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Audioseite Laufenberg verlängert nicht

Uwe Eric Laufenberg

Ein streitbarer und umstrittener Geist verlässt das Wiesbadener Staatstheater: Intendant Uwe-Eric Laufenberg will seinen Vertrag nicht über 2024 hinaus verlängern. Vorausgegangen waren Konflikte und ein verpatzter Termin.

Nachdem Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, am Sonntag in einem offenen Brief seinen Abgang vom Theater verkündet hatte, reagierte am Montag Laufenbergs Dienstherrin und Adressatin des Schreibens, Angela Dorn (Grüne).

In einer Stellungnahme gab die Kunstministerin zu, dass es bei der Terminierung der Gespräche über die Vertragssituation einen Fehler gegeben habe. Irrtümlich sei sie davon ausgegangen, die Frist für die Gespräche laufe noch bis zum Ende des Monats, schrieb Dorn, dabei hätten sich alle Parteien bis zum 15. September verständigen müssen. Dafür habe sie sich bei Laufenberg persönlich entschuldigt.

Zugleich respektiere sie Laufenbergs Entscheidung, sagte Dorn, und dankte ihm für die Arbeit.

Amt ab 2024/2025 zur Verfügung gestellt

Laufenberg hatte am Sonntag angekündigt, seinen Vertrag nicht über 2024 hinaus verlängern zu wollen. In dem Brief kritisierte er, dass die Ministerin keine Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gesucht habe. "Ihr lautes Schweigen kann ich mir nur so erklären, dass Sie nicht reden wollen." Deswegen stelle er sein Amt ab der Spielzeit 2024/2025 zur Verfügung.

Angela Dorn

Zwischen Dorn und Laufenberg hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Konflikte gegeben. Im vergangenen Herbst musste das Staatstheater nach einem Missverständnis bezüglich der Hygienevorgaben Vorstellungen absagen, für die zu viele Karten verkauft worden waren. Im Nachgang erteilte das Ministerium dem Intendanten eine Abmahnung, die nach schiedsgerichtlicher Klärung zurückgenommen werden musste.

Verschwörungsmythen bedient

In so genannten "Solo-Diskursen" auf der Webseite des Staatstheaters rückte Laufenberg zumindest in die Nähe von Corona-Verschwörungsmythen. Im Mai 2020 bezeichnete er einen Journalisten, der in einem Video die Formulierung "Kunst ist so wichtig wie Klopapier" verwendet hatte, als "Parasiten". Daraufhin wurde er zu Gesprächen ins Ministerium bestellt.

In der Belegschaft gab es wiederum Kritik am Führungsstil des Intendanten. So beklagte der Personalrat 2019 in einer Anhörung hessischer Kulturschaffender im Hessischen Landtag die "ungleich höhere" Arbeitsbelastung im Vergleich mit den anderen Hessischen Staatstheatern. Es gebe immer wieder Verletzungen geltender Tarifbestimmungen sowie des Arbeitszeitgesetzes. Dem widersprach die Theaterleitung, das sei die "subjektive Einschätzung" des Personalratsvorsitzenden.

Unterschiedliche Meinungen in der Stadt

Und in der Wiesbadener Stadtgesellschaft sind die Meinungen zu Laufenberg gespalten: Für die einen hat er die künstlerische Qualität des Staatstheaters gesteigert, andere werfen ihm vor, den Spielplan als Regisseur zu sehr zu dominieren und dabei nur Mittelmaß zu produzieren.

Laufenberg, Jahrgang 1960, ist gelernter Schauspieler. Er arbeitet aber unter anderem in Wien, Bayreuth und Dresden als Regisseur. Von 2004 bis 2009 war Laufenberg Intendant des Hans Otto Theaters in Potsdam. Ab 2009 leitete er die Kölner Oper, die unter seiner Führung 2012 zum Opernhaus des Jahres gekürt wurde. Nach einem Streit mit der Stadt um den Etat des Hauses wurde sein Vertrag im selben Jahr fristlos gekündigt.

2014 kam Laufenberg als Intendant nach Wiesbaden. Das Hessische Staatstheater dort wird zu 52 Prozent vom Land und zu 48 Prozent von der Stadt getragen.

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Disclaimer

In einer ersten Version des Artikels schrieben wir, Laufenberg, das Wiesbadener Gesundheitsamt und das Ministerium hätten im Herbst 2020 öffentlich über das Corona-Hygienekonzept des Hauses gestritten und der Spielbetrieb hätte im Nachgang kurzfristig komplett eingestellt werden müssen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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