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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neuer Intendant am Staatstheater Kassel stellt sich vor

Florian Lutz, neuer Intendant des Staatstheaters Kassel

Der neue Intendant des Kasseler Staatstheaters, Florian Lutz, hat die Ziele für die kommende Spielzeit vorgestellt: moderne Inszenierungen, politische Themen, Einbindung der Stadt. An seiner vorigen Wirkungsstätte sorgte Lutz für Wirbel.

Das Kasseler Staatstheater soll moderner und politisch werden und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und Region einbinden. Das hat die neue künstlerische Leitung am Mittwoch angekündigt. Noch schwebt wie eine dunkle Wolke die Corona-Pandemie über den ambitionierten Plänen. Die neue Spielzeit beginnt im September. Ob dann das Publikum wieder die Plätze einnehmen kann, ist offen.

Junges Publikum in die Oper locken

Der neue Intendant Florian Lutz hat für sein siebenköpfiges Team Kolleginnen aus seiner vorherigen Wirkungsstätte Halle mitgebracht. Dort galt der 40-Jährige als talentierter Erneuerer der Oper, polarisierte allerdings auch. Die einen fanden, Lutz sei "zwischen "Feuilleton-Hype und Wirklichkeit" gescheitert. Andere lobten ihn für mutige und kreative Inszenierungen, die bundesweit Aufmerksamkeit bekamen. Das Publikum wurde jünger - Streit über zu viele leere Plätze im Saal gab es trotzdem.

Hinter den Bühnenkulissen krachte es am Ende so gewaltig, dass sein Vertrag in Halle aufgelöst wurde. Nun beginnt Lutz in Kassel neu. Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) verknüpft mit der Personalie große Erwartungen: künstlerische Innovation und eine Verjüngung des Publikums. Lutz folgt auf Thomas Bockelmann, der seit der Spielzeit 2004/2005 Intendant ist.

Theater in die Stadt bringen

Am Mittwoch wollte das künstlerische Leitungsteam noch nichts über den Spielplan sagen, stattdessen ging es um die grundsätzliche Ausrichtung. Kornelius Pase, designierter Chefdramaturg für das Musiktheater, fasste es so zusammen: "Große Opern, die wir alle lieben", sollen mit einer zeitgenössischen Regie auf ihre "gesellschaftspolitische Dringlichkeit und Relevanz" abgeklopft werden. Dazu hat das Team die Vision, das Theater in die Stadt hinein zu bringen und die Zuschauer im Haus auf der Bühne einzubinden.

Das soll auch für das Theater gelten, erklärte die künftige Schauspieldirektorin Patricia Nickel-Dönicke: Bars und Clubs der Stadt, die unter der Corona-Pandemie leiden, sollen zur Bühne werden. Das Theater will Themen wie Verschwörungstheorien und rechte Ansichten verhandeln. Ein interreligiöses Festival zusammen mit verschiedenen Communitys und dem Ausländerbeirat ist geplant. Während des Fastenmonats Ramadan sollen Performances im Theater stattfinden, und nach Sonnenuntergang werde gemeinsam gegessen.

Raus aus der Theaterblase

Barbara Frazier wird die Leitung des Jungen Staatstheaters übernehmen, das jetzt JuSt+ heißt - das Pluszeichen soll ausdrücken, dass es nicht um eine exklusive Gruppe von Theaterleuten, sondern um die Geschichten der Menschen in Kassel gehe. Ihr schwebt ein Stadtensemble mit Laien-Darstellern vor und Auftritte auf Schulhöfen, "um nicht in der Theaterblase zu verschwinden".

"Es geht mit einem Paukenschlag los" versprach Intendant Lutz, der auch selbst Regie führen will. Die Spielzeit beginne mit einem Wochenende voller Opern-, Tanz-, Theater- und Musikveranstaltungen. Der Spielplan soll im Mai bekannt gegeben werden.

Sendung: hr-iNFO, 10.03.2021, 18.47 Uhr