug, um zum Nachdenken anzuregen", sagt der brasilianische Künstler Mauricio Dias. "Sie sind wie der Joker in einem Spiel, oder das Fragezeichen in einem Satz." In der Ausstellung "We never sleep" in der Schirn werden keine Antworten gegeben, aber ein Raum geschaffen, um die unbequemen Fragen zu stellen. "Denn wir Künstler sind nicht Teil des Systems."

Wer durch die Räume der Frankfurter Schirn flaniert, bekommt eine Ahnung davon, wie viel im Verborgenen passiert. Ob das dann Paranoia und Angst und den Wunsch nach Abgrenzung beim Besucher hervorruft, oder beim Blick auf altmodische Spionageutensilien zum Schmunzeln anregt, wird jeder für sich selbst spüren. Künstler wie Trevor Paglen oder Mauricio Dias halten den Finger in eine Wunde, die von vielen noch gar nicht als Wunde identifiziert wurde.

Sendung: hr2, 23.09.2020, 18.08 Uhr