Straßenbahnen passieren am 24.05.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) den Gebäudekomplex (l) von Schauspiel und Oper. Seit einem Jahr wird in Frankfurt über die Zukunft der maroden Städtischen Bühnenanlage diskutiert. Frankfurts Schauspiel und Oper sind in einer 1963 gebauten Theater-Doppelanlage untergebracht. Sie gilt als eine der größten in Europa, ist jedoch dringend sanierungsbedürftig.

Mehr als 18.000 Unterschriften sammelte die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt. Ihr Ziel: ein Bürgerentscheid zum Wiederaufbau des historischen Baus von 1902. Von der Absage haben sie nun aus der Zeitung erfahren.

Zu sagen, die Verantwortlichen der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt seien not amused, wäre eine Untertreibung. Als "Skandal" und eine "Riesensauerei" bezeichnete ein Sprecher der Initiative, was er nach eigener Aussage am Mittwoch aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erfuhr: dass das Rechtsamt der Stadt Frankfurt einen Bürgerentscheid für eine Rekonstruktion des alten Schauspielhauses abgelehnt habe.

Die FAZ berichtete, das Amt sei bei der Prüfung des mit über 18.000 gültigen Unterschriften eingereichten Bürgerbegehrens auf mehrere Mängel gestoßen, die eine Rekonstruktion verhindern würden: Demnach fehlt nicht nur ein schlüssiges Finanzierungskonzept. Auch wäre die Bühne des rekonstruierten Seeling-Baus von 1902 zu klein für einen zeitgemäßen Theaterbetrieb.

Drei zentrale Kritikpunkte

Bei der Aktionsgemeinschaft sieht man das naturgemäß anders. "Hanebüchen, platt und irrwitzig" nennt der Sprecher die genannten Ausschlusskriterien. Tobias Rüger, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft, will die Ablehnung vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt anfechten.

Um das auf den Weg zu bringen, bräuchte man erst einmal Akteneinsicht. "Vielleicht muss ich die Unterlagen bei der FAZ erbitten", übte sich Rüger in Galgenhumor. Der Sprecher der Aktionsgemeinschaft gab sich derweil sicher: "Sie werden sehen, dass das Bürgerbegehren vom Verwaltungsgericht durchgewunken wird."

Schauspielhaus Frankfurt 1957

Ob dieser Optimismus begründet ist, darf bezweifelt werden. Das liegt vor allem am dritten und wohl schwerwiegendsten Kritikpunkt, den die FAZ mit Berufung aufs Frankfurter Rechtsamt nennt: Das Begehren mit dem Titel "Rettet das Schauspielhaus" sei schlicht irreführend. Der Titel würde suggerieren, dass genügend Bausubstanz erhalten wäre, um das historische Schauspielhaus zu erhalten. Bloß sei das nicht der Fall.

Hürden für Bürgerentscheide besonders hoch

Wie hoch die juristischen Hürden für Bürgerentscheide sind, davon konnten zuletzt in Frankfurt die Organisatoren sowohl des Rad- als auch des Mietentscheids ein Lied singen. Beide Begehren wurden als "unzulässig" abgestempelt. Ungenauigkeiten, wie sie nun beim Entscheid zum Schauspiel vorliegen, dürften da nicht helfen.

Rein formell fordert die Initiative keinen Erhalt, wie es ihr Titel suggeriert, sondern den Bau eines neuen Gebäudes, das sich am historischen Vorbild orientiert. Aber auch das, betont Rüger, sollte mit Blick auf die vielen tausend abgegebenen Unterschriften und den darin ausgedrückten Bürgerwillen doch bitteschön in Betracht gezogen werden.

Die 900-Millionen-Euro-Frage

Über die Zukunft von Schauspiel und Oper wird in Frankfurt seit Jahren diskutiert. Eine Mehrheit der Stadtverordneten hat sich zuletzt für einen Neubau und gegen eine Sanierung des Gebäudes am Willy-Brandt-Platz in der Frankfurter Innenstadt ausgesprochen. Streitpunkt ist neben den Kosten von kolportierten 900 Millionen Euro das künftige Zuhause der Frankfurter Kultur: Während die SPD eine Doppel-Lösung zwischen den Bankentürmen favorisiert, wünscht sich der CDU-Baudezernent Jan Schneider einen Neubau an einer anderen Stelle, etwa am Osthafen.

Die präferierte Lösung der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus scheint jedenfalls in unerreichbare Ferne gerückt - auch wenn das offiziell noch niemand sagt. Die Mitglieder der Initiative wittern bei alledem politische Klüngelei. Das Kulturdezernat unter der Leitung von Ina Hartwig (SPD) habe wohl interveniert, mutmaßt der Sprecher. Angesprochen darauf winkt man im Dezernat allerdings nur müde ab. Er wisse gar nicht, wo er anfangen solle, auf die Unsinnigkeit dieses Vorwurfs inhaltlich einzugehen, sagte ein Sprecher.

SPD-Stadtverordneter begrüßt "Rüge" für Initiative

Das dem Rechtsamt organisatorisch und fachlich nahestehende Baudezernat wurde vom hr um eine Stellungnahme zum FAZ-Artikel gebeten. Darin hieß es am Nachmittag, über die Prüfung der Zulassung des Bürgerbegehrens sei noch nicht abschließend entschieden. Das täten in letzter Instanz die Stadtverordneten. Beim Rechtsamt war am Mittwoch niemand für Nachfragen zu erreichen.

Der SPD-Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf bezog sich derweil direkt auf den Bericht, als er die Entscheidung contra Bürgerentscheid am Nachmittag begrüßte. Er nehme "das vernichtende Urteil für das Bürgerbegehren natürlich positiv zur Kenntnis", teilte Bäppler-Wolf mit. Nicht nur wäre eine Rekonstruktion des Baus aus Kaiserreich-Zeiten aus seiner Sicht ein völlig falsches Zeichen für eine weltoffene Stadt wie Frankfurt. Vor allem die Tatsache, dass die Initiative mit einem offenkundig irreführenden Slogan auf Stimmenfang gegangen sei, sei vom Rechtsamt "zurecht ausdrücklich gerügt" worden.